Der Dschungel ruft

Wir waren irgendwie froh nach 5 Tagen Chengdu zu verlassen, da wir ein wenig gelangweilt von der Stadt oder auch vielleicht China sind. Aber nach nun fast 2 Monaten hier, weiß man wie der Hase läuft und freut sich natürlich auf neue Erlebnisse. Der Weg aus der Großstadt Chengdu lief für uns sehr entspannt und ruhig ab. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, ging es erst mal bergig weiter. Die Landschaft ist sehr grün und lässt ab und an schon ein wenig Dschungel Feeling aufkommen, so lässt sich erahnen, wie es dann in Südostasien aussehen muss. Wir fahren weiterhin durch dicht besiedelte Gebiete, in denen jeder Quadratzentimeter für Reisfelder oder sonstiges Nutzpflanzen genutzt wird. Was für uns auch immer sehr kurios ist, da es ja eigentlich viele kleine Ortschaften laut Karte gibt, wir diese aber kaum voneinander trennen können. Wir kennen von Zuhause, das nachdem eine Ortschaft zu Ende ist, es normalerweise ein paar Kilometer dauert bis der nächste Ort kommt. Hier ist der Übergang fließend, wenn es denn überhaupt einen gibt. So fahren wir den ganzen Tag eigentlich nur durch Ortschaften oder Städte ohne wirklich auch nur ein Fleckchen zu sehen, welches nicht bebaut oder vor allem zum Anbau von Reis oder ähnlichen genutzt wird. Das macht es weiterhin schwer für uns nach einen Zeltplatz zu suchen, aber auch die günstigen Hotelpreise von ca. 5€-7€ pro Person spielen hier einen entscheidenden Faktor das Zelt eingepackt zu lassen.

Das Essen in China ist ja generell schärfer als das was wir gewönnt sind. Jedoch in der Provinz Sichuan und auch in Guizhou, wo wir uns gerade befinden, wird durch den hier verwendeten Pfeffer und Chili alles noch einmal schärfer. Hier kann es schon mal passieren das der Mund einem kurzzeitig taub wird und der Schweiß wie beim Radfahren läuft.
Die Temperaturen sind zur Zeit sehr angenehm zum Radfahren und es kann für uns tendenziell nur noch wärmer werden. 🙂 Die ersten Tage starteten wir Morgens meist in einer dicken Nebelsuppe, teilweise hält sich der Nebel und die dicken Wolken den ganzen Tag, sodass man von der Landschaft nicht allzu viel mitbekommt.
Wir haben nach Chengdu den größten Fluß Chinas den Jangtsekiang überquert, leider konnten wir an diesem Morgen nicht viel sehen aufgrund des dichten Nebels, wie unschwer auf den Bildern zu erkennen ist.

Nachdem wir 3 Tage nur entlang von Ortschaften und Reisfeldern gefahren sind, ging es endlich wieder in die Berge. Entlang eines Flusses mit hohen und steilen Felswänden. Wir fühlten uns hier wie im Dschungel und alles war extrem grün und von den steilen Felswänden kamen überall kleine Wasserfälle herunter. Nachdem wir fast wieder 1000hm nach oben gekurbelt haben, änderte sich die Landschaft wieder und wurde teilweise wieder ein bisschen Europäischer. Wir diskutieren auch öfters unterwegs darüber, das manche Landschaftsteile vielleicht irgendwo bei uns in Europa liegen könnten. Können uns dann aber immer nicht ganz einigen.
Nachdem wir dann oben angekommen sind, gab es erst mal Mittag mit anschließender Selfie Stunde im Restaurant. Diesmal mit Bildmaterial damit ihr uns das auch glaubt.

Nach dem Essen durften wir fast alles was wir hochgefahren sind, wieder runter fahren. Nach vielen Baustellen und unzähligen Überholmanövern der teilweise langsam und kontrovers fahrenden Chinesischen Bevölkerung, sind wir dann in Xijiu eingetrudelt und haben uns hier im Hotel niedergelassen. Am nächsten Tag sollten wieder hauptsächlich Berge auf der Tagesordnung stehen. Nach unserem Start tat sich neben der Straße ein recht neuer Radweg auf, welchen wir natürlich gleich nutzten. Der Radweg führte imposant am Chishui He Flusses entlang, vorbei an schroffen Felswänden und meist abseits von der Straße. Wir trafen auch noch eine Gruppe älterer Herren aus Shanghai, die den Radweg mit ihren Klapprädern bewältigten und nur deswegen hier hergekommen sind. Hier mussten wir wieder für unzählige Selfies herhalten, bevor wir dann auch mal ein Foto mit der Bande machen durften. Der Radweg war für uns ein kleines Highlight und ließ sich wirklich wunderbar befahren und wir hätten so was hier in China nicht erwartet. Aber man muss hier in China auf alles gefasst sein, besonders wenn es um Bauvorhaben geht. Das sehen wir immer an den Autobahnen die hier durch die Berge gebaut werden. Bei uns Zuhause wurde vielleicht die Thüringer Wald Autobahn als innovativ bezeichnet, aber im Vergleich zu den Chinesischen Straßenbauprojekten die hier umgesetzt werden ist das in keinster Weise vergleichbar. Es scheint hier wirklich kein Berg zu hoch und keine Schlucht zu tief, um nicht irgendwie da eine Straße entlang zu bauen.

Die nächsten Tage verliefen wieder sehr hüglig, mal mit langen Anstiegen und Abfahrten oder es ging Berg- und Talbahn mäßig auf und ab. Teilweise haben wir auch das Problem das in unserer MapsMe App einige Straßen nicht oder nur unzureichend zu finden sind. So heißt es dann die Ortskundige Bevölkerung nach dem richtigen Weg fragen. Macht ja auch viel mehr Spaß!
Es gelang uns auch endlich mal wieder zu Zelten. Nachdem wir von einer langen Abfahrt über eine Hängebrücke nach Wujiang einrollten, erblickten wir von oben einen wunderschönen Fluss mit exzellenter Camping Möglichkeit. Da es schnell dunkel wurde, haben wir uns beeilt, eingekauft und schnell noch was gegessen. Dann ging es ab zum Fluss, Zelt aufgebaut und noch schnell im Bach gebadet. Während dessen wurden wir schon von ein Paar jungen Chinesen ein paar Meter neben uns zum Grillen eingeladen und haben hier natürlich nicht nein gesagt. Gegrillt wird hier ein bisschen anders als bei uns Zuhause und auch geschmacklich konnte die Sache nicht mit Zuhause mithalten, aber jedoch waren wir happy zu der lustigen Runde eingeladen worden zu sein. Nachdem die Grill Truppe in der Dunkelheit das Feld geräumt hat, haben wir die wirklich sehr schöne Atmosphäre am Fluss genossen. Später am Abend wurden die Brücken noch beleuchtet und das erste mal Campen seit langer Zeit wurde zu einem tollem Erlebnis. Am nächsten Morgen als wir uns zurück auf Straßenhöhe gekämpft haben, trafen wir eine Chinesische Radlertruppe allesamt mit E-Mountainbikes. Die Jungs wollten anscheinend zeigen wie Fit sie waren und so gab es ein kleines Rennen mit den Jungs. Die Jungs hatten gegenüber uns zwei Vorteile, kaum Gepäck und natürlich einen e-Motor. Nachdem der Großteil der Jungs gleich am Anfang kapitulierte hielten zwei tapfer durch. So schossen wir mit den Jungs die Berge hoch und runter. Am Ende hatten wir aber dann nach 15 km doch den längeren Atem und haben die Jungs abgehängt.

Als wir dann an unserem Ziel Guiyang angekommen sind, haben wir vor dem Shu Hostel durch Zufall unseren Zimmer Kollegen James aus Chengdu wieder getroffen. James ist aus Neuseeland und reist momentan durch Südostasien, war vorher aber schon in Europa unterwegs. Da waren wir natürlich glücklich, da James ein ziemlicher cooler Typ ist und wir in Chengdu viel Spaß mit ihm hatten.
In Guiyang haben wir den Qianling Park besucht, der ziemlich imposant mitten in der Stadt liegt und wirklich zu empfehlen ist. Der Park hat eine Größe von 42ha und beherbergt mehrere Seen, Höhlen, einen Tempel mit Mönchen, einen Zoo und Affen. Bei den Affen ist Vorsicht geboten, die sind ziemlich gewieft und klauen den Leuten das Essen und Trinken direkt aus den Händen. Werden aber auch von den Leuten mit Snacks und Cola gefüttert. Aber auch mit Reißverschlüssen an Rucksäcken sind Sie bestens vertraut, wie Frank am eigenen Leib erfahren musste als einer der Affen versuchte seinen Rucksack nach Essen zu untersuchen. Im Park haben sich James und Frank im Hongfu Tempel in ein paar Chinesische Kimonos geworfen und so waren Sie für die Chinesen der Blickfang schlecht hin.

Ansonsten haben wir es ruhig angehen lassen während der 2 Tage in Guiyang und unseren Beinen ein wenig Pause gegönnt. Die nächste Stadt die wir anfahren werden ist Guilin und vielleicht gibt es da schon wieder was neues von uns zu lesen.

Hier noch ein paar Eindrücke von Guiyang bei Nacht.

Faszination China

Nach unserem Stop in Lanzhou, hieß es auf Richtung Süden. Am ersten Tag ging es stetig bergauf durch wunderschöne Berge, die terrassenartigen Felder reichen bis hoch hinauf und lassen langsam das China erahnen, wie wir es uns vorstellen. In der ersten Nacht fanden wir einen kleinen Steinbruch zum Zelten. Patrick hatte durch das kühle Wetter, leichte Halsschmerzen. Diese waren auch am nächsten Morgen noch da. Also entschlossen wir langsam zur nächsten Stadt zu fahren und nach einem Hotel zu schauen. Nach 35 Km erreichten wir Taoyang und checkten ein. Leider wurden aus den Halsschmerzen eine ordentliche Erkältung/Grippe. So blieben wir mehrere Tage im Hotel und entspannten ein wenig.

Das Wetter wurde zunehmend schlechter und der Wetterbericht verhieß nichts gutes. Dennoch setzten wir uns in Bewegung. Nachdem es kontinuierlich bergauf ging, entschlossen wir uns am Abend doch nochmal ins Hotel zu gehen. Als wir das Zimmer gerade mit der Klima auf Temperatur hatten, die Heizdecken glühten und wir im Bett lagen – STROMAUSFALL. Nun so blieb es auch bis zum nächsten Morgen. Vor den Geschäften standen überall Notstromaggregate, also alles normal. In der Nacht schneite es 10 cm und rings um war alles Weiß aber es taute bereits wieder ein bisschen. Wir radelten einen 3000m hohen Pass entgegen. Oben angekommen trafen wir einen Chinesischen Mopedfahrer. Er ist in Shanghai gestartet und hat Tibet besichtigt und war als wir ihn trafen wieder auf dem Rückweg. Später im Restaurant sitzen wir neben ihm und er half uns ein Hotel zu finden. Leider dürfen hier nicht alle Hotels ausländische Touristen aufnehmen und so mussten wir 20 km in die falsche Richtung talabwärts fahren. Bei den Temperaturen, aber definitiv die richtige Entscheidung. Die Hotels sind echt Spitze, heiße Dusche, großen Fernseher und ein anständiges Bett und super günstig was will man mehr?

Weiter ging es wieder 50 km einen Pass hinauf, durch einen Tunnel und nach Min. Es ist immer erstaunlich wie unsere Chinesischen Freunde schauen, Bilder machen ohne zu fragen und mit dem Finger auf uns zeigen. An das scharfe Essen gewöhnen wir uns langsam und schaffen es immer besser unsere Wünsche zu äußern. Es gibt nun in vielen Restaurants 3 einfache und günstige Gerichte die wir uns abwechselnd zu Gemüt führen. Gebratener Reis, Gebratene Nudeln oder Suppe mit Fleisch und Nudeln. 🙂 Am besten  man sucht Restaurants mit Bildern, das erleichtert einiges.

Nachdem wir in Min gestartet sind, fuhren wir durch das Qinling Gebirge. Es ist beeindruckend wie hoch und steil die Berge sind. Im Tal entlang durch viele kleine Ortschaften mit viel Dreck und Staub auf den Straßen. Ein weiterer Punkt der uns auf den Chinesischen Straßen extrem nervt ist das ständige hupen. Wir kennen das ja schon, das Fahrzeuge hinter uns hupen, um zu signalisieren es kommt jemand. Aber die LKW’s und vor allem die Busse fahren teilweise mit gedrückter Hupe an uns vorbei. Ganz nachdem Motto wer am längsten und lautesten hupt hat Vorfahrt. Baustellen gibt es in China wie Sand am Meer, die vielen Menschen müssen ja auch irgendwie beschäftigt werden. Durch das schmale Tal, wird mit aller Gewalt an einer Autobahn gebaut. Es ist schon beeindruckend zu sehen mit welchem Aufwand die Chinesen ihre Bauvorhaben umsetzten.

Am Abend fragten wir nach einer Unterkunft in einer kleinen Stadt und schliefen in einer Art Ferienwohnung privat. Super unkompliziert ohne Ausweis oder Polizeikontrolle und für 5€ für 2 Personen doch sehr günstig. Es war sehr spannend zu sehen, wie die Chinesen leben. Teilweise schlafen und arbeiten Sie in einem Raum. Oft stehen in einem kleinen Hinterzimmer einfach ein Bett, ein Ofen und ein Fernseher.
Die Landschaft ist nun wieder herrlich grün, allerdings stiegen die Temperaturen nicht über 10°C-15°C. Nachdem es den ganzen Tag kontinuierlich leicht bergab ging, was bei Gegenwind aber nicht auffällt, erreichten wir Wudu. Hier nahmen wir uns wieder ein Hotel und durften sogar unsere dreckigen Fahrräder mit aufs Zimmer nehmen. Allerdings hatten wir hier auch wieder mehrmals Besuch vom Hotelpersonal im Zimmer, dem wir unsere Reiseplanung diktieren mussten. Eine größere Stadt in der wir ein schlechtes Fastfoodlokal ausprobierten, um mal ein wenig Abwechslung zu haben.

Nach Wudu ging es 30 km im Tal entlang und dann 1000 Höhenmeter auf einer sehr wenig befahrenen und kurvigen Straße durch die Berge. Wir fuhren knapp 2 Stunden für die 20 km und wurden oben auf den letzten Metern mit Serpentinen und einem atemberaubenden Panorama überrascht. Oben die nassen Sachen aus und warme trockene Sachen an. Die Abfahrt war lang und durch die Serpentinen und nassen Straßen richtig spaßig. Es ging dann für uns bis in die nächste Ortschaft und ab ins Hotel und unter die warme Dusche.

Die nächsten Tage blieb uns die wunderschöne Landschaft erhalten und wir fuhren auf kleinen Straßen immer wieder auf und ab. Immer mit Blick auf die Autobahn, die wirklich sehr beeindruckend durch das Tal verlief.  Wir erreichten dann einen größeren Stausee an dem eine sehr wenig befahrene Straße entlang führte. So macht das Radfahren Spaß und wir genossen das geringe Verkehrsaufkommen und die saubere Luft. Die Temperaturen wurden jetzt auch wieder deutlich angenehmer und wir konnten nach einer längeren Kälteperiode endlich wieder die kurzen Hosen rausholen. Nachdem wir den Stausee hinter uns gelassen hatten, wurden die Berge auch deutlich niedriger und erreichten das Rote Becken. Wir fuhren durch viele Ortschaften und dicht besiedelte Gebiete. Das macht es für uns auch ziemlich schwer einen Zeltplatz zu finden. Da erstens überall Häuser stehen und zweitens überall Felder sind wo Reis, Mais und sonstige Sachen angebaut werden. So haben wir immer jede Menge Spaß ein Hotel zu finden was uns aufnehmen darf. In einer kleinen Stadt fragten wir ein paar Passanten nach einem Hotel die zeigten auf ein Kaffee in unmittelbarer Nähe. Nach kurzer Absprache und Besichtigung bezogen wir das rustikale Zimmer.

Die Hotels müssen anscheinend  der Polizei melden, wenn Fremde im Hotel übernachten. Während Patrick unter der Dusche stand rückten schon die ersten Polizisten im Hotel an und so war es nur eine Frage der Zeit bis wir Besuch im Zimmer bekommen sollten. Während Patrick vom Duschen kam und noch nicht mal richtig angezogen war hatten wir schon ca. 5 Polizisten Plus Schaulustige im Zimmer. Die wollten natürlich unsere Reisepässe, China Visa und unsere Route in China wissen. Nach 20 min Erklären und wilden Gestikulieren, waren die Polizisten zufrieden und wir durften im Hotel bleiben. So langsam nervt das mit den Hotels und der Polizei und wir hoffen das wir bald mal wieder Zelten können.

Wir hatten so noch ca. 2 Tage vor uns bis Chengdu. Es ging hier hauptsächlich nur durch Ortschaften und die ersten größeren Vorstädte mit viel Verkehr und SMOG. Die letzten beiden Radtage haben wir eigentlich alles in einem grauen Schleier gesehen und selbst die Sonne schaffte es nicht durch die Suppe hindurch. Die Einfahrt nach Chengdu war an sich recht entspannt und wir steuerten als erstes den Tianfu Platz im Zentrum an. Hier wollten wir auf dem großen Platz ein Foto machen, wurden aber von der Polizei daran gehindert und uns wurde klargemacht hier ist Radfahren verboten. Aber nichtsdestotrotz konnten wir die Polizisten überreden ein Bild von uns zu schießen.

Wir sind dann im Mrs. Panda Hostel untergekommen, welches sehr günstig ist und eine nette Atmosphäre mit kleiner Bar bietet. Hier haben wir auch das erste mal seit unser Einreise in China andere Touristen getroffen und Chinesen die Englisch sprechen. Chengdu gehört zu den Lebenswertesten Städten in China und daher findet man hier auch sehr viele Ausländer oder auch Expats die hier arbeiten und z.B. Restaurants oder ähnliches Betreiben. Die Stadt hat ca. 14 Millionen Einwohner und ist unter anderem für Pandas bekannt, die in unmittelbarer Nähe in einer Art Zoo zu bestaunen sind. Allerdings hatte die Stadt für uns jetzt nicht unbedingt so viel zu bieten. Die Stadt ist aufgrund des aktiven Nachtlebens mit vielen Clubs und Bars sowie einer große Universität sehr beliebt und zieht somit viele Junge Menschen an. Nach 5 Tagen Pause, Weißbier und Schnitzel soll es nun weiter Richtung Süden gehen.

Ab nach Lanzhou 

Nachdem Start nach Lanzhou waren wir gespannt, was uns Landschaftlich erwartet. Es war nicht mehr ganz so karg und es wurde schon ein wenig grüner. Wir passierten viele kleine Ortschaften und hatten so viel Abwechslung und haben viele freundliche Menschen getroffen. Es ist gerade Erntezeit und überall auf den Feldern entlang der Straße wird hart gearbeitet. Angebaut wird hauptsächlich Mais, wir haben auch Felder mit Peperoni’s, Dattel und Walnuss Bäume sowie große Apfel Plantagen gesehen. Viele Menschen leben hier ausschließlich von der Landwirtschaft und man sieht ihnen die harte Arbeit sehr an. Während unser ersten Nacht nach dem Start erlebten wir einen heftigen Sturm, der uns fast das Zelt wegwehte. So mussten wir Nachts unser Zelt im Sandsturm nochmal komplett abspannen, was ein ganz schöner Spaß war.

Am nächsten Morgen hatten wir dann auch deutlich kühlere Temperaturen und so mussten wir seit langem mal wieder die langen Klamotten rausholen. Das kühle Wetter begleitete uns ein paar Tage, auch hier steht der Herbst vor der Tür und die Bäume färben sich so langsam herbstlich. Aber wir hatten Glück und die Sonne zeigte sich ein paar Tage später wieder. Allerdings Nachts wird es jetzt schon sehr kalt und wir sind froh unsere Warmen Schlafsäcke zu haben.

Unsere Strecke nach Lanzhou verlief eigentlich recht entspannt meist parallel zur Autobahn oder verbotener Weise auch mal darauf. Bis kurz vor Lanzhou hatten wir auch kaum Höhenunterschiede zu bewältigen. Das Problem ist immer auf die Autobahn zu kommen. Sie ist komplett eingezäunt und über die normalen Auffahrten ist es normalerweise nicht immer möglich, da dort Zollstationen sind und die Polizei natürlich keine Radfahrer auf der Autobahn will. Wir haben hier meist ein Loch im Zaun genutzt oder uns an einer Zollstation durchgemogelt, verfolgt hat uns bisher noch niemand. Vor Lanzhou mussten wir dann noch einen fast 3000m hohen Pass bewältigen, dieser hatte aber eine sehr moderate Steigung. Oben angekommen hatten wir eine tolle Landschaft vor uns, bevor es dann auf die 160km lange Abfahrt nach Lanzhou ging. Wir hatten die letzten beiden Tag vor Lanzhou tollen Gegenwind, was dann natürlich extrem viel Spaß macht. In Richtung Lanzhou kamen auch deutlich mehr Ortschaften und Städte. Dadurch wurde es auch extrem dreckig. Speziell auf den Straßen liegt unglaublich viel Staub, der aufgewirbelt wird und auch die Abgase von einigen Fahrzeugen sind extrem. So waren wir froh das wir jeden Abend einen Fluss gefunden haben, wo wir uns wenigstens den ganzen Dreck und Staub abwaschen konnten.

Lanzhou ist die Hauptstadt der Provinz Gansu und mit 3,3 Millionen Einwohnern eine eher kleinere Großstadt in China. Durch die Stadt fließt der Gelbe Fluss der auch grob die Reis und Nudelgrenze in China bildet, also ab jetzt gibt’s nur noch Reis. Er bildet auch die Grenze zwischen dem Gelben und dem Grünen China und so lassen wir die Wüste langsam aber sicher hinter uns. Lanzhou wurde auch vor mehreren Jahren aufgrund der Luftverschmutzung zur dreckigsten Stadt der Welt erklärt. In China wird hauptsächlich mit Kohle geheizt und das erzeugt natürlich ordentlich Smog. China ist damit auch seit einigen Jahren der größter Umweltverschmutzer auf unserem Planeten. Aufgrund das China ein Schwellenland ist, sind hier die Forderungen des Kyoto Protokoll nicht so streng und es wird sich hauptsächlich auf das Wirtschaftswachstum konzentriert und es darf so fröhlich weiter verschmutzt werden.

Angekommen in Lanzhou mussten wir erst mal ein Hotel finden, welches uns aufnehmen durfte. Wir dachten wir hätten diesen Spaß hinter uns gelassen. Nach 2 Stündiger Suche und etlichen Diskussionen an der Rezeption, durften wir dann in einem 7DaysInn Hotel einchecken. Wir sind in 7 Tagen jetzt ca. 760km gefahren und froh mal eine kleine Pause einlegen zu können. Eine richtige Dusche und saubere Wäsche ist schon Luxus!
Am ersten Pausentag nutzte Frank das gute Wetter und kletterte auf den Hausberg der Stadt Gao Lan Shan. Von hier hatte man einen tollen Blick über die ganze Stadt. Hier gab es verschieden alte Chinesische Pagoden sowie auch ein Kloster mit Mönchen. Hier nutzte Frank auch gleich die Chance in einen traditionellen Chinesischen Kimono zu hüpfen. Ansonsten haben wir ein bisschen das Nachtleben erkundet, haben hier aber nicht besonders viel interessantes gefunden.

Nach Lanzhou ist unser nächstes Ziel Chengdu das ca. 850km weiter im Süden liegt. Wir hoffen das wir dann so langsam die subtropisches Klimazone erreichen und so dem kaltem Herbstwetter hier entfliehen können.
Mit unserem Freund Adi Rückewold hatten wir vor kurzem auch wieder ein kleines Interview und vielleicht hat uns der ein oder andere auch im Radio gehört. Wir sind super Happy und dankbar über die Möglichkeit die uns Adi bietet. Diesmal gab es sogar einen Artikel auf der Antenne Thüringen Seite auf dem auch unser Radio Edit zuhören ist.

http://www.antennethueringen.de/blog/thueringen/mit-dem-fahrrad-einmal-um-die-welt-265535

Die Wüste !!!

Nachdem wir in Kashgar aufgebrochen sind, ging es für uns am  nördlichen Ufer der zweitgrößten Sandwüste der Welt entlang, der Taklamakan Wüste. Wir haben uns für die nördliche Umfahrung entschieden, um hier aufgrund von zu viel Langeweile und Eintönigkeit eventuell den Zug in Anspruch zu nehmen. Ja und was sollen wir sagen, es ist unglaublich langweilig hier zu radeln. Die Straße geht endlos geradeaus und man sieht eben einfach keinen Fortschritt, obwohl wir ca. 100km jeden Tag gefahren sind. Unser tägliches Bild ist auf der linken Seite die Ausläufer des Tiashin Gebirges und auf der rechten Seite grenzenloses nichts, die Wüste. Wir haben somit auch unsere Vorräte aufstocken müssen. Vor allem mit Wasser, so hatten wir dann meist ca. 8-10 l Wasser dabei und Essen für 2-3 Tage. Da Ortschaften und Raststellen an der Autobahn rar gesät sind. So haben wir auch kaum Menschen gesehen. 

Auf unserem Weg haben wir in den größeren Städten Aksu und Kuqa Pause gemacht und hier den totalen Gegensatz zur Wüste kennengelernt. Im totalen Gegensatz haben wir auch China erlebt, aber dazu später mehr. Nach nun fast 1,5 Wochen auf dem Rad entlang der Wüste, haben wir uns entschieden in Korla in den Zug zu steigen und bis nach Jiayugan, dem westlichen Ende der Chinesischen Mauer und dem allmählichen Ende der Taklamakan Wüste zu fahren. Wir haben dabei kein schlechtes Gewissen und sind froh die langweilige Wüste so hinter uns lassen zu können. 

Kommen wir nun zu unseren ersten Eindrücken über das große Reich der Mitte. Wir erleben China hier im totalen Gegensatz, dies bezieht sich hauptsächlich auf die Provinz Xinjiang, welche den Nordwestlich in China liegt. Zum einen sind die Menschen hilfsbereit wie wir das auf unserer Reise schon sehr oft kennengelernt haben. Zum Beispiel als wir in Aksu ein Hotel gesucht haben. Hier ist der Mitarbeiter eines Radshops mit uns durch die Stadt getingelt und hat mit uns versucht ein Hotel zu finden. Ebenso in Korla als uns beim Ticketkauf für unsere Zugfahrt, am überfüllten Ticketschalter ohne Englisch Kenntnisse der Mitarbeiter weitergeholfen wurde. Die Straßen sind in tadellosem Zustand sowie auch die Infrastruktur in den Städten. Alles ist sauber und aufgeräumt.

Aber der Großteil unserer Erlebnisse ist doch durchaus sehr kurios. Was uns am allergrößten auffällt und auch stört ist das immense Polizeiaufgebot überall. Will man ein Geschäft, Restaurant oder nur eine Unterführung betreten, muss man erst durch einen Metalldetektor und seinen Rucksack durch einen Scanner schicken. Wir haben diese Kontrollen größtenteils ignoriert und sind einfach daran vorbeigelaufen, was ebenso möglich ist. Wir wurden meist nur schief angeschaut, haben aber niemals einen  Anpfiff bekommen. Mit dem Bus ging es von Kuqa nach Korla, hier ist ein größerer Bahnhof wo wir unsere Fahrräder für den Zug aufgeben können. Während der Busfahrt passierten wir zwei Passkontrollen auf der Autobahn. Hier müssen alle Leute aus dem Bus aussteigen, ihre Ausweise in der Polizeistation zeigen und werden erfasst. Wir als Ausländische Gäste werden natürlich extra lange aufgehalten. Hier werden erst Fotos von unserem Pässen, China Visa und von uns angefertigt und noch ein paar Fragen auf chinesisch die natürlich niemand beantworten kann. Nach ca. 30min Kontrolle ging es  dann endlich weiter. Zwei Stunden später fuhren wir erneut in so eine Kontrolle und das absolut gleiche Spiel wie zuvor, wir konnten uns nur noch an den Kopf fassen und haben mehr oder weniger mitspielen müssen. Unseren Reisepass hatten bis jetzt schon mehr Chinesen in der Hand als wir selbst. Auch wurden wir schon mehrmals in kleineren Ortschaften von der Polizei angehalten und kontrolliert. Es wirkt nur alles sehr unprofessionell wie die Chinesischen Polizisten vorgehen. Keiner spricht Englisch und Reisepass und Visa lesen gehört auch nicht zu deren Stärke. Kommen wir nun zum Thema Hotel in China. Im Westteil von China ist nicht jedes Hotel dazu befugt, Ausländische Gäste aufzunehmen. Dies ist von der Regierung angeordnet, um wahrscheinlich die Ausländischen Gäste besser überwachen zu können. Dieses Problem hatten wir in Aksu als uns der nette Mitarbeiter vom Radshop weiterhelfen wollte, aber die Hotels die er uns empfahl waren nicht befugt uns aufzunehmen, auch nicht nach Absprache mit der Polizei. Gefunden haben wir dann aber trotzdem noch eins. In Kuqa mussten wir im Hotel sogar unsere Reiseroute darlegen und über unsere weitere Reiseziele in China Auskunft geben bevor wir einchecken durften. Wie ihr seht hält China seine Besucher stehts im Blick, gut finden wir das nicht aber man muss sich damit abfinden.

Die Hauptursache für das hohe Polizeiaufkommen in der Provinz Xinjiang, liegt daran, dass es Grenzregion ist und China hier alles streng kontrolliert und zum anderen um die ansässige Bevölkerung die hauptsächlich aus Turkvölkern besteht zu kontrollieren. Diese Turkvölker bestehen hauptsächlich aus Kasachen, Kirgisen, Mongolen und weiteren vielen verschiedenen Untergruppen die aber an der Gesamtbevölkerung nur 1% ausmachen, der Rest sind alles Han-Chinesen. Die Regierung versucht viele Han-Chinesen in diese Westlichen Regionen zu locken, um dort die Kultur der Uiguren zu schwächen. Die Uiguren oder Turkvölker leben nach dem Islam, welcher sich von den  eigentlichen Religionen in China dem Taoismus und Buddhismus sehr unterscheidet. Viele größere Städte entlang der Seidenstraße wurden auch komplett niedergerissen und komplett neu hochgezogen, um hier die Uigurische Kultur zu zerstören. Teilweise sieht man in den Vororten noch die eigentlichen Häuser aber die Stadtzentren sind komplett mit Hochhäusern und allerlei neuen Gebäuden gesäumt. Dies hat natürlich alles einen faden Beigeschmack wie wir finden. Beim durch die Stadt schlendern wie zum Beispiel in Aksu, wurden wir von den Menschen teilweise sehr grotesk angestarrt und das zeigt uns, das hier nicht viele Ausländische Besucher unterwegs sind.

Mit unserer Zugfahrt hatten wir die Hoffnung, wenn wir die neue Provinz Gansu erreichen, dass sich die Lage ein wenig entspannen wird. Als wir dann in Jiayugan in den frühen Morgenstunden angekommen sind, trauten wir unseren Augen nicht. Keine Polizei, nirgends Passkontrollen. Auch Tagsüber konnten wir nichts davon sehen und waren doch sehr erleichtert und diesen Kontrollwahnsinn hinter uns gelassen zu haben. In Jiayugan haben wir uns die Chinesische Mauer angesehen. Der Teil der Mauer der hier steht ist aus der Ming Dynastie und ca. 1372 erbaut wurden. Er stellt damit das Westliche Ende der Mauer dar.

Von hier aus wurden im  Kaiserreich Verurteilte, Intellektuelle und sonstige Verstoßene in die Verbannung geschickt. Nach einem Tag in Jiayugan haben wir uns auf den Weg ins ca. 760km entfernte Lanzhou gemacht. Wie es uns bis dort erging erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag

Ni hao China

Die Einreise nach China war ein absolutes Abenteuer für uns und das werden wir so schnell nicht vergessen. Aber jetzt mal alles von Anfang an. Nachdem wir an der Kirgisischen Grenze unsere Ausreisestempel bekommen haben, sind wir Richtung Chinesische Grenze geradelt. Hier mussten wir warten, da eine ganze Truppe Kirgisischer LKW Fahrer abgefertigt wurde. Nach der Überquerung des ersten Checkpoints, fuhren wir entlang einer ewig langen Schlange von wartenden LKW’s in Richtung Grenzgebäude. Hier sahen wir von außen das bereits ein Fahrrad im Gebäude stand, ein weiterer Reiseradler also. Im Aufenthaltsraum trafen wir dann auf David Stanbridge, den wir bereits in Österreich kurz vor Linz getroffen haben. So klein ist die Welt manchmal. David will noch bis nach Australien fahren und ist solo unterwegs. Als wir dann von den Grenzbeamten aufgerufen wurden, ging die Odyssee los. Zuerst wurden unsere ganzen Taschen gescannt. Anschließend mussten wir unsere Taschen leeren und es wurde alles kontrolliert was wir dabei haben. Bilder auf dem Fotoapparat und Laptop. Hier wurde auch unser Taschenmesser  einkassiert, da die Klinge zu lang war. Dies war für uns ein herber Verlust, da das Messer unser täglicher Begleiter ist und es eine Leihgabe von Patricks Freund Martin war. Es tut uns Leid!!!

Im vollgepackten Taxi ging es 150km zur eigentlichen Grenzstation

Nach der Durchsuchung wurde uns dann ein Taxi geordert, welches uns zur eigentlichen Grenzstation fuhr, die ca. 150km entfernt war. Ja ihr lest richtig, 150km und man darf dort nicht Radfahren, da die Chinesische Regierung dies nicht duldet. Während dieser Fahrt behält der Taxifahrer unsere Reisepässe und man bekommt Sie erst wieder, wenn der Stempel im Pass ist und der Taxifahrer einen abgeliefert hat und das Taxi bezahlt ist. Eine sehr bizarre Situation für uns. Nachdem wir in der eigentlichen Grenzstation angekommen sind, wurden unsere Taschen ein weiteres mal durchleuchtet. Anschließend bezahlten wir das Taxi und konnten endlich unsere Reisepässe wieder entgegennehmen. Die ganze Prozedur hat fast 5h in Anspruch genommen.

Ziemlich ausgelaugt nach dieser Aktion ging es dann in Uruquat in ein Chinesisches Restaurant. Das Essen war sehr lecker und super günstig. Wir beschlossen dann zusammen mit David uns auf den Weg ins ca. 100km entfernte Kashgar zu machen. Laut Höhenprofil sollte es hauptsächlich nur bergab gehen und so war unser Ziel am Abend dort anzukommen. Die Fahrt verlief unspektakulär über die Autobahn mit recht wenig Verkehr. David legte ein ordentliches Tempo auf der Geraden vor und wir folgten still und heimlich im Windschatten. Er ist ja auch fast zwei Meter groß, da konnten wir uns gut verstecken.

Wir waren natürlich die Attraktion schlecht hin
Mit David ging es flott Richtung Kashgar

Einfahrt nach Kashgar

In Kashgar sind wir dann im Pamir Youth untergekommen und relaxen hier ein wenig. Kashgar ist eine alte Oasenstadt entlang der Seidenstraße und im Zentrum stehen sehr viele alte Gebäude und man hat eher das Gefühl irgendwo im Orient unterwegs zu sein anstatt in China. Ebenso die Menschen sehen hier nicht alle asiatisch aus, viel deutet auf einen starken arabischen Einfluss.

Auf dem Scooter Highway ging es ins Zentrum
Hier läuft niemand. Jeder fährt auf seinem E-Roller durch die Gegend
Und dann durften wir unsere Fahrräder in den 3. Stock tragen. Ach was ein Spaß

Im Hostel angekommen haben wir uns ein Bier gegönnt.
Auf dem Nachtmarkt in Kashgar.
Ach was sieht das lecker aus.

Kirgisistan 6000 Teil 2!!!

Nachdem wir Osh am Mittwoch verlassen haben, sind wir die 250km zur Chinesischen Grenze ruhig angegangen, da die Grenze am Wochenende geschlossen ist. Wir hatten die ersten beiden Tage moderate Steigungen und kaum größere Anstiege zu bewältigen, was sehr angenehm war. Da wir ja wussten, dass uns die nächsten Tage noch deutlich steilere Anstiege bevorstanden. 

Die Schulkinder tragen hier besonders schicke Uniformen

Shopping Stop

Na wo ist das Auto unter dem ganzen Heu
Die Kids sind einfach spitze hier
Wenn die Bauern ihre Schafe und Kühe nach Hause treiben ist die Straße erstmal dicht

Wie vermutet haben wir nach Osh viele Reiseradler getroffen. Fast alle kommen über den Pamir Highway von Duschanbe/Usbekistan und Tadschikistan nach Kirgisistan und erholen sich dann meist in Osh von den Strapazen. Für viele Reiseradler ist der Pamir Highway das absolute Highlight. Dies ist eine Schotterstraße die durch das Pamirgebirge führt und weit abgeschieden von Zivilisation meist über 3000 – 4000m führt. Es gibt hier wenige Verpflegungsmöglichkeiten und stellt so für viele Reisende das absolute Abenteuer dar. Bereits am ersten Tag haben wir jeweils ein Pärchen aus der Schweiz und Schweden getroffen, die von dort kamen. Aufgrund der Hygienestandards in einigen Unterkünften hatten alle Radler durchweg mit heftigen Durchfall zu kämpfen. Daher entstand der Name Durchfall Highway anstatt Pamir Highway. Wir haben diese Route für uns gar nicht bedacht, da sie nicht unbedingt auf unserem Weg lag. 
Die letzte größere Ortschaft vor der Chinesischen Grenze ist Sary Tash, in der wir nochmal unsere Vorräte auffüllen wollten. Die Fahrt nach Sary Tash war sehr anstrengend, da wir über einen 3600m hohen Pass radeln mussten. Die Landschaft auf dem Weg nach oben war natürlich wie immer grandios. Der letzte Anstieg zur Passhöhe ging über 8km und wir hatten ca. 1000hm zu bewältigen. Es war eine wirkliche Schinderei da wir sichtlich mit der Höhe und der Atmung Probleme hatten. Aber am Ende haben wir es geschafft und waren super happy. 

Kurz vor Sary Tash haben wir ein deutsches Radler Trio getroffen

Oben angekommen auf 3615m
Das war unser Weg nach oben

Noch zwei weitere Radler aus Deutschland

In Sary Tash haben wir uns ein kleines sehr rustikales Hotel genommen. Zuerst waren wir alleine aber später erblickten wir auf der Straße eine ganze Gruppe von Reiseradlern, die direkt das Hotel ansteuerten. Es waren insgesamt 10 Radler die alle vom Pamir Highway kamen. So hatten wir eine tolle Atmosphäre im Hotel unter Gleichgesinnten.

Angekommen in Sary Tash mit Blick auf die schneebedeckten Berge
Feierabend Bier. Die Motorräder sind von zwei Rumänen die eine Tour durch Asien machen
Toilette Deluxe!
Abendessen mit Reiseradlern aus Südafrika, England, Belgien, Deutschland und Schweden
Überall all nur Fahrräder

Am nächsten Morgen ging es bei kühlen Temperaturen Richtung der Grenzstation Irkeshtam. Wir fuhren auf einem Plateau entlang schneebedeckter 5000-6000m hoher Berge und genossen die absolute Ruhe und tolle Landschaft. Am einzigen Haus entlang der Straße, aßen wir mit der Familie Mittag. Hier gab es trocken Brot und Tee und eine tolle Atmosphäre. 

Grandiose Landschaft im Niemandsland

Rechts im Bild sieht man das einzige Haus auf der Strecke wo wir Mittag gemacht haben

Mittag mit Brot und Tee und viel Spaß
Und die Straße ging immer nur gerade aus

Die Fahrt glich durchs Niemandsland, es stehen nirgends Häuser und nirgends sind Menschen zu sehen. In Irkeshtam trauten wir unseren Augen nicht, eine ewig lange LKW Schlange und die Häuser in den die Menschen leben bestehen nur aus alten Bauwagen. Wir sahen ein kleines Hotelschild und folgten diesem. Wir schauten nicht schlecht als die Dame uns einen Bauwagen präsentierte der total runtergekommen war. Aufgrund von starkem Wind beschlossen wir für 2,50 € den Bauwagen zunehmen und mussten so unser Zelt nicht auspacken. Nachts wurde im Nebenraum noch ein weiterer betrunkener LKW Fahrer untergebracht, der uns ziemlich lange auf Trapp hielt. Aber naja wir sind ja nicht zur Erholung hier. Viel geschlafen haben wir die Nacht nicht und so sind wir ziemlich zerknittert und nervös zur Chinesischen Grenze aufgebrochen. Was wir bei unser Abenteuerlichen Einreise nach China alles erlebt haben, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag.

Irkeschtam besteht nur aus diesem Bauwagen wo die Menschen drin leben
Ach was war das schön in unserem Bauwagen

Aufgrund des geblockten Internet’s in China müssen wir den Blog nun über das Handy hochladen und bearbeiten daher ist die Strukturierung ein wenig schwierig. 

Kirgisistan 6000!

Nachdem wir beide ziemlich erschöpft im Tunduk Hostel in Bishkek angekommen sind , haben wir uns nach der Dusche erstmal ins Bett gelegt. Am nächsten Tag ging es uns schon deutlich besser und wir haben mit den vielen Reisenden im Hostel den Tag verbracht. Die meisten von ihnen kamen aus Frankreich und Belgien. Nicht vergessen wollen wir hier natürlich unseren Freund Maik aus der Schweiz, der uns durch seine ruhige und direkte Art sofort sympathisch war. Maik kommt aus Bern in der Schweiz und er startet von Kirgisistan zu einem zehnmonatigen Backpacker Trip rundum den Globus. Maik wir wünschen dir alles Gute auf diesem Weg und viel Spaß !!!

Bischkek wurde nach unserer Genesung natürlich auch noch besichtigt. Hier gab es unzählige Denkmäler und Statuen zu bestaunen. Selbst die Lenin Statur am Lenin Platz steht noch. Andere alte Sowjetstaaten haben diese Denkmäler entfernt, nicht so Kirgisistan. Hier wurde sich dazu entschieden zu seiner Vergangenheit zu stehen. Vielleicht ist die Entsorgung oder Umgestaltung auch einfach zu teuer. Nichtsdestotrotz hat uns Bischkek als Hauptstadt nicht unbedingt umgehauen. Es gab viel grün und viele Parks, aber dennoch hat ein wenig der Flair einer Hauptstadt gefehlt wie wir finden. Mit den Leuten aus dem Hostel haben wir dann noch einen kleinen Pub Abend gemacht. Der feucht fröhlich ausfiel und wir natürlich wieder die letzten im Hostel waren. Am nächsten Morgen mussten wir dann auch unsere geplante Wanderung mit Maik absagen, aus unerklärlichen Gründen.

Am Montag den 28.08. ging es dann für uns endlich weiter und wir haben uns auf den Weg gemacht das wunderschöne Kirgisistan zu erkunden. Viele von euch werden den Namen des Landes vielleicht hier zum ersten Mal hören. Aber nach diesem Blogbeitrag werdet ihr das so schnell nicht wieder vergessen, hoffen wir. Kirgisistan beherbergt alleine 30 über 6000m hohe Berge sowie mehrere Siebentausender wie den 7134m hohen Pil Lenin, wenn das nicht mal beeindruckend ist.

Den ersten Tag (sind wir für Kirgisistan untypisch) hauptsächlich geradeaus gefahren. Aber der erste Tag auf dem Rad war noch nicht so erfolgversprechend. Haben wir uns doch einfach noch total schlapp und K.o. gefühlt. An einem kleinen Bewässerungskanal haben wir dann unser Zelt aufgeschlagen und uns früh schlafen gelegt. Wir wurden am nächsten morgen mit strahlendem Sonnenschein empfangen und waren hoch motiviert unser Tagesziel zu erreichen. Dies sollte ein Pass sein, der auf ca. 3200m liegt. Die Strecke umfasste ca. 70km mit gut 2200hm. Wir waren beide immer noch nicht so richtig gut drauf und kämpften doch ganz schön mit dem Berg. Lag vermutlich an unserem Trainingsrückstand der letzten Wochen. Nach dem Mittag direkt an der Straße, ging es an die letzten 18km mit ca. 12 % Steigung.

Wir haben hier ganz schnell gemerkt das wir das einfach nicht schaffen. Hier kamen zwei schwer beladene LKW’s mit niedrigem Tempo genau richtig. Jeder von uns krallte sich irgendwo hinten am Hänger fest und dann ging es bergauf. Das mag sich entspannt anhören ist aber ebenso harte Arbeit. Da die Straße ziemlich kaputt war und man meistens ohne Wechsel nur mit einer Hand festhalten kann, für ca. 45 min. Frank hatte dann noch einen kleinen Unfall bei dem Glücklicherweise nichts weiter passiert ist. Er hat sich am Hänger mit dem Lenker und Taschen verkeilt und sich dann unsanft überschlagen und wurde nicht weiter vom LKW mitgeschleift. Nach kurzem richten am Fahrrad, hielt schon der nächste LKW der das Schauspiel verfolgte und gleich signalisierte ab nach hinten und festhalten. Oben angekommen sahen wir schon den Tunnel den wir durchqueren mussten. Der Tunnel ist spärlich beleuchtet, extrem schmal und besitzt keine Ventilation. Kurz gesagt ein solcher Tunnel wäre in Deutschland undenkbar. Für Radfahrer ist er auch verboten, so mussten wir uns ein Taxi organisieren welches uns durch den 2km langen Tunnel beförderte. Nach einiger Suche fanden wir einen grünen Pritschenwagen, der bereit war uns mitzunehmen. Kaum öffneten der Beifahrer die Ladefläche, war uns klar warum die Jungs sich so amüsierten. Wir durften mit 2 Schafen und ihren Exkrementen auf der Ladefläche Platz nehmen. Die Fahrt durch den Tunnel glich einer Achterbahnfahrt. Die Straße im Tunnel war sehr schlecht und wir zischten mit einem Höllenspeed durch den Tunnel. Wir flogen ziemlich umher und selbst die Schafe lagen des öfteren auf dem Boden, aufgrund der rasanten Fahrweise.

Am anderen Ende angekommen bedankten wir uns und waren froh die Ladefläche lebendig verlassen zu können. Wir wollten eigentlich auf dem Pass zelten aber das Wetter war so schlecht, das wir beschlossen auf die vor uns liegende Hochebene auf 2300m zu fahren. Die Abfahrt war ziemlich kalt und wir befürchteten schon in den herannahenden Regenschauer zu geraten. So haben wir schnell ein Zeltplatz gesucht und alles aufgebaut. Wir hatten am Ende dann doch Glück und konnten die atemberaubende Landschaft mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen.

Am nächsten Tag führte unser Weg immer entlang der Hochebene und was sollen wir sagen, die Landschaft war einfach atemberaubend. Die Straße ging hauptsächlich geradeaus und schlängelte sich zwischen den Bergen auf der Hochebene entlang. Überall am Straßenrand standen Yurten, in denen die Nomaden leben und ihre selbst hergestellten Erzeugnisse und Essen verkaufen. Alle riefen und winkten uns zu und signalisierten das wir zum Essen vorbeikommen sollten.

Die Steigung war moderat und unserer Fitnesszustand besserte sich auch wieder. Zum Mittag kehrten wir in einer Art Gasthaus am Straßenrand ein und hatten danach noch ein paar Kilometer bis zum Höchsten Punkt der Hochebene auf 3200m, von der es wieder nach unten ging. Nach einer kurzen Abfahrt haben wir uns auf ca. 2800m einen genialen Zeltplatz direkt an einem eiskaltem Bergbach gesucht und einen genialen Abend verbracht. Die Bilder sprechen für sich!!!

Am nächsten Morgen hatten wir dann eine ca. 65km lange Abfahrt vor uns, die wir natürlich genossen haben. Wir fuhren nach einem leckeren Mittag um den Toktogul See herum und zelten hier direkt am See. Haben wir schon erwähnt welch tolle Landschaft Kirgisistan zu bieten hat? 🙂

 

Am Morgen ging es weiter am See entlang mit ständigem bergauf und -ab. Hier trafen wir auch ein Englisches Pärchen, welches mit Trikes unterwegs ist. Die Beiden sind schon seit mehr als einem Jahr unterwegs und waren Anfangs erst mit einem Tandem unterwegs und sind dann umgestiegen.

Die Straße führte uns dann weg vom See und wir steuerten die Stadt Kara-Köl an. Entlang der Straße verlief ein Fluss an dem wir vorhatten zu Zelten. Blöd nur wenn der Fluss in einer Schlucht verläuft und kein geeigneter Zeltplatz in der Nähe ist. So gondelten wir die Straße entlang am Fluss, immer weiter bis wir dann endlich in weiter Entfernung ein Platz ausfindig machen konnten. Nach 105km waren wir dann auch ziemlich K.o. und froh nun endlich einen Platz gefunden zu haben.

Am nächsten Tag ging es immer weiter mit der Berg- und Talfahrt. Entlang am Fluss, aber es wurde weniger und am Nachmittag fanden wir uns dann plötzlich im Flachland wieder. Hier stoppten wir an einem der vielen Verkaufsstände, um eine Melone für den Abend zu kaufen. Hier wurden wir auf eine Melone eingeladen und über unsere Route ausgefragt. Die Kirgisen sind sehr herzliche und freundliche Menschen und wir werden oft gefragt woher wir kommen und wohin die Reise geht. Auch auf der Straße wird uns viel zugehupt, zugerufen und freundlich gewunken. Abends haben wir an einem kleinen Bach gezeltet und wurden prompt erstmal von der Polizei besucht. Die waren aber super freundlich und haben sich nach unserem Wohl erkundigt. Später am Abend fuhren Sie auch noch mal Patrouille, um zuschauen das bei uns alles in Ordnung ist. Am nächsten Morgen wurden wir von einem kleinem Jungen auf seinem Esel empfangen, der seine Herde Schafe auf die Weide trieb und ziemlich amüsiert schaute was wir da so machen.

Die nächsten beiden Tage verliefen mehr oder weniger entspannt, bis auf den schlechten Straßenzustand Richtung Osh. Wenn man dann den ganzen Tag auf so einer Holperpiste unterwegs ist, tut einem einfach alles weh. Wir durchfuhren nun viele kleinere Städte und hier war schon ordentlich was los auf den Straßen. Überall Verkaufsstände, Menschen auf den Straßen und viele kleine Transporter die Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen transportierten. Wir sind nun in Osh angekommen und gönnen uns hier 2 Tage Pause. Kirgisistan hat uns mit seiner unglaublichen Natur- und Bergwelt wirklich überzeugt sowie die freundlichen Menschen überall. Um Kirgisistan zu bereisen sollte man vielleicht eher früher ins Land kommen. April bis Juni sind dann vielleicht besser, eventuell alles ein bisschen grüner. Wir hatten hier Anfang September noch täglich 30°C und sehr trockenes Wetter. Aber dennoch hat uns die unberührte Natur wirklich beeindruckt sowie der Sowjetische Flair der alles noch ein bisschen rustikaler wirken lässt. Kirgisistan ist wirklich eine Reise wert. Es werden viele Touren durch das Land und die Bergwelt angeboten, sei es auf dem Pferd oder das übernachten in einer Jurte, hier dürfte für jeden was dabei sein.

Von Osh wollen wir dann nach China aufbrechen. Was noch mal richtig anstrengend wird, da wir auf einen ca. 3500m hohen Pass radeln müssen. Auch ist die Einreise über die Grenze nach China mit dem Fahrrad nicht ganz so einfach. Zwischen der Kirgisischen Grenze und der Chinesischen Grenze liegt eine Art Niemandsland, welches nicht mit dem Fahrrad befahren werden darf. So müssen wir uns hier noch einen Transport organisieren. Auch die ersten ca. 200km in China bis Kaschgar dürfen nicht beradelt werden. Mal sehen ob wir einen LKW chartern können der uns mitnimmt. Ob das alles so klappt sehen wir bald und ihr erfahrt es im nächsten Blog!!! 🙂