Die Wüste !!!

Nachdem wir in Kashgar aufgebrochen sind, ging es für uns am  nördlichen Ufer der zweitgrößten Sandwüste der Welt entlang, der Taklamakan Wüste. Wir haben uns für die nördliche Umfahrung entschieden, um hier aufgrund von zu viel Langeweile und Eintönigkeit eventuell den Zug in Anspruch zu nehmen. Ja und was sollen wir sagen, es ist unglaublich langweilig hier zu radeln. Die Straße geht endlos geradeaus und man sieht eben einfach keinen Fortschritt, obwohl wir ca. 100km jeden Tag gefahren sind. Unser tägliches Bild ist auf der linken Seite die Ausläufer des Tiashin Gebirges und auf der rechten Seite grenzenloses nichts, die Wüste. Wir haben somit auch unsere Vorräte aufstocken müssen. Vor allem mit Wasser, so hatten wir dann meist ca. 8-10 l Wasser dabei und Essen für 2-3 Tage. Da Ortschaften und Raststellen an der Autobahn rar gesät sind. So haben wir auch kaum Menschen gesehen. 

Auf unserem Weg haben wir in den größeren Städten Aksu und Kuqa Pause gemacht und hier den totalen Gegensatz zur Wüste kennengelernt. Im totalen Gegensatz haben wir auch China erlebt, aber dazu später mehr. Nach nun fast 1,5 Wochen auf dem Rad entlang der Wüste, haben wir uns entschieden in Korla in den Zug zu steigen und bis nach Jiayugan, dem westlichen Ende der Chinesischen Mauer und dem allmählichen Ende der Taklamakan Wüste zu fahren. Wir haben dabei kein schlechtes Gewissen und sind froh die langweilige Wüste so hinter uns lassen zu können. 

Kommen wir nun zu unseren ersten Eindrücken über das große Reich der Mitte. Wir erleben China hier im totalen Gegensatz, dies bezieht sich hauptsächlich auf die Provinz Xinjiang, welche den Nordwestlich in China liegt. Zum einen sind die Menschen hilfsbereit wie wir das auf unserer Reise schon sehr oft kennengelernt haben. Zum Beispiel als wir in Aksu ein Hotel gesucht haben. Hier ist der Mitarbeiter eines Radshops mit uns durch die Stadt getingelt und hat mit uns versucht ein Hotel zu finden. Ebenso in Korla als uns beim Ticketkauf für unsere Zugfahrt, am überfüllten Ticketschalter ohne Englisch Kenntnisse der Mitarbeiter weitergeholfen wurde. Die Straßen sind in tadellosem Zustand sowie auch die Infrastruktur in den Städten. Alles ist sauber und aufgeräumt.

Aber der Großteil unserer Erlebnisse ist doch durchaus sehr kurios. Was uns am allergrößten auffällt und auch stört ist das immense Polizeiaufgebot überall. Will man ein Geschäft, Restaurant oder nur eine Unterführung betreten, muss man erst durch einen Metalldetektor und seinen Rucksack durch einen Scanner schicken. Wir haben diese Kontrollen größtenteils ignoriert und sind einfach daran vorbeigelaufen, was ebenso möglich ist. Wir wurden meist nur schief angeschaut, haben aber niemals einen  Anpfiff bekommen. Mit dem Bus ging es von Kuqa nach Korla, hier ist ein größerer Bahnhof wo wir unsere Fahrräder für den Zug aufgeben können. Während der Busfahrt passierten wir zwei Passkontrollen auf der Autobahn. Hier müssen alle Leute aus dem Bus aussteigen, ihre Ausweise in der Polizeistation zeigen und werden erfasst. Wir als Ausländische Gäste werden natürlich extra lange aufgehalten. Hier werden erst Fotos von unserem Pässen, China Visa und von uns angefertigt und noch ein paar Fragen auf chinesisch die natürlich niemand beantworten kann. Nach ca. 30min Kontrolle ging es  dann endlich weiter. Zwei Stunden später fuhren wir erneut in so eine Kontrolle und das absolut gleiche Spiel wie zuvor, wir konnten uns nur noch an den Kopf fassen und haben mehr oder weniger mitspielen müssen. Unseren Reisepass hatten bis jetzt schon mehr Chinesen in der Hand als wir selbst. Auch wurden wir schon mehrmals in kleineren Ortschaften von der Polizei angehalten und kontrolliert. Es wirkt nur alles sehr unprofessionell wie die Chinesischen Polizisten vorgehen. Keiner spricht Englisch und Reisepass und Visa lesen gehört auch nicht zu deren Stärke. Kommen wir nun zum Thema Hotel in China. Im Westteil von China ist nicht jedes Hotel dazu befugt, Ausländische Gäste aufzunehmen. Dies ist von der Regierung angeordnet, um wahrscheinlich die Ausländischen Gäste besser überwachen zu können. Dieses Problem hatten wir in Aksu als uns der nette Mitarbeiter vom Radshop weiterhelfen wollte, aber die Hotels die er uns empfahl waren nicht befugt uns aufzunehmen, auch nicht nach Absprache mit der Polizei. Gefunden haben wir dann aber trotzdem noch eins. In Kuqa mussten wir im Hotel sogar unsere Reiseroute darlegen und über unsere weitere Reiseziele in China Auskunft geben bevor wir einchecken durften. Wie ihr seht hält China seine Besucher stehts im Blick, gut finden wir das nicht aber man muss sich damit abfinden.

Die Hauptursache für das hohe Polizeiaufkommen in der Provinz Xinjiang, liegt daran, dass es Grenzregion ist und China hier alles streng kontrolliert und zum anderen um die ansässige Bevölkerung die hauptsächlich aus Turkvölkern besteht zu kontrollieren. Diese Turkvölker bestehen hauptsächlich aus Kasachen, Kirgisen, Mongolen und weiteren vielen verschiedenen Untergruppen die aber an der Gesamtbevölkerung nur 1% ausmachen, der Rest sind alles Han-Chinesen. Die Regierung versucht viele Han-Chinesen in diese Westlichen Regionen zu locken, um dort die Kultur der Uiguren zu schwächen. Die Uiguren oder Turkvölker leben nach dem Islam, welcher sich von den  eigentlichen Religionen in China dem Taoismus und Buddhismus sehr unterscheidet. Viele größere Städte entlang der Seidenstraße wurden auch komplett niedergerissen und komplett neu hochgezogen, um hier die Uigurische Kultur zu zerstören. Teilweise sieht man in den Vororten noch die eigentlichen Häuser aber die Stadtzentren sind komplett mit Hochhäusern und allerlei neuen Gebäuden gesäumt. Dies hat natürlich alles einen faden Beigeschmack wie wir finden. Beim durch die Stadt schlendern wie zum Beispiel in Aksu, wurden wir von den Menschen teilweise sehr grotesk angestarrt und das zeigt uns, das hier nicht viele Ausländische Besucher unterwegs sind.

Mit unserer Zugfahrt hatten wir die Hoffnung, wenn wir die neue Provinz Gansu erreichen, dass sich die Lage ein wenig entspannen wird. Als wir dann in Jiayugan in den frühen Morgenstunden angekommen sind, trauten wir unseren Augen nicht. Keine Polizei, nirgends Passkontrollen. Auch Tagsüber konnten wir nichts davon sehen und waren doch sehr erleichtert und diesen Kontrollwahnsinn hinter uns gelassen zu haben. In Jiayugan haben wir uns die Chinesische Mauer angesehen. Der Teil der Mauer der hier steht ist aus der Ming Dynastie und ca. 1372 erbaut wurden. Er stellt damit das Westliche Ende der Mauer dar.

Von hier aus wurden im  Kaiserreich Verurteilte, Intellektuelle und sonstige Verstoßene in die Verbannung geschickt. Nach einem Tag in Jiayugan haben wir uns auf den Weg ins ca. 760km entfernte Lanzhou gemacht. Wie es uns bis dort erging erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag

Ni hao China

Die Einreise nach China war ein absolutes Abenteuer für uns und das werden wir so schnell nicht vergessen. Aber jetzt mal alles von Anfang an. Nachdem wir an der Kirgisischen Grenze unsere Ausreisestempel bekommen haben, sind wir Richtung Chinesische Grenze geradelt. Hier mussten wir warten, da eine ganze Truppe Kirgisischer LKW Fahrer abgefertigt wurde. Nach der Überquerung des ersten Checkpoints, fuhren wir entlang einer ewig langen Schlange von wartenden LKW’s in Richtung Grenzgebäude. Hier sahen wir von außen das bereits ein Fahrrad im Gebäude stand, ein weiterer Reiseradler also. Im Aufenthaltsraum trafen wir dann auf David Stanbridge, den wir bereits in Österreich kurz vor Linz getroffen haben. So klein ist die Welt manchmal. David will noch bis nach Australien fahren und ist solo unterwegs. Als wir dann von den Grenzbeamten aufgerufen wurden, ging die Odyssee los. Zuerst wurden unsere ganzen Taschen gescannt. Anschließend mussten wir unsere Taschen leeren und es wurde alles kontrolliert was wir dabei haben. Bilder auf dem Fotoapparat und Laptop. Hier wurde auch unser Taschenmesser  einkassiert, da die Klinge zu lang war. Dies war für uns ein herber Verlust, da das Messer unser täglicher Begleiter ist und es eine Leihgabe von Patricks Freund Martin war. Es tut uns Leid!!!

Im vollgepackten Taxi ging es 150km zur eigentlichen Grenzstation

Nach der Durchsuchung wurde uns dann ein Taxi geordert, welches uns zur eigentlichen Grenzstation fuhr, die ca. 150km entfernt war. Ja ihr lest richtig, 150km und man darf dort nicht Radfahren, da die Chinesische Regierung dies nicht duldet. Während dieser Fahrt behält der Taxifahrer unsere Reisepässe und man bekommt Sie erst wieder, wenn der Stempel im Pass ist und der Taxifahrer einen abgeliefert hat und das Taxi bezahlt ist. Eine sehr bizarre Situation für uns. Nachdem wir in der eigentlichen Grenzstation angekommen sind, wurden unsere Taschen ein weiteres mal durchleuchtet. Anschließend bezahlten wir das Taxi und konnten endlich unsere Reisepässe wieder entgegennehmen. Die ganze Prozedur hat fast 5h in Anspruch genommen.

Ziemlich ausgelaugt nach dieser Aktion ging es dann in Uruquat in ein Chinesisches Restaurant. Das Essen war sehr lecker und super günstig. Wir beschlossen dann zusammen mit David uns auf den Weg ins ca. 100km entfernte Kashgar zu machen. Laut Höhenprofil sollte es hauptsächlich nur bergab gehen und so war unser Ziel am Abend dort anzukommen. Die Fahrt verlief unspektakulär über die Autobahn mit recht wenig Verkehr. David legte ein ordentliches Tempo auf der Geraden vor und wir folgten still und heimlich im Windschatten. Er ist ja auch fast zwei Meter groß, da konnten wir uns gut verstecken.

Wir waren natürlich die Attraktion schlecht hin
Mit David ging es flott Richtung Kashgar

Einfahrt nach Kashgar

In Kashgar sind wir dann im Pamir Youth untergekommen und relaxen hier ein wenig. Kashgar ist eine alte Oasenstadt entlang der Seidenstraße und im Zentrum stehen sehr viele alte Gebäude und man hat eher das Gefühl irgendwo im Orient unterwegs zu sein anstatt in China. Ebenso die Menschen sehen hier nicht alle asiatisch aus, viel deutet auf einen starken arabischen Einfluss.

Auf dem Scooter Highway ging es ins Zentrum
Hier läuft niemand. Jeder fährt auf seinem E-Roller durch die Gegend
Und dann durften wir unsere Fahrräder in den 3. Stock tragen. Ach was ein Spaß

Im Hostel angekommen haben wir uns ein Bier gegönnt.
Auf dem Nachtmarkt in Kashgar.
Ach was sieht das lecker aus.

Kirgisistan 6000 Teil 2!!!

Nachdem wir Osh am Mittwoch verlassen haben, sind wir die 250km zur Chinesischen Grenze ruhig angegangen, da die Grenze am Wochenende geschlossen ist. Wir hatten die ersten beiden Tage moderate Steigungen und kaum größere Anstiege zu bewältigen, was sehr angenehm war. Da wir ja wussten, dass uns die nächsten Tage noch deutlich steilere Anstiege bevorstanden. 

Die Schulkinder tragen hier besonders schicke Uniformen

Shopping Stop

Na wo ist das Auto unter dem ganzen Heu
Die Kids sind einfach spitze hier
Wenn die Bauern ihre Schafe und Kühe nach Hause treiben ist die Straße erstmal dicht

Wie vermutet haben wir nach Osh viele Reiseradler getroffen. Fast alle kommen über den Pamir Highway von Duschanbe/Usbekistan und Tadschikistan nach Kirgisistan und erholen sich dann meist in Osh von den Strapazen. Für viele Reiseradler ist der Pamir Highway das absolute Highlight. Dies ist eine Schotterstraße die durch das Pamirgebirge führt und weit abgeschieden von Zivilisation meist über 3000 – 4000m führt. Es gibt hier wenige Verpflegungsmöglichkeiten und stellt so für viele Reisende das absolute Abenteuer dar. Bereits am ersten Tag haben wir jeweils ein Pärchen aus der Schweiz und Schweden getroffen, die von dort kamen. Aufgrund der Hygienestandards in einigen Unterkünften hatten alle Radler durchweg mit heftigen Durchfall zu kämpfen. Daher entstand der Name Durchfall Highway anstatt Pamir Highway. Wir haben diese Route für uns gar nicht bedacht, da sie nicht unbedingt auf unserem Weg lag. 
Die letzte größere Ortschaft vor der Chinesischen Grenze ist Sary Tash, in der wir nochmal unsere Vorräte auffüllen wollten. Die Fahrt nach Sary Tash war sehr anstrengend, da wir über einen 3600m hohen Pass radeln mussten. Die Landschaft auf dem Weg nach oben war natürlich wie immer grandios. Der letzte Anstieg zur Passhöhe ging über 8km und wir hatten ca. 1000hm zu bewältigen. Es war eine wirkliche Schinderei da wir sichtlich mit der Höhe und der Atmung Probleme hatten. Aber am Ende haben wir es geschafft und waren super happy. 

Kurz vor Sary Tash haben wir ein deutsches Radler Trio getroffen

Oben angekommen auf 3615m
Das war unser Weg nach oben

Noch zwei weitere Radler aus Deutschland

In Sary Tash haben wir uns ein kleines sehr rustikales Hotel genommen. Zuerst waren wir alleine aber später erblickten wir auf der Straße eine ganze Gruppe von Reiseradlern, die direkt das Hotel ansteuerten. Es waren insgesamt 10 Radler die alle vom Pamir Highway kamen. So hatten wir eine tolle Atmosphäre im Hotel unter Gleichgesinnten.

Angekommen in Sary Tash mit Blick auf die schneebedeckten Berge
Feierabend Bier. Die Motorräder sind von zwei Rumänen die eine Tour durch Asien machen
Toilette Deluxe!
Abendessen mit Reiseradlern aus Südafrika, England, Belgien, Deutschland und Schweden
Überall all nur Fahrräder

Am nächsten Morgen ging es bei kühlen Temperaturen Richtung der Grenzstation Irkeshtam. Wir fuhren auf einem Plateau entlang schneebedeckter 5000-6000m hoher Berge und genossen die absolute Ruhe und tolle Landschaft. Am einzigen Haus entlang der Straße, aßen wir mit der Familie Mittag. Hier gab es trocken Brot und Tee und eine tolle Atmosphäre. 

Grandiose Landschaft im Niemandsland

Rechts im Bild sieht man das einzige Haus auf der Strecke wo wir Mittag gemacht haben

Mittag mit Brot und Tee und viel Spaß
Und die Straße ging immer nur gerade aus

Die Fahrt glich durchs Niemandsland, es stehen nirgends Häuser und nirgends sind Menschen zu sehen. In Irkeshtam trauten wir unseren Augen nicht, eine ewig lange LKW Schlange und die Häuser in den die Menschen leben bestehen nur aus alten Bauwagen. Wir sahen ein kleines Hotelschild und folgten diesem. Wir schauten nicht schlecht als die Dame uns einen Bauwagen präsentierte der total runtergekommen war. Aufgrund von starkem Wind beschlossen wir für 2,50 € den Bauwagen zunehmen und mussten so unser Zelt nicht auspacken. Nachts wurde im Nebenraum noch ein weiterer betrunkener LKW Fahrer untergebracht, der uns ziemlich lange auf Trapp hielt. Aber naja wir sind ja nicht zur Erholung hier. Viel geschlafen haben wir die Nacht nicht und so sind wir ziemlich zerknittert und nervös zur Chinesischen Grenze aufgebrochen. Was wir bei unser Abenteuerlichen Einreise nach China alles erlebt haben, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag.

Irkeschtam besteht nur aus diesem Bauwagen wo die Menschen drin leben
Ach was war das schön in unserem Bauwagen

Aufgrund des geblockten Internet’s in China müssen wir den Blog nun über das Handy hochladen und bearbeiten daher ist die Strukturierung ein wenig schwierig. 

Kirgisistan 6000!

Nachdem wir beide ziemlich erschöpft im Tunduk Hostel in Bishkek angekommen sind , haben wir uns nach der Dusche erstmal ins Bett gelegt. Am nächsten Tag ging es uns schon deutlich besser und wir haben mit den vielen Reisenden im Hostel den Tag verbracht. Die meisten von ihnen kamen aus Frankreich und Belgien. Nicht vergessen wollen wir hier natürlich unseren Freund Maik aus der Schweiz, der uns durch seine ruhige und direkte Art sofort sympathisch war. Maik kommt aus Bern in der Schweiz und er startet von Kirgisistan zu einem zehnmonatigen Backpacker Trip rundum den Globus. Maik wir wünschen dir alles Gute auf diesem Weg und viel Spaß !!!

Bischkek wurde nach unserer Genesung natürlich auch noch besichtigt. Hier gab es unzählige Denkmäler und Statuen zu bestaunen. Selbst die Lenin Statur am Lenin Platz steht noch. Andere alte Sowjetstaaten haben diese Denkmäler entfernt, nicht so Kirgisistan. Hier wurde sich dazu entschieden zu seiner Vergangenheit zu stehen. Vielleicht ist die Entsorgung oder Umgestaltung auch einfach zu teuer. Nichtsdestotrotz hat uns Bischkek als Hauptstadt nicht unbedingt umgehauen. Es gab viel grün und viele Parks, aber dennoch hat ein wenig der Flair einer Hauptstadt gefehlt wie wir finden. Mit den Leuten aus dem Hostel haben wir dann noch einen kleinen Pub Abend gemacht. Der feucht fröhlich ausfiel und wir natürlich wieder die letzten im Hostel waren. Am nächsten Morgen mussten wir dann auch unsere geplante Wanderung mit Maik absagen, aus unerklärlichen Gründen.

Am Montag den 28.08. ging es dann für uns endlich weiter und wir haben uns auf den Weg gemacht das wunderschöne Kirgisistan zu erkunden. Viele von euch werden den Namen des Landes vielleicht hier zum ersten Mal hören. Aber nach diesem Blogbeitrag werdet ihr das so schnell nicht wieder vergessen, hoffen wir. Kirgisistan beherbergt alleine 30 über 6000m hohe Berge sowie mehrere Siebentausender wie den 7134m hohen Pil Lenin, wenn das nicht mal beeindruckend ist.

Den ersten Tag (sind wir für Kirgisistan untypisch) hauptsächlich geradeaus gefahren. Aber der erste Tag auf dem Rad war noch nicht so erfolgversprechend. Haben wir uns doch einfach noch total schlapp und K.o. gefühlt. An einem kleinen Bewässerungskanal haben wir dann unser Zelt aufgeschlagen und uns früh schlafen gelegt. Wir wurden am nächsten morgen mit strahlendem Sonnenschein empfangen und waren hoch motiviert unser Tagesziel zu erreichen. Dies sollte ein Pass sein, der auf ca. 3200m liegt. Die Strecke umfasste ca. 70km mit gut 2200hm. Wir waren beide immer noch nicht so richtig gut drauf und kämpften doch ganz schön mit dem Berg. Lag vermutlich an unserem Trainingsrückstand der letzten Wochen. Nach dem Mittag direkt an der Straße, ging es an die letzten 18km mit ca. 12 % Steigung.

Wir haben hier ganz schnell gemerkt das wir das einfach nicht schaffen. Hier kamen zwei schwer beladene LKW’s mit niedrigem Tempo genau richtig. Jeder von uns krallte sich irgendwo hinten am Hänger fest und dann ging es bergauf. Das mag sich entspannt anhören ist aber ebenso harte Arbeit. Da die Straße ziemlich kaputt war und man meistens ohne Wechsel nur mit einer Hand festhalten kann, für ca. 45 min. Frank hatte dann noch einen kleinen Unfall bei dem Glücklicherweise nichts weiter passiert ist. Er hat sich am Hänger mit dem Lenker und Taschen verkeilt und sich dann unsanft überschlagen und wurde nicht weiter vom LKW mitgeschleift. Nach kurzem richten am Fahrrad, hielt schon der nächste LKW der das Schauspiel verfolgte und gleich signalisierte ab nach hinten und festhalten. Oben angekommen sahen wir schon den Tunnel den wir durchqueren mussten. Der Tunnel ist spärlich beleuchtet, extrem schmal und besitzt keine Ventilation. Kurz gesagt ein solcher Tunnel wäre in Deutschland undenkbar. Für Radfahrer ist er auch verboten, so mussten wir uns ein Taxi organisieren welches uns durch den 2km langen Tunnel beförderte. Nach einiger Suche fanden wir einen grünen Pritschenwagen, der bereit war uns mitzunehmen. Kaum öffneten der Beifahrer die Ladefläche, war uns klar warum die Jungs sich so amüsierten. Wir durften mit 2 Schafen und ihren Exkrementen auf der Ladefläche Platz nehmen. Die Fahrt durch den Tunnel glich einer Achterbahnfahrt. Die Straße im Tunnel war sehr schlecht und wir zischten mit einem Höllenspeed durch den Tunnel. Wir flogen ziemlich umher und selbst die Schafe lagen des öfteren auf dem Boden, aufgrund der rasanten Fahrweise.

Am anderen Ende angekommen bedankten wir uns und waren froh die Ladefläche lebendig verlassen zu können. Wir wollten eigentlich auf dem Pass zelten aber das Wetter war so schlecht, das wir beschlossen auf die vor uns liegende Hochebene auf 2300m zu fahren. Die Abfahrt war ziemlich kalt und wir befürchteten schon in den herannahenden Regenschauer zu geraten. So haben wir schnell ein Zeltplatz gesucht und alles aufgebaut. Wir hatten am Ende dann doch Glück und konnten die atemberaubende Landschaft mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen.

Am nächsten Tag führte unser Weg immer entlang der Hochebene und was sollen wir sagen, die Landschaft war einfach atemberaubend. Die Straße ging hauptsächlich geradeaus und schlängelte sich zwischen den Bergen auf der Hochebene entlang. Überall am Straßenrand standen Yurten, in denen die Nomaden leben und ihre selbst hergestellten Erzeugnisse und Essen verkaufen. Alle riefen und winkten uns zu und signalisierten das wir zum Essen vorbeikommen sollten.

Die Steigung war moderat und unserer Fitnesszustand besserte sich auch wieder. Zum Mittag kehrten wir in einer Art Gasthaus am Straßenrand ein und hatten danach noch ein paar Kilometer bis zum Höchsten Punkt der Hochebene auf 3200m, von der es wieder nach unten ging. Nach einer kurzen Abfahrt haben wir uns auf ca. 2800m einen genialen Zeltplatz direkt an einem eiskaltem Bergbach gesucht und einen genialen Abend verbracht. Die Bilder sprechen für sich!!!

Am nächsten Morgen hatten wir dann eine ca. 65km lange Abfahrt vor uns, die wir natürlich genossen haben. Wir fuhren nach einem leckeren Mittag um den Toktogul See herum und zelten hier direkt am See. Haben wir schon erwähnt welch tolle Landschaft Kirgisistan zu bieten hat? 🙂

 

Am Morgen ging es weiter am See entlang mit ständigem bergauf und -ab. Hier trafen wir auch ein Englisches Pärchen, welches mit Trikes unterwegs ist. Die Beiden sind schon seit mehr als einem Jahr unterwegs und waren Anfangs erst mit einem Tandem unterwegs und sind dann umgestiegen.

Die Straße führte uns dann weg vom See und wir steuerten die Stadt Kara-Köl an. Entlang der Straße verlief ein Fluss an dem wir vorhatten zu Zelten. Blöd nur wenn der Fluss in einer Schlucht verläuft und kein geeigneter Zeltplatz in der Nähe ist. So gondelten wir die Straße entlang am Fluss, immer weiter bis wir dann endlich in weiter Entfernung ein Platz ausfindig machen konnten. Nach 105km waren wir dann auch ziemlich K.o. und froh nun endlich einen Platz gefunden zu haben.

Am nächsten Tag ging es immer weiter mit der Berg- und Talfahrt. Entlang am Fluss, aber es wurde weniger und am Nachmittag fanden wir uns dann plötzlich im Flachland wieder. Hier stoppten wir an einem der vielen Verkaufsstände, um eine Melone für den Abend zu kaufen. Hier wurden wir auf eine Melone eingeladen und über unsere Route ausgefragt. Die Kirgisen sind sehr herzliche und freundliche Menschen und wir werden oft gefragt woher wir kommen und wohin die Reise geht. Auch auf der Straße wird uns viel zugehupt, zugerufen und freundlich gewunken. Abends haben wir an einem kleinen Bach gezeltet und wurden prompt erstmal von der Polizei besucht. Die waren aber super freundlich und haben sich nach unserem Wohl erkundigt. Später am Abend fuhren Sie auch noch mal Patrouille, um zuschauen das bei uns alles in Ordnung ist. Am nächsten Morgen wurden wir von einem kleinem Jungen auf seinem Esel empfangen, der seine Herde Schafe auf die Weide trieb und ziemlich amüsiert schaute was wir da so machen.

Die nächsten beiden Tage verliefen mehr oder weniger entspannt, bis auf den schlechten Straßenzustand Richtung Osh. Wenn man dann den ganzen Tag auf so einer Holperpiste unterwegs ist, tut einem einfach alles weh. Wir durchfuhren nun viele kleinere Städte und hier war schon ordentlich was los auf den Straßen. Überall Verkaufsstände, Menschen auf den Straßen und viele kleine Transporter die Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen transportierten. Wir sind nun in Osh angekommen und gönnen uns hier 2 Tage Pause. Kirgisistan hat uns mit seiner unglaublichen Natur- und Bergwelt wirklich überzeugt sowie die freundlichen Menschen überall. Um Kirgisistan zu bereisen sollte man vielleicht eher früher ins Land kommen. April bis Juni sind dann vielleicht besser, eventuell alles ein bisschen grüner. Wir hatten hier Anfang September noch täglich 30°C und sehr trockenes Wetter. Aber dennoch hat uns die unberührte Natur wirklich beeindruckt sowie der Sowjetische Flair der alles noch ein bisschen rustikaler wirken lässt. Kirgisistan ist wirklich eine Reise wert. Es werden viele Touren durch das Land und die Bergwelt angeboten, sei es auf dem Pferd oder das übernachten in einer Jurte, hier dürfte für jeden was dabei sein.

Von Osh wollen wir dann nach China aufbrechen. Was noch mal richtig anstrengend wird, da wir auf einen ca. 3500m hohen Pass radeln müssen. Auch ist die Einreise über die Grenze nach China mit dem Fahrrad nicht ganz so einfach. Zwischen der Kirgisischen Grenze und der Chinesischen Grenze liegt eine Art Niemandsland, welches nicht mit dem Fahrrad befahren werden darf. So müssen wir uns hier noch einen Transport organisieren. Auch die ersten ca. 200km in China bis Kaschgar dürfen nicht beradelt werden. Mal sehen ob wir einen LKW chartern können der uns mitnimmt. Ob das alles so klappt sehen wir bald und ihr erfahrt es im nächsten Blog!!! 🙂

Auf der Autobahn durch Kasachstan

Als wir den Air Astana Flieger in Almaty verlassen haben, dachten wir schon in China gelandet zu sein, die Menschen sehen hier doch komplett anders aus. Das passiert wenn man ein paar Länder überspringt. Die angenehmen Temperaturen in Almaty waren eine Erlösung für uns nach der Hitze im Iran. Aus dem Flugzeug haben wir die Landschaft von Turkmenistan und Usbekistan bestaunen können. Es sah sehr eintönig und nach Wüste aus. Also haben wir landschaftlich nicht zu viel verpasst, mindestens das was wir aus dem Flugzeug gesehen haben.

Nach dem wir an der Gepäckausgabe unsere Bikes abgeholt haben, suchten wir uns außerhalb ein Plätzchen und packten Sie wieder aus. Wir waren schon eine gute Stunde beschäftigt.

Am Ende der Montage, war es schon fast dunkel. Es ging dann mit dem Feierabendverkehr in die Innenstadt zu unserem Host Shynges, der uns über Couchsurfing vermittelt wurde. Bis zu Shynges Wohnung waren es 25km. So hatten wir noch ein gutes Stück vor uns und konnten Almaty bei Nacht erkunden. Mit einigen Schwierigkeiten haben wir dann seine Wohnung und auch Shynges ausfindig gemacht. Hier haben wir am Abend unser erstes Bier seit langem getrunken und Shynges hat zusammen mit seinen Mitbewohnern für uns gekocht. Am Nächsten Tag haben wir Almaty mit dem Rad erkundet. Die Stadt ist sehr grün und liegt direkt vor den Bergen. Das Stadtbild hat uns gefallen, es war alles sehr aufgeräumt und hat uns ein wenig an Europa erinnert. Ein Tag in Almaty war für uns genug und so sind wir nach langem Schlaf, bei Shynges gegen Mittag Richtung Kirgisistan aufgebrochen.

Unser Weg aus der Stadt führte uns über die Autobahn, die ziemlich stark frequentiert war. Dadurch gab es jede Menge Abgase gepaart mit feinstem Staub.

Nachdem Tag auf der Autobahn, fanden wir an einem kleinen Bach einen Platz zum campen. Die erste NAcht seit langem wieder in Freiheit im Zelt. 🙂

Am nächsten Morgen ging es auf der Autobahn weiter, hier trafen wir kurz nach unserem Start Koni und Ute aus Hessen auf ihrem Tandem. Die beiden waren uns sehr sympathisch und wir haben uns gefreut mal wieder ein paar Reiseradler zu treffen. Die beiden sind schon seit über einem Jahr unterwegs und wollen insgesamt 5 Jahre reisen. Das ist mal eine Ansage. Wir wünschen ihnen viel Spaß und eine gute Reise.

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Koni und Ute

Nachdem wir ca. 2km gefahren sind, begegnete uns Hendrik aus Schweden. Ebenfalls eine Tourist auf dem Rad durch Kasachstan und Kirgisistan. Unglaublich das man hier wieder auf Gleichgesinnte trifft. Der Weg führte uns weiter, wir fuhren durch die Steppe, unendlich lange gerade aus. Ab und an kam mal ein Imbiss zum rasten am Straßenrand. Uns hat dieser Tag eigentlich schon gereicht und wir waren froh das wir nach 100km geradeaus, endlich abbiegen konnten. Wir hatten bis Kirgisistan noch einen kleinen Pass zu überwinden, den wir uns aber für den nächsten Tag vorgenommen haben. So fanden wir noch einen kleinen See, an dem wir unser Zelt aufschlagen konnten. Am Abend besuchte uns noch ein Hirte der seine Schafe bei uns am Zelt vorbeitrieb.

Der nächste morgen sah nicht unbedingt gut aus. Bei Patrick hat sich eine Erkältung angekündigt und Frank hatte Durchfall. So ging es geschwächt in den 10km Anstieg Richtung Kirgisistan. Oben angekommen, konnten wir schon die Schneebedeckten Berge von Kirgisistan sehen. Wahnsinn was für ein Bild. Auf den Bildern sieht man diese leider nicht so gut. 😦 Danach ging es leicht bergab und wir konnten uns ein wenig schonen. Nachdem Mittag haben wir die Grenze überquert. Was sehr unproblematisch verlief.

Danach ging es direkt ins Tunduk Hostel nach Bischkek, was uns Koni und Ute wärmstens empfohlen haben. Vorher mussten wir uns durch den Verkehr und die ganze Stadt kämpfen. Aber die Fahrt war es wert. Das Hostel hatte eine tolle Atmosphäre und es gab sogar einen Pool im Garten. Ob wir unsere Lebensgefährlichen Krankheiten überstanden haben und wie es uns in Kirgisistan ergangen ist, erfahrt ihr vielleicht im nächsten Beitrag. 🙂 Bis dann!!!

Teil 2! Der Iran, hat es uns angetan!

Am Morgen sind wir gegen 6 Uhr in Teheran gestrandet. Unsere Bikes konnten wir erst um 14 Uhr abholen. Also ging es in einen Park um noch ein wenig schlafen. Wir haben zwei Bänke als Residenz gewählt, bis wir vom Parkpersonal geweckt wurden. Patrick besuchte die örtliche Toilette und übersah das Damensymbol, die schreiende und auf ihn mit Schuhen einschlagende Frau, machte ihm dann deutlich, den Raum zu verlassen und es flogen noch Schuhe hinterher. Als er dann draußen war wusste er warum und bemerkte das Schild. Größere Verletzungen blieben aus, der Schock saß tief. 🙂

In der Mittagshitze bei über 40°C, haben wir dann unsere Räder unversehrt abgeholt und uns auf den Weg ins Zentrum gemacht. Der Verkehr in Kombination mit der Hitze, waren absolut nervenaufreibend. Die Iraner fahren eigentlich wie Sie wollen. Ist die Straße zweispurig so steht man trotzem zu dritt oder viert nebeneinander an der Ampel. Diese hat auch nur dekorativen Zweck und findet keine weitere Beachtung. Überholt wird einfach ohne zu blinken, selbst der kommenden Gegenverkehr stellt hier kein Problem dar. Ganz nach dem Motto wird schon passen. Falls der Iraner mal die falsche Autobahn Ausfahrt genommen hat, kein Problem! Einfach gewendet oder rückwärts zurück auf der Autobahn.

Bei einer Busfahrt in Täbris wurde eine Frau vom Bus in dem wir saßen, in den Straßengraben gedrängt. Sie wollte nicht von der Straße, wer nicht hören will muss hier fühlen.

Wir haben klingeln am Fahrrad, wen interessierts, niemanden. Das Highlight aber sind die vielen Motorräder auf der Straße. Die Motorradfahrer halten sich an keine Regeln. Es wird sich überall durchgeschlängelt. Ist der Stau zu heftig, gehts auf dem Bürgersteig weiter oder es wird einfach entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf einer 5 spurigen Straße gefahren. Die Motorräder sind hier die Allzweckwaffe, auf ihnen wird einfach alles transportiert Waschmaschinen, Baumaterial, Teppiche einfach alles!!! Manchmal sind auf dem Mopped/Motorrad auch Menschen, die Anzahl beträgt meist 3-4 Personen. Natürlich ohne Helm. Wir haben dann auch mit 3 Jungs auf dem Motorrad bei fließenden Verkehr und voller Fahrt zum Selfie herhalten müssen.

In Teheran wollten wir das Visum für China beantragen. Aber zuerst mussten wir erstmal eine bleibe finden. Mehrere Hostels die wir angefahren haben konnten wir nicht finden. So klingelten wir einfach mal alle möglichen Warmshowers Hosts durch. Bei Nazi und Said hatten wir mega Glück. Nach kurzem Gespräch mit Said, wurden wir weitergereicht an einen Deutschen. Dieser uns sagte, wir hätten hier die Möglichkeit beim besten Warmshowers Host ganz Teherans zu übernachten. Also dann nix wie hin. So schnell kann sich das auf so einer Reise ändern. Angekommen bei unserem Host, wurden wir herzlich empfangen und waren nicht die einzigsten mit dem Rad. Yumbor der aus Taiwan bis nach Teheran radelte und noch bis nach Paris will, war ebenfalls zu Gast. Am interresantesten war allerdings Shahin, der eigentlich aus Teheran stammt aber aufgrund der Iranischen Revolution Ende der 80er Jahre als 13 Jähriger nach Deutschland flüchtete und jetzt als Künstler Arbeit und noch an der Universität in Aachen unterrichtet. Er ist von Deutschland mit einem Rhönrad bis nach Teheran gelaufen. Gebraucht hat er dafür 1 Jahr und 7 Monate. Seine Reise ist ein Kunstprojekt und für ihn schließt sich mit der Rückkehr nach Teheran ein Kreislauf, welcher vorallem durch sein rundes Röhnrad symbolisiert wird. Er kehrt somit das erstemal nach seiner Flucht vor dem Krieg zurück in seine Heimat. Sein Rhönrad will er dem Kunstmuseeum in Teheran spenden. Ein ziemlicher interesannter Typ. Wer Interesse hat, hier könnt ihr seine Reise verfolgen http://www.rolleast.de.

Die nächsten Tage standen im Zeichen des China Visums. Hierzu brauchten wir noch eine Bestätigung von der Deutschen Botschaft in Teheran das wir auch wirklich Inhaber unserer Pässe sind. Vor der Deutschen Botschaft war ziemlicher Andrang von Iranern die ein Visa für Deutschland bekommen wollen. Wir winkten dem Portier kurz mit unseren Pässen zu und schon durften wir uns durch die Menge in die Botschaft kämpfen. Der Portier kam aus Köln und so hatten wir gleich Spaß und durften dann nach kurzem Sicherheitscheck in die Botschaft. Die Aushändigung unserer Unbedenklichkeitserklärung ging zügig und wir wurden sehr nett empfangen. Daher konnten wir die schlechten Bewertungen aus dem Internet über die Botschaft absolut nicht nachvollziehen.

Danach ging es daran die Visa Formulare für China auszufüllen und passend auszudrucken. Hier schlichen sich natürlich Fehler ein und wir haben das Prozedere dreimal wiederholt. Zwei Tage später ging es dann auf die Chinesische Botschaft mit ebenfalls mächtig Andrang. Nach der Vorlage unser Unterlagen am Schalter bei einer ziemlich genervten Chinesischen Mitarbeiterin, wurden wir abgewiesen. Sie gab uns zu verstehen ohne vorher gebuchtes Flugticket (damit die Ausreise abgesichert ist) wird das definitiv nix und man könne maximal einen Monat vor Einreise das Visa beantragen. Sie gab uns unsere Ungerlagen wieder. Hierrauf wurde ein schärferer Ton angeschlagen und die Diskussion startete. Wir argumentierten, den Flug erst nach Visa erhalt zu buchen, da wir ja unser Geld nicht zum Fenster rauswerfen wollen. Wichtig ist hier vorallem das man kein Wort darüber verliert mit dem Fahrrad einzureisen und nicht über den Landweg von Westen aus, das mögen die Chinesen gar nicht. 🙂 Nach einer weiteren Diskussion mit ihrem Vorgesetzten wurden unsere Unterlagen doch angenommen und wir bekammen eine Einzahlungsbestätigung für die Bank wo wir unsere Visagebühren entrichten sollten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl verließen wir die Botschaft und zahlten unsere 40 US Dollar pro Nase auf der Bank ein. Wir sollten in 5 Tagen wiederkommen und unsere Reisepässe abholen. Also ging es nach fünf Tagen wieder auf die Botschaft und wir haben kurioser Weise ein Visum für 3 Monate erhalten, mit einem Einreisezeitraum von 3 Monaten. Dies gleicht einem 6er im Lotto! Wir waren natürlich voll aus dem Häuschen und hätten damit nicht gerechnet. So konnten wir auch unseren weiteren Verlauf der Reise planen. Unser Plan war es eigentlich durch Turkmenistan und Usbekistan nach Kirgisistan zu fahren. Allerdings gibt es häufig Visa Probleme für Turkemnistan und wenn überhaupt, dann bekommt man nur Transitvisa für 3-5 Tage. Das machte für uns keinen Sinn durch ein Land durchzuhetzen. Ebenfalls die Kosten für das Turkmenistan und Usbekistan Visum, sind ziemlich hoch. So entschieden wir uns für die Option von Teheran aus nach Almaty in die Hauptstadt nach Kasachstan mit unseren Bikes zu fliegen. Von hier aus werden wir dann über Kirgisistan nach China einreisen. Auf der einen Seite ist natürlich schön den kompletten Weg zu fahren aber andererseits wollen wir keine Rekorde aufstellen und müssen uns nichts beweisen. Mit dem China Visum in der Tasche konnten wir nun unsere Zeit in Teheran genießen und entspannt dem weiteren Verlauf der Reise entgegen sehen.

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Super Happy über uns China Visum !!!

Die Zeit bei Nazi und Said war wirklich schön. Es ist eigentlich ein Zufall das die beiden in Tehran sind. Hatten Sie sich doch seit über einem Jahr auf eine Tour durch Europa vorbereitet und gefreut. Allerdings wurde ihr Visa in letzter Minute abgelehnt und alle Vorbereitungen waren umsonst. Wir sehen an solchen Beispielen immer wieder, wie wertvoll unser Reisepass ist und wie priviliegiert wir uns fühlen dürfen Deutsche Staatsbürger zu sein. Wir hoffen auch das ihr das zu Hause nie vergesst.

So haben wir in Teheran ein bisschen Sightseeing gemacht, auch wenn das bei der täglichen Hitze vorallem draußen sehr anstrengend ist. Frank hat zusammen mit Faraz den wir in Batumi kennengelernt haben eine kleine Stadtführung zum großen Basar und einigen Moscheen bekommen und im ältesten Restaurant in Teheran gegessen. Nebenbei haben wir uns einige Museen wie z.B. Das Natinal Museum und das Omidvar Brüder Museum angesehen. Die beiden Brüder haben in den 50er Jahren die Welt mit zwei Motorrädern berreist und waren hier fast sieben Jahre lang unterwegs.

Teheran ist in nördlicher Richtung von einem Gebirge umgeben, welches den 3964m hohen Tochal beherbergt. Patrick wollte hoch, Frank durfte mit :-). Wir fuhren mit der Metro bis zur letzten Station Tajrish, von dort starteten wir am Abend. Bei Einbruch der Dunkelheit wollten wir in einer der vielen Hütten übernachten. Unser Weg führte uns Anfangs durch eine Schlucht die von unzähligen Restaurants und Cafes gesäumt war. Wir wurden hier mit „Hello Mr., Mr. Hello“ überall umworben. Aber keine Zeit, wir wollten ja noch ein paar Höhenmeter absolvieren. Als wir dann endlich die Restaurants hinter uns gelassen haben, ging es über einen Klettersteig bis auf die Shirpalahütte auf ca. 2700m. Hier gab es für ca. 5€ Essen und einen Schlafplatz. Eine grandiosen Blick auf Teheran inklusive. Am nächsten Morgen ging es gegen 5 Uhr los und wir wollten die restlichen 1100hm bis zum Gipfel bewältigen. Im Dunkeln ging es dann mit Stirnlampen bewaffnet bergauf. So konnten wir von weit oben beobachten wie Teheran im Morgengrauen langsam erwacht. Patrick war extrem gereizt und ließ Frank das auch spüren, da es viel zu früh war! (Ja auch wir nerven uns an, aber wissen das es gemeinsam schöner ist als allein) 😉 Mit zunehmender Höhe wurden wir auch immer langsamer und uns ging schön die Puste aus, wir kamen ja auch nah an die 4000m Marke ran. Als wir dann oben angekommen sind, sah man in weiter Entfernung den höchsten Berg des Iran. Den 5680m hohen Damavand. An diesem soll ja bereits Reinhold Messner 5 mal gescheitert sein, allerdings hat gefühlt schon jeder 2te Iraner den Damavand bestiegen. Reinhold was war da los? Am Gipfel trafen wir dann noch ein paar Iraner, die dort übernachtet haben und dies als Vorbereitung für die Damavandbesteigung nutzen. Bergab haben wir uns dann die Gondel gegönnt, die nur ca. 2 km vom Gipfel entfernt ist.

Nachdem wir dann wieder bei Nazi und Said waren, mussten wir leider umziehen. Familienbesuch stand an. Wir waren wie immer ein wenig traurig zu gehen, hatten wir doch eine sehr schöne Zeit bei den beiden. So half uns Mehran aus mit dem wir schon vorher Kontakt aufgenommen hatten und vermittelte uns an seinen Kumpel Hassan. Der zwar nicht so gut Englisch sprach, aber ein sehr netter Kerl war. Wir waren happy so schnell eine Unterkunft gefunden zu haben.

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Frühstück mit Hassan (hinten) und Omet der schautz war ein bisschen ernst war aber sehr nett

Hassans Wohnung war ziemlich klein, er teilte Sie mit seinem Mitbewohner Omet, der ab und an auf der Couch schläft. Aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. Zusammen mit Hassan und seinen Freunden wurden wir zu einem Iranischen Picknick am Wochenende eingeladen. Picknicken und wandern ist am Wochende die Hauptbeschäftigung der Iraner. Hier geht es mit mächtig Proviant und Teppich auf den Berg. Für uns ein wenig unverständlich, wie viel Gewicht hier mit auf den Berg geschleppt wird. Aber andere Länder, andere Sitten. An einem schattigen Plätzchen wurde dann das Picknicklager zwischen den Felsen aufgeschlagen und Feuer gemacht. So haben wir zusammen mit Hasti und Vahid, ihrem Sohn, Sohre, Mehran und Hassan einen tollen Tag gehabt und einen tollen Einblick in die iranische Kultur bekommen.

Da noch ein wenig Zeit war bis zu unserem Flug, haben wir uns entschieden mit dem Bus die historische Stadt Isfahan zu besichtigen. Wir sind nach ca. 6h Fahrt angekommen und haben uns einige Sehenswürdigkeiten angesehen. So richtig motiviert waren wir nicht und haben uns am Abend ein Schlafplatz im Amir Kabir Hostel gesucht und gleich neue Leute kennengelernt. Am nächsten Tag hatten wir nach dem Frühstück eigentlich noch einige Dinge vor, bis wir dann Hans aus Münster beim Frühstück trafen. Wir unterhielten uns mit ihm den ganzen Tag und hatten sehr interessante Gespräche übers Reisen, Politik und alles mögliche. So haben wir den ganzen Tag im Hostel zusammen verbracht und die Zeit genoßen. Hans wir wünschen dir auf diesem Weg alles gute und weiterhin eine gute Zeit. Wir waren auch nicht böse, die vielen interesanten Dinge verpasst zu haben. Am Abend haben wir uns dann kurzfristig entschloßen früher nach Teheran zurück zu fahren. Wir mussten für unseren Flug nach Almaty noch einiges organisieren. Natürlich gibt es im Iran noch viele interessannte Orte wie z.B. Mashad, Persapolis oder auch Shiraz zu besichtigen. Aber irgendwie haben wir nach der ganzen Radfreien Zeit, mehr Lust wieder zu radeln.

So hat uns Mehran über einen Bikeshop für unseren Flug Fahrradkartons besorgt und noch ein Taxi zum Flughafen klargemacht. Für den Flug müssen wir die Bikes ein wenig zerlegen, damit Sie in die Kartons passen. Wollen wir mal hoffen, dass alles Sicher in Kasachstan ankommt.

Wir haben nun fast 3 Wochen im Iran verbracht und hier die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Iraner kennengelernt. Man wird hier überall gefragt wo man herkommt und alle sind super happy wenn wir sagen das wir aus Deutschland sind. Man wird sehr häufig eingeladen oder bekommt Essen geschenkt. Es soll schon Reiseradler gegeben haben die ohne Geld durch den Iran gereist sind. Die Iraner wollen im gleichen Atemzug natürlich auch wissen, wie wir ihr Land finden und wir können eigentlich im Bezug auf die Menschen nur positive Worte finden. Natürlich werden wir auch zur politischen Lage befragt, viele Iraner kritisieren die Regeierung und wissen um die Missstände des Landes. Wir haben uns immer ein wenig bedeckt gehalten und uns hier mehr neutral geäußert. Uns ist besonders die Kleidungsverordnung und die Internet Zensur sauer aufgestoßen. Die Internet Zensur konnten wir durch verschiedene VPN Verschlüsselungsprogramme umgehen. Die Kleidungsverordnung leider nicht und es ist für uns sehr fragwürdig, vorallem die Verschleierung der Frauen mit ihren komplett schwarzen Gewändern. Dennoch empfehlen wir euch, besucht den Iran und lasst euch von den Medien nicht verunsichern vor diesem tollen Land mit den herzlichsten Menschen auf unserer Reise bisher.

Auf in die Islamische Republik

Nach der Zwangspause aufgrund von Patricks Magenproblemen, sind wir am 29.7. um 5 Uhr in Kapan, Richtung Iranische Grenze aufgebrochen. Uns stand der bisher höchste Pass unserer Reise bevor, der uns bis auf ca. 2550m brachte. Die Fahrt führte uns durch ein langes Tal bis nach Kajahran. Die Steigung bis dahin war moderat, aber dennoch haben wir bis hier schon fast 1000hm überwunden. Bis zur Passhöhe hatten wir nochmals fast 750hm auf ca. 10km zu bewältigen. Auf unserem Weg hatten wir tolle Aussichten und extrem wenig Verkehr. Vom Pass ging es dann bis zur Iranischen Grenze nach Nurduz nur bergab, auf ca. 500hm. Wir haben hier direkt an der Grenze zwischen Armenien und dem Iran, im Samuel Hostel übernachtet. Hier wurden wir vom Besitzer herzlich empfangen und es ging mit seinen Kids gleich ins örtliche Schwimmbad. Wir hatten im rustikalen Pool ein grandioses Panorama und konnten uns natürlich schön abkühlen. Vom Hostel aus konnte man schon in den Iran schauen und die Grenzstation sehen.

Am nächsten Tag ging es dann wie immer um 5 Uhr raus und nach nur 1km waren wir schon an der Grenze. Zuerst wurden wir von den Armenischen Grenzbeamten abgefertigt, die teilweise von uns geweckt werden mussten, da Sie am Arbeitsplatz noch schliefen. Mit leicht verschlafenem Blick bekamen wir dann vom Grenzbeamten unsere Ausreisestempel in den Reisepass. Nun mussten wir noch ca. 500m bis zur Iranischen Grenzstation radeln. Wir wurden hier vorher bereits von einem Iranischen Polizisten ausgefragt, bevor wir dann in das Gebäude durften. Der ganze Ablauf an der Grenze hat zwar ein wenig gedauert, aber verlief ohne Probleme. Wir haben dann gleich noch unser restliches Geld umgetauscht, um liquide zu sein. Denn im Iran besteht keine Möglichkeit Geld auf der Bank abzuheben. Da der Iran vom internationalen Finanzhandel ausgeschlossen ist und wir somit alles was wir hier an Geld benötigen in Bar dabei haben müssen. Wir hatten uns hier bereits in der Türkei US Dollar besorgt und noch Euro von Zuhause dabei.

Vorab wollen wir mal eine kleine Einführung über den Iran geben. Der Iran bezeichnet sich selbst als Islamistische Republik. Dies bedeutet die Religion in diesem Falle der Islam, bestimmt die Politik und der Iran wird auch als Gottesstaat bezeichnet. Das Regierungssystem des Iran ist einzigartig in der Welt und ist mit unserer westlichen Vorstellung von Politik nicht vergleichbar. Wir wollen hier nicht alle Unterscheide aufzählen, aber jedoch einige die uns betreffen und vielleicht für Verwunderung sorgen. Es gibt eine Kleidungsordnung im Iran, den Frauen vorschreibt den Kopf zu verschleiern und lange Bekleidung zu tragen und das gilt auch für Touristen. Die Arme und Knie müssen bedeckt sein. Für Männer fällt das nicht so streng aus, jedoch sollte man hier im Alltag lange Hosen tragen, egal wie warm es ist. Als wir uns im Nachtzug nach Teheran mit kurzer Hose bewegten, wurden wir schon ein wenig schief angeschaut. Patrick wurde dann auch bei einem Halt von Zugpersonal darauf hingewiesen, bitte lange Hosen zutragen. Beim Sport ist es allerdings gestattet kurze Hosen zu tragen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Metro gibt es extra Frauenabteile die von Männern nicht betreten werden dürfen.

Ebenfalls ist es politisch nicht gerne gesehen, wenn Frauen Fahrrad fahren. Allerdings ändert sich die Gesellschaft im Moment schon langsam und wir haben einige Iranische Frauen auf dem Fahrrad gesehen, natürlich voll verschleiert. Auch zeigen die Frauen langsam etwas Haar und probieren bewusst sich zu entfalten.

Das Wochenende im Iran ist am Donnerstag und Freitag. So sind dann am Freitag viele Geschäfte zu. Ein leckeres Hefeweizen ist auch tabu. Es ist es verboten Alkohol zu trinken, so das man hier auch legal nirgendwo welchen erwerben kann.

So nun aber zu unseren ersten Eindrücken vom Iran. Die Landschaft im Iran änderte sich schlagartig und es wurde alles noch ein bisschen karger und wüstenartiger als in Armenien. Wir fuhren entlang eines Flusses, dieser stellte sogleich auch die Grenze vom Iran zu Armenien und Aserbaidschan dar. Nach ca. 30km erreichten wir die erste Stadt und machten hier auch gleich Frühstück. Es waren noch sehr viele Berge im Umkreis, aber viel grün war nicht mehr zu sehen. Die Temperaturen stiegen dann gegen 9 auch schon wieder und wir hatten hier bereits 30 bis 35 °C. Wir haben uns daher entschieden im Iran den Zug Richtung Teheran zu nehmen. Uns viel diese Entscheidung nicht schwer, haben wir doch bereits in Armenien die trockene Hitze kennengelernt. Wir wollen auch so viel wie möglich mit dem Rad fahren, jedoch bei Temperaturen um die 40°C, hört der Spaß dann auf 🙂 Es ist mit Sicherheit nicht unmöglich bei diesen Temperaturen zu fahren wie einige andere Reiseradler zeigen, aber man muss es ja auch nicht mit der Brechstange versuchen. Wir fuhren bis Jolfa, von dort sollte es mit dem Zug weitergehen.

In Jolfa checkten wir in einem kleinen Hotel ein und erholten uns von der Hitze des Vormittags. Hier mussten wir uns auch mit der Währung Rial vertraut machen. Wir hatten ca. 100 € getauscht und hatten so mal schnell über 4 Millionen Rial in der Tasche. Da die vielen Nullen den Iranern zu viel sind, haben Sie sich ihre eigene Währung einfallen lassen, den Tumen. Dabei wird jeweils die letzte Null weggestrichen. Das führte im ersten Restaurant zu einer heftigen Diskussion, da die Preise in Tumen ausgeschrieben waren. Aber umgerechnet 50 Cent für ein Essen wäre dann auch einfach zu günstig gewesen.

Wir haben uns im Bahnhof in Jolfa gleich nach dem Zug nach Täbris erkundigt und Tickets geordert. Der Zug fuhr am nächsten Tag gegen 18.00 Uhr los und wir wurden als Ausländische Gäste wie VIPs behandelt und durften mit unseren Bikes als erste in den Zug einsteigen und später mussten wir uns noch zum Zugpersonal im separaten Wagen setzen und wurden hier ausgefragt. Zugfahren ist im Iran sehr günstig. Wir haben für die 350km lange Fahrt bis nach Täbris ca. 3€ pro Person bezahlt. Die Züge sind meist ausrangierte Züge aus Europa, die schon einige Dienstjahre hinter sich haben. So sind wir dann gegen 9 Uhr Abends in Täbris angekommen. Wir hatten uns hier vorab mit Hassan verabredet der uns auf einem Pass in Armenien eingeladen hat. Während wir warteten, wurden wir ziemlich schnell von vielen Iranern umzingelt, die natürlich alles über uns und unsere Reise wissen wollten. Wir mussten für unzählige Selfies herhalten. Viele Iraner sind gut gebildet und sprechen daher sehr gut Englisch und so klappt die Verständigung super. Von der Landessprache Farsi, fehlt uns in Wort und Schrift jegliche Kenntnis.

Nach dem wir Hassan empfangen haben und er uns die Lage seiner Wohnung erklärt hat, ging es am späten Abend durch den Verkehr von Täbris. Wir wurden ja schon gewarnt das der Verkehr wild ist und daran ist absolut nichts auszusetzen. Hier gibt es gefühlt keine Regeln und der der am meisten hupt hat Vorfahrt. Aber Täbris sollte nur ein Vorgeschmack auf Teheran werden. Ein Iraner könnte mit der hier an den Tag gelegten Fahrweise und den Verstößen, innerhalb einer Stunde seinen Führerschein bei uns abgeben. Nachdem wir dann lebend bei Hassan angekommen sind, durften wir in der luxuriösen Wohnstube Platz nehmen und wurden rund um versorgt. Mit Wein (soviel zum Alkoholverbot im Iran), Süßigkeiten sowie Knabbereien und natürlich Tee. Wir haben hier gleich die ganze Familie von Hassan sowie die Familie von seinem Nachbarn Hosein kennengelernt. Nach kurzem Smalltalk ging es dann gegen 23Uhr mit zwei Autos ins naheliegende Fastfood Restaurant. Hier wurde Abendbrot gegessen und wir wurden natürlich eingeladen. Der Tagesablauf bei den Iranern ist schon etwas anders und hier findet alles ein wenig später statt. Gegen 2 Uhr nachts durften wir dann endlich zusammen mit Hassan auf dem Teppich in der Wohnstube schlafen legen.

Hassan erzählte uns das er mehrere Firmen in Täbris besitzt und wir diese am nächsten Tag besichtigen werden. So starteten wir gegen 9 Uhr am nächsten Morgen zu Hassans Firma, in der Schweißgeräte und Kompressoren hergestellt werden. Dort wurde ausgiebig gefrühstückt und wir besichtigten noch zwei Firmen von Hassan, in denen Stahlblech vertrieben wird. Nachdem Frühstück holte uns Hassans Freund und Nachbar Hosein ab. Wir fuhren mit ihm ca. 40 km zu seiner Plantage. Er hat eine riesige Villa mit einer ca. 5ha großen Obstplantage, die von ca. 20 Angestellten bewirtschaftet wird. Dort gab es eine ausgiebige Führung, frisches Obst und Mittag. Anschließend wurde nach dem harten Tag Mittagsschlaf gemacht. Obwohl Hassan kaum Englisch sprach und wir ihn erst am Vorabend kennengelernt haben, zeigte er uns alles und schenkte uns sein Vertrauen. Was auch beeindruckend ist, das man einen ganzen Arbeitstag aufbringt, um uns als Gäste zu bewirten und uns alles zeigt.

Am Abend ging es zurück Richtung Täbris mit einem Abstecher nach Kandovan. Kandovan ist ein Felsendorf bei dem die Häuser in den Fels gegraben wurden. Das Dorf hat für die Gegend große historische Bedeutung und diente im Lauf der Zeit als Zufluchtsort. Es war sehr interessant das verwinkelte Dorf mit den verschieden Wohnungen zu erkunden

Zurück in Täbris, erwartete uns Hassan mit Familie und es ging in einen Park. Erst ging es typisch iranisch Essen und anschließend am See flanieren. Hier war gefühlt halb Täbris mit seinen über 2,5 Millionen Einwohnern unterwegs.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Hassan und fuhren Richtung Bahnhof. Unser Zug nach Teheran sollte erst am Abend gehen. Aber wir mussten unsere Räder separat in einem Güterzug verladen. Das wollten wir dann doch persönlich verfolgen. Dieser sollte auch erst 6 Stunden nach unserer Ankunft in Teheran sein. So hatten wir noch fast den ganzen Tag Zeit, um ein wenig Sightseeing in Täbris zu machen.

Unser Zug nach Teheran fuhr gegen 17.30 Uhr los und sollte planmäßig am nächsten morgen gegen 6 Uhr in Teheran ankommen. Da stand uns also eine 12 stündige Zugfahrt im Schlafwagen bevor. Die Hitze war selbst im Zug mit ein wenig Klimatisierung noch spürbar und wir schmolzen so ganz langsam dahin. Anfangs waren wir noch euphorisch, das wir in unserem 6er Abteil alleine sind. Nachdem Halt am ersten Bahnhof, waren wir dann zu 6, da kam Freude in den 5m² auf. Später wurden dann noch ein paar Leute auf nicht besetzte Abteile verteilt, sodass wir dann am Ende doch nur zu dritt waren. Die Fahrt im Zug war rustikal und heiß, aber dennoch konnten wir in unseren schmalen Bettchen ein wenig schlafen. Gegen halb 6 am Morgen sind wir in Teheran eingelaufen und waren doch ein wenig zerknittert. Es war bereits am frühen Morgen über 30°C in Teheran und zusammen mit dem Smog der Stadt, ein absoluter Genuss. Im nächsten Blogbeitrag erfahrt ihr dann was wir in Teheran so alles angestellt haben.

Armenien: Hitze, Berge und Zwangspause !!!

Nachdem wir ungewollt noch am späten Abend von Georgien nach Armenien über die Grenze eingefahren sind und hier in unserer ersten Nacht heftigen Regen hatten, empfing uns der nächste Morgen mit strahlenden Sonnenschein und vielen Kühen. Die umliegenden Bauern, trieben hier im Morgengrauen, die Kühe direkt an unserem Zelt vorbei. Das war ein wenig beängstigend, da durch die tief stehende Sonne, die Kühe als riesengroße Schatten an unserem Zelt vorbeimarschierten. Wir dachten jedenfalls hoffentlich rennt hier keine von den fast 50 Kühen durchs Zelt.

Nach kurzem Frühstück ging es dann auf einer geraden Straße auf dem Hochplateau auf ca. 2000m mit wunderschöner Landschaft unsere ersten Kilometer durch Armenien. Die Landschaft hier ähnelte natürlich sehr der von Georgien, wurde aber umso tiefer wir kamen deutlich karger und nicht mehr ganz so grün.

Um hier einzukaufen, brauchten wir natürlich Geld. So gings im ersten größeren Ort in die örtliche Bank, da wir noch unser Georgisches Geld umtauschen wollten. Wir waren natürlich zu früh dran und mussten noch ein wenig warten, bis die Bank öffnete. Wir zogen natürlich gleich alle Blicke auf uns und so dauerte es nicht lange, das die  anwesenden Bankangestellten sich um uns versammelten. Sie waren natürlich total begeistert von unserem Trip. Die Jungs wollten alles wissen, einer von ihnen sprach ein wenig Englisch und so konnten wir das ein oder andere verständlich erklären. Wir bekamen dann von ihnen sogar noch Obst und Früchte geschenkt und Sie bestanden darauf das wir das Bild mit ihnen auf unserem Blog hochladen. Jetzt erklären sich auch die vielen Website Aufrufe aus Armenien, sie warten schon !!!

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Die Jungs von der Acba-Credit-Agricole-Bank

Unsere Fahrt ging dann weiter, langsam bergab, jedoch mit viel Gegenwind. Das Wetter war kühl und angenehm. Wir mussten sogar Zeitweise die Jacken rausholen. Aber das mit dem Wetter sollte sich im späteren Verlauf unserer Fahrt durch Armenien noch ändern. Wir sind hier sogar mehrmals durch den Regen ordentlich nass geworden. Die Landschaft wurde immer karger und eintöniger. Jedoch sah man schon immer noch Berge am Horizont. Wir passierten viele kleine Ortschaften, welche in schlechtem Zustand waren. Überall um die Ortschaften lagen viele Autofracks sowie sahen die Häuser alle sehr baufällig aus. Unsere erste größere Stadt sollte Gjumri sein. Hier hatten wir auch unseren ersten Arzttermin. Da sich Franks Brücke von seinen Backenzähnen in Georgien gelöst hat. Wir waren ein wenig skeptisch, ob das alles so nach unserer Zufriedenheit erledigt wird. So probierte Frank sein Glück, an einem von außen recht ansprechenden Gebäude. Nach kurzer Absprache auf Englisch und Russisch, ging der Zahnarzt ans Werk. Der veranschlagte Preis für die Behandlung belief sich auf unglaubliche 6€. Der Zahnarzt erledigte seine Sache gut und nun kann Frank wieder schmerzfrei essen und trinken.

Die Stadt Gjumri war der totale Gegensatz zur ländlichen Gegend, durch die wir gefahren sind. Die Stadt war sehr aufgeräumt, sauber und bestand aus ansehnlichen Gebäuden und einem sehr netten Innenstadtbereich. Nach einer längeren Pause, fanden wir hier an einem nahegelegen kleinen Stausee einen netten Zeltplatz. Dort haben wir bereits gemerkt Armenien wird heiß. So hieß es am nächsten Morgen um 6 raus, damit wir bei kühlen Temperaturen Richtung der Hauptstadt starten konnten. Die Landschaft blieb weiterhin sehr karg und trocken und es wurde bereits ordentlich heiß im Verlaufe des Tages. Die letzten Kilometer in die Hauptstadt Yerivan nutzten wir die Autobahn, um so auf den direktesten weg in die Stadt zu kommen.

In Yerivan haben wir uns ein Hostel im Zentrum gesucht. Auf dem Platz der Republik befindet sich ein Wasserbecken mit Fontänen. Hier wird jeden Abend im Sommer eine Wassershow mit Musik abgehalten. Wir haben das ganze mehr durch Zufall mitbekommen und waren begeistert von der farbenfrohen Wassershow. Das ganze Becken war von mehreren hunderten Menschen gesäumt und es bot im dunkeln eine tolle Atmosphäre.

Anschließend haben wir uns ins Nachtleben gestürzt. Wir haben ein Underground Rock Konzert besucht und die ein oder andere Bar abgeklappert 🙂 Wir waren insgesamt drei Tage in Yerivan und haben uns die Stadt auch bei Tag angeschaut und natürlich ein wenig entspannt. Die Stadt wirkte auf uns sehr modern mit vielen Grünflächen, Parks und natürlich vielen jungen Menschen. Stellenweise erinnerte es uns ein wenig an Budapest. In Yerivan lernten wir auch das erstemal die Hitze kennen, die uns demnächst verfolgen wird. Wir hatten hier tagsüber bis zu 40 °C. So wundert es uns nicht, dass man die meisten Menschen erst in den Abendstunden draußen sieht.

Am 18.7. sind wir dann in den frühen Morgenstunden gegen 6.30 Uhr in Yerivan aufgebrochen, um der Hitze zu entgehen. Wir konnten aus Yerivan heraus die wenig befahrene Autobahn nutzen. Imposant war auch den höchsten Berg der Türkei den 5137m hohen Ararat in ständiger Sichtweite zu haben. Aufgrund des diesigen Wetters kommt er auf den Fotos leider nicht so gut rüber. Der Straße folgten wir ca. 65 km bis wir dann gegen Mittag in die Berge kamen. Wir fuhren hier in Sichtweite der Grenze der autonomen Republik Nachitschewan die zu Aserbaidschan gehört. Hier sahen wir auf den Bergrücken viele kleine Schützengräben, MG- und Flak Posten. Solange man die Hauptstraße nicht verlässt, ist man in Sicherheit. Das Militär ist in Armenien überall sehr präsent.

Nachdem die Berge kamen, unterschätzen wir die brutale Hitze doch ein wenig und nach einem kurzen Melonen Einkauf, stoppten wir wenige Kilometer weiter unter einem kleinen Blechdach. Die Luft ist sehr trocken so das man bereits nach kurzer Zeit das Gefühl hat, einen Staubtrockenen Mund zu haben. So haben wir hier pausiert und uns dann einige Stunden später aufgemacht den Pass zu erklimmen. Zum Glück kam ein sehr langsamer LKW, bei dem wir uns an der Ladefläche für ca. 15km festhalten konnten. Als der Fahrer stoppte fand er das gar nicht so lustig und jetzt wusste er auch warum ihm alle überholenden Fahrzeuge zu hupten. Die letzten Meter des Passes bewältigten wir dann selbst und hier zogen glücklicherweise Wolken auf und die Temperaturen sanken ein wenig. Auf unserer Karte entdeckten wir in der Nähe des Ortes Zangakatun, einen kleinen See den wir ansteuerten. Während wir unser Zelt aufbauten, kam auch ein Hirte mit seiner Herde Ziegen vorbei und trieb Sie zurück ins Dorf. In Armeneinen wird viel Viehzucht betrieben und die Menschen treiben ihre Tiere jeden Morgen auf die Weiden in die Berge hinauf. Am späten Abend, besuchte uns ein Bauer mit zwei Flaschen in der Hand. Patrick befürchtete schon das wir jetzt wohl hoffentlich kein Wodka trinken müssen. Der nette ältere Herr sprach sogar ein wenig Deutsch und brachte uns Trinkwasser vorbei. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihm und bedankten uns für diese tolle Geste. Anschließend ging es früh ins Bett, um halb sechs geht’s dann ja schon wieder raus. Am nächsten Morgen sind wir gegen halb sieben gestartet und hatten von unserem Zeltplatz der auf ca. 1800m lag, eine ca. 15 km lange Abfahrt mit einem tollen Sonnenaufgang und grandioser Aussicht. Bereits nach unseren zweiten Frühstück um halb neun war es furchtbar heiß. Wir fuhren dann noch ca. bis 11 Uhr und machten dann Mittagspause.

Da uns ein weiterer Pass bevorstand der bis auf 2300m hochgeht, versuchten wir unser Glück per Anhalter mitzufahren. Nach einiger Zeit hielt hier ein alter Gaz-53 LKW an und wir durften mit den Jungs auf der Ladefläche mitfahren. Die Fahrt war sehr holprig und wir flogen ziemlich umher auf der Ladefläche. Wir mussten auch mehrmals bergauf stoppen, da der Motor bei den Temperaturen einfach zu heiß gelaufen ist. Hier wurde einfach ein Eimer Wasser in die Kühlerschlitze geschüttet und die Motorhaube geöffnet. Unterwegs haben wir noch eine Schweizer Familie eingesammelt, die wir bereits mehrere Kilometer vorher getroffen haben. Die drei waren sichtlich froh, da Sie sich ein paar Höhenmeter sparen konnten. Kurz vor dem Pass ca. 5 km, mussten wir dann alle absteigen. Die Jungs fuhren auf ein Feld, um dort Heu zu Laden. Wir waren jedenfalls sehr dankbar, das wir uns die fast 1000 hm bei den Temperaturen sparen konnten. Die letzten Meter auf den Pass hoch, hatten wir dann wieder ordentlich Gegenwind und es ging ziemlich steil hinauf auf die 2300m. Die Temperaturen waren hier auch wieder erträglich und kühl. Bei einer kurzen Pause auf dem Pass, wo wir unsere Wasserflaschen an einer Quelle vollmachten lernten wir Hasan aus Täbris im Iran kennen. Dieser gab uns sofort seine Handynummer und wir sollten ihn doch unbedingt anrufen, wenn wir in Täbris/Iran sind. Dies Hilfsbereitschaft haben wir schon mehrfach von den Iranern kennengelernt, die wir getroffen haben. So haben wir zusammen schon über 10 Telefonnummern gesammelt. Wir sind daher schon ziemlich gespannt, was uns im Iran erwartet.

Nach einer kurzen Abfahrt, fanden wir einen grandiosen Zeltplatz an einem großen See auf 2200 m. Wir Zelteten hier auf einer kleinen Landzunge und hatten einen unglaublichen Ausblick auf die Berge ringsherum.

 

Am nächsten Morgen gings es wieder gegen 6 Uhr los und unser Ziel sollte die Stadt Goris sein. Da Goris deutlich tiefer lag haben wir gehofft eventuell einen entspannten Tag zu haben. Allerdings falsch gedacht. Ständiges bergauf und -ab, mit heftigem Gegenwind, der uns nur sehr wenig vorankommen ließ. Die Landschaft hier in diesem Teil wurde auch wieder ein wenig grüner und wir waren von Bergen umgeben, die um 3000 – 4000m hoch waren. So hatten wir zu mindestens landschaftlich ordentlich was zu genießen. Auf den letzten Paar Kilometern nach Goris ging es dann auch ordentlich bergab und so konnten wir uns zum Ende hin ein wenig erholen. Kurz vor Goris knackten wir dann auch unsere 5000km Marke. Es ist schon unglaublich für uns, wie weit wir gekommen sind und das wir die ganze Strecke von Deutschland mit dem Fahrrad bewältigt haben. Wir sind nun seit über 3 Monaten unterwegs und Stolz darauf. Wir hoffen das wir unsere Reise weiterhin mit viele Positiven Erlebnissen fortsetzen können.

 

In Goris war der Plan einen Tag Pause zu machen, da sich Patrick nicht besonders fühlte. Hier besuchten wir das berühmte Kloster von Tatev auf einem abgeschieden Berg. Ein besonderes Highlight ist hier die Fahrt mit der längsten frei hängenden Seilbahn der Welt. Die direkt neben dem Kloster ankommt. Das Kloster ist ein besonders wichtiger Ort für die Armenische Geschichte und war in seiner Blütezeit ein Zentrum für Wissenschaft und Religion. Es beteht bereits seit ca. 900 n.Chr.. Anschließend besuchten wir noch ein Höhlensystem mit heißen Quellen. Man musste sich hier an einem Strick nach unten Abseilen und sich durch Felsen und kleine heißere Quellen den Weg nach innen erklettern. In Deutschland wäre die Sache mit Sicherheit so nicht zugelassen, aber wir sind ja nicht zuhause. Viele Bilder sind hier leider nicht entstanden, aufgrund der Kletterei im Wasser, war uns unsere Kamera dann doch zu wertvoll.

Patrick ging es zunehmend schlechter, er hatte heftigen Durchfall und lag mehrere Tage im Bett. Wir tippen hier auf eine Art Magen Darm Virus. Im Hotel in Goris wurde er hier von Hotelbesitzerin mit Hausmitteln, Kohletabletten und viel Bettruhe gepflegt. So verbrachten wir 7 Tage in Goris. Nach einigen Tagen besserte sich sein Zustand ein wenig. Und wir probierten unser Glück bis nach Kapan die nächst größere Stadt zu kommen. Patrick bekam hier allerdings unterwegs einen Rückfall und so versuchten wir auf der Straße einen LKW anzuhalten, der uns mitnimmt. Keine Chance aber zum Schluß nahm Patrick dann ein netter Lada Fahrer mit auf den Pass. Fahrrad und Gepäck wurde im offenen Kofferaum verstaut und so konnte Patrick erstmal den sehr langen Anstieg der vor uns lag umgehen. Frank radelte infolgedessen alleine hinterher und wir sagten uns wir finden uns schon, spätestens in Kapan. Kurz vor dem letzten Pass vor Kapan war ein kleiner Parkplatz bis wohin sich Patrick dann noch gekämpft hat und dort haben wir uns dann auch wieder getroffen. Ab dem Pass ging es nur noch Bergab nach Kapan, die Landeshauptstadt des Kreises Sjunik. Wir wollten nun so lange warten bis sich Patricks Zustand verbesserte, weil alles andere keinen Sinn macht. Vorallem weil uns dann ein weiterer Pass auf ca. 2600m Richtung Iran bevorstand. Auf unserem Weg nach Kapan fuhren wir entlang der Grenze zu Bergkarabach, welches durch den gleichnamigen Konflikt immer wieder für Aufmerksamkeit sorgt. Es geht hier hauptsächlich um die Unabhängikeit der Republik Bergkarabach. Die Konflikt gipfelte in einem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan anfang der 1990er Jahre. Der Konflikt ist aber bis Heute noch ungelöst und so finden hier immer wieder Gefechte statt. Aber keine Angst wir begeben uns hier in keine Lebensgefahr, solange mann auf den Hauptrouten bleibt sollte hier keine Gefahr bestehen.

Wir haben zwar  Armenien noch nicht ganz verlassen und wenn alles gut läuft werden wir morgen am 30.7. starten und haben so noch 2 Tage bis in den Iran vor uns. Aufgrund unseres längeren Aufenthalts in Armenien, haben wir einen guten Einblick in das Land bekommen. Es ist sehr sowjetisch geprägt, angefangen von der Atmosphäre in den Städten, bis hin zu den Gebäuden und den alten Fahrzeugen auf den Straßen. Die Leute waren uns gegenüber sehr hilfsbereit und wir können hier an sich keine negative Erfahrung  teilen. Armenien hat landschaftlich ähnlich viel zu bieten wie Georgien, nur hat uns hier häufig ein wenig das Grün gefehlt. Liegt aber vielleicht auch an der Lage von Armenien, da es hier sehr heiß und trocken ist. Noch ein interesanter Fakt der das Radeln in Armenien so interesant macht, ist die mittlere höhe des Landes die bei 1800m liegt. Und wir können das bestätigen. Entweder es geht steil bergauf oder bergab, dazwischen hatten wir selten, außer in der Region um Yerivan.

Nun sind wir gespannt auf den Iran und freuen uns auf ein neues Land mit neuen Menschen. Bis dahin liebe Leser genießt den Sommer in Deutschland und vielleicht könnt ihr uns ein bisschen Regen von Zuhause übersenden 🙂

Georgien das Land der Wölfe und Berge unsere neue Nr. 1

Mit unserem Iran Visa in der Tasche ging es für uns von Trabzon in 2 Tagen nach Batumi/Georgien. Das waren ca. 200km die wir ganz entspannt an der Küste ohne größere Anstiege bewältigt haben.

Die Georgische Grenze kündigte sich bereits durch einen Kilometerlangen LKW Stau an. Als wir dann direkt an der Grenze aus dem Tunnel Bogen war hier ein ziemlicher großer Auflauf an Menschen, Autos und LKWs. Wir umgingen die Personengrenzkontrolle und reihten uns bei den Autos ein und drängelten uns natürlich gleich mal vor. Die ganze Grenzanlage war ziemlich groß und wir mussten mehrmals unsere Personalausweise mit dem Einreisepapier für die Türkei vorzeigen. Dann gings zur Georgischen Seite hier wurden wir auch mehrmals gecheckt, bevor wir dann unsere Reisepässe dem Grenzbeamten vorlegen durften. Der Georgische Grenzbeamte begrüßte uns mit Guten Tag und fragte schmunzelnd nach, ob wir denn auch einen Fahrzeugschein für unser Fahrrad haben. Die ganze Prozedur mit dem Grenzübergang hat uns ca. 45min gekostet, aber naja wir haben ja Zeit.

Das erste was uns nach der Grenze sofort ins Auge gestochen ist, war eine Christliche Kirche die in unmittelbarer Nähe stand. Und so waren wir froh die muslimisch geprägte Türkei endlich verlassen zu haben.

Die Fahrt nach Batumi war wenig spektakulär, aber dennoch haben wir sofort gemerkt das wir in einem anderem Land sind. Vielleicht auch deshalb da Georgien sowjetisch geprägt ist. Auf Empfehlung von Alejandro und Zuzia die wir in Trabzon kennengelernt haben, sind wir im Freedom Hostel untergekommen. Ein sehr nettes Hostel welches von 2 Polen geführt wird und das eine sehr entspannte Atmosphäre bot. Hier gab es einen großen Schlafsaal mit 12 Betten in gemütlich rustikalem Ambiente. Wir waren hier mit 2 Iranern aus Tehran, 2 Türken aus Istanbul und 4 russischen Mädels untergebracht. In Batumi haben wir insgesamt 3 Tage verbracht, obwohl wir nur 2 Nächte bleiben wollten. Die Stadt an sich war für uns nicht besonders reizvoll. Wir haben hauptsächlich mit den Leuten aus dem Hostel rumgehangen und abends das eine oder andere Bier getrunken. Am letzten Abend sind wir dann von Tomak einem der Hostel Besitzer mit in ein Bier Lokal eingeladen worden und hatten dort mit einer Reisegruppe aus Polen einen netten Abend, mit Polnischen und Georgischen Volksliedern.

Nach dem uns Vitali, der Koch des Hostels noch ein exklusives Frühstück zubereitet hat, ging es gegen Mittag los Richtung Goderdzi Pass. Die Fahrt aus Batumi war anstrengend durch den vielen Qualm, Dreck und Gestank der Autos. Abgasuntersuchung gibt es hier anscheinend nicht und aus jedem Auto kommt ordentlich schwarzer Qualm. Als wir das dann hinter uns hatten, ging es so langsam in die Bergwelt von Georgien. Nach ca. 1,5h Fahrt, haben wir in einem Restaurant an der Straße erst mal Mittag gemacht. Nachdem wir Essen bestellt hatten, wurde uns gleich der Hauswein auf den Tisch gestellt. Wir haben schon im Hostel erfahren, das die Georgier ein sehr trinkfestes Volk sind. Und Sie sind vor allem für ihren Wein, Chacha (Vodka) und für ihr Essen bekannt. Wir konnten ja auch nicht so richtig nein sagen und so gab es zum Mittag einen Wein. Leicht beschwipst ging es dann immer weiter bergauf. Wir wollen ja auf den Goderdzi Pass der auf 2028m liegt. Die Steigung entlang des Flußes war sehr angenehm und für uns zum reinkommen ideal. Auf dem Weg passierten wir noch eine alte Steinbrücke von denen es hier einige gibt. Hier war ein ziemlich großer Besucher Andrang, um die ca. 1500 Jahre alte Brücke zu bestaunen. Unsere Weg führte weiterhin entlang des Flußes und bei einer kleinen Pause am Straßenrand fuhr uns auf einmal Luke aus England, den wir bereits in Trabzon bei Polat kennengelernt haben über den Weg. So beschlossen wir die nächsten Tage zusammen in Angriff zu nehmen, da Luke ein ähnliche Route vorhatte. Unser eigentliches Tagesziel Chulo verfehlten wir ein wenig, da wir uns doch noch nicht so fit fühlten, woran das nur lag. 🙂 In Flußnähe bauten wir hier unser Zeltlager auf und ein großes Lagerfeuer war natürlich ein muss, sodass wir auch nicht übersehen werden. In Batumi erfuhren wir dann auch von den Wölfen die in Georgien leben. Frank und Luke hatten natürlich das Glück in der Nacht auch einen Wolf heulen zu hören. Wie weit der Wolf nun weg war konnten wir schlecht einschätzen. Es war jedoch recht laut und definitiv beängstigend. Aber wir haben die Nacht ja unbeschadet überstanden und leben noch. Normalerweise ist der Wolf ja ein menschenscheues Tier. Am nächsten morgen führte uns die Straße immer weiter nach oben und die Berglandschaft wurde immer imposanter. Wir hatten nun auch endlich Sonnenschein, sodass wir auch die Aussicht genießen konnten. Und wir haben uns hier bereits in Georgien verliebt.

Die Straße Richtung Chulo wurde deutlich schlechter und es gab hier bereits teilweise Schotter Passagen. Aber wir wussten nach Chulo gibt’s nur noch Schotter. Chulo die letzte größere Stadt vor dem Pass, mit eigener Seilbahn und Markt direkt auf der Straße. Wir hatten mächtig Hunger und so gab es traditionelle georgische Küche.

Nachdem Mittag ging es dann auf knallharten Schotterpisten bis auf den Goderdzi Pass auf 2028m. Es ist unglaublich mit welchen Autos und mit welcher Geschwindigkeit die Autos über die Schotterpisten bewegt werden. Hier geht’s durch Wasserdurchfahrten riesige Schlaglöcher auf den Pass nach oben. Die Straße ist nicht irgendeine Abkürzung oder Schleichweg, es ist eine richtige offizielle Straße sogar teilweise mit Leitplanke. Wie wir in Batumi bereits erklärt bekommen haben, ist der Teil in dem wir uns befinden muslimisch und so stehen hier mitten in den kleinen Bergdörfern Moscheen. Ein bizaress Bild für uns, positiv war allerdings das wir keinen Muezzin Gesang hörten. Auf der Straße fuhren nicht nur PKWs sondern auch ein viele LKW, besonders viele alte Sowjet Fahrzeuge. Die wirbelten natürlich ordentlich Staub auf. Aber nichtsdestotrotz trotzdem waren wir der Blickfang auf dem Weg nach oben. Uns wurde viel zugerufen, gewunken, gehupt und die Menschen waren schlichtweg begeistert, wie wir uns da so hoch kämpften. Auf dem Pass angekommen, sind wir gegen 19.00 Uhr und hier begann es bereits ziemlich kalt zu werden. Da bot es sich doch an das Hotel auf dem Pass zu nutzen. Wir haben hier für ein Dreibett Zimmer mit Frühstück, zusammen 40 Lahri bezahlt was ca. 15€ sind. Das nennen wir dann doch mal preiswert. Beim Abendbrot im Hotel haben wir noch Elke und Günther kennengelernt. Wie es der Zufall so will kamen die beiden aus Sachsenanhalt, nähe Naumburg. Günther hat schon mehre Motorrad Touren durch Georgien unternommen und hat hier viele Freunde und kommt jedes Jahr her, um das Land zu erkunden. Diesmal mit seiner Frau Elke. So hatten wir einen entspannten Abend mit den beiden und konnten uns interessante Reisegeschichten anhören.

Am nächsten morgen hatten wir bestes Bergwetter, mit toller Aussicht. Bestens geeignet für unsere ruppige Abfahrt. Natürlich über die Schotterpiste. Wir trafen auf der Abfahrt noch ein Pärchen aus Kasachstan, die auch eine kleine Radreise machen. So hielten wir hier noch einen kleinen Plausch und verabschiedeten uns auch von Luke, da er bergab mit seinem Equipment nicht so schnell fahren konnte wie wir. Wir haben die Zeit zusammen mit Luke sehr genossen, aber leider haben wir nach dem Pass eine andere Richtung eingeschlagen.

Die Schotterpiste hinunter auf die andere Seite war nicht ganz so lang aber dennoch genau so kaputt gefahren. Wir haben uns dann auch auf den letzten Metern ein kleines Rennen mit einem Transporter geliefert, der 3 Kühe auf der Ladefläche hatte. Der Transporter hat es ganz schön stehen lassen und die Kühe wurden ordentlich umher geschleudert, aber er hat uns abgehangen.

Als wir dann im Tal angekommen waren, bot sich auf der Seite von wo wir gekommen sind, das gleich grüne Bild. Dagegen auf der anderen Seite, war die Landschaft sehr karg und nicht mehr ganz so grün. Wir haben dann in Achalziche zum Essen gestoppt und anschließend noch die Burg der Stadt ein wenig besichtigt. Danach suchten wir uns an einem in der Stadt befindlichen See, ein nettes Plätzchen zum campen. Wie sich später am Abend herausstellen sollte, war das die Flaniermeile der Stadt. Ähnlich vielleicht dem Burgsee in Bad Salzungen. So zogen wir natürlich alle Aufmerksamkeit auf uns und es dauerte nicht lange da haben sich gleich ein paar Jungs zu uns gesellt und wir durften/mussten mit ihnen Bier trinken. Mit Franks wenigen Russisch Kenntnissen und ein wenig Englisch, was die Jungs drauf hatten, haben wir uns so halb verstanden.

Am nächsten Morgen war unser Tagesziel Achalkalaki, die Stadt liegt auf ca. 1700m und so ging es wieder schön bergauf, wenn auch recht human. Da wir auf ca. 1000m in Achalkalaki gestartet sind. Unsere Fahrt ging durch eine wunderschöne Landschaft mit toller Aussicht und wir haben beide beschlossen Georgien müssen wir nochmal bereisen. Auf unserem Weg passierten wir auch eine sehr schöne Burg, von denen es in Georgien viele gibt. Zum besuchen hatten wir leider nicht mehr genug Zeit, da durch den heftigen Gegenwind wir in Zeitverzug waren. In Achalkalaki angekommen, suchten wir nach einer Möglichkeit zum Campen. Bevor wir uns versahen stürmte ein älterer Herr auf uns zu und fragte auf gebrochenen Deutsch wo wir herkommen. Als er erfuhr das wir wirklich Deutsche sind, lud er uns gleich zu sich nach Hause ein. Wir haben hier nicht lange überlegt und gleich eingewilligt. Spartak, so hieß der nette alte Herr bestand noch darauf, das wir noch Bier kaufen und dann gings in sein Haus. Als wir dann den Wohnbereich sahen, waren wir schon ein wenig geschockt, da alles sehr heruntergekommen aussah und muffig roch. Aber naja wir waren ziemlich müde vom Tag und waren erstmal froh eine Bleibe gefunden zu haben. Wir haben dann zusammen mit Spartak noch Abendessen gekocht und er hat uns mit seinem Deutsch was er aus Schulzeiten noch konnte, ein wenig aus seinem Leben erzählt. Er hatte sehr viele DDR Bücher und Zeitschriften in seinem Haus, die er uns zeigte. Er pflegte auch viele Briefkontakte mit Damen aus der ehemaligen DDR und meinte er hätte auch eine aus Eisenach gehabt. Den Brief fand er dann aber nicht in seiner großen Briefkiste. Die Übernachtung bei Spartak war definitiv ein Erlebnis für uns beide und die Nacht werden wir so schnell nicht vergessen.

Am nächsten Morgen haben wir uns herzlich bei ihm bedankt und uns in Richtung Armenische Grenze aufgemacht, welche unser Tagesziel sein sollte. Wir hatten hier leider die Rechnung ohne den heftigen Gegenwind gemacht. Wir sind auf einer Art Hochplateau auf 1800m unterwegs gewesen und hier ging der Wind richtig stark. Wir kamen mit ca. 8-10 Km/h voran, da kommt definitiv Freude auf!!! Die Straße ging eigentlich immer nur gerade aus und so fühlten wir uns als ginge es einfach nicht vorwärts. Als Entschädigung hatten wir aber die grandiose Landschaft Georgiens mit seiner unglaublichen Weite und Schönheit vor uns. Nachdem wir für 20km fast 2h gebraucht haben und sichtlich geschafft waren, machten wir in Ninizminda Mittag. Hier haben wir in einem kleinen Restaurant alles an die Steckdosen gehangen was Strom braucht und auch mal mit der Heimat Verbindung aufgenommen. Dann bekamen wir die Nachricht, das Patricks Perso noch auf dem Pass im Hotel liegt. Aber 150 km zurück wollten wir ja auch nicht. Vielleicht findet er auf dem Postweg zurück nach Deutschland. Wichtiger sind unsere Reisepässe :-)!

Nachdem Essen war unser Ziel ein See kurz vor der Armenischen Grenze. Der Weg dorthin war natürlich von Gegenwind und recht kalten Temperaturen geprägt. Der See liegt auf ca. 2100 m und da war es dann schon ein wenig frisch. Die Zeltplatzsuche stellte sich hier auch durchaus schwierig da, als uns ein junger Mann im Auto zu verstehen gab es gebe eine Art Hotel am Ende des Sees und zelten wäre nicht so empfehlenswert da ja hier auch Wölfe unterwegs sind. Leicht verunsichert fragten wir bei dem Hotel nach aber hier wollte man uns nicht so richtig weiterhelfen. Und so beschlossen wir die 5 km zur Armenischen Grenze zu fahren und hier unser Glück zu versuchen. Nachdem die Grenzstation auf über 2100m mitten im nirgendwo auftauchte war es bereits 19.00Uhr und so langsam mussten wir auch mal einen Schlafplatz finden. Die Grenzübergang nach Armenien ging zügig und unspektakulär von statten. Waren wir ja auch die ein zigsten zusammen mit 2 Autos aus Russland. Kurz nach der Grenze in Armenien gab es gleich die Ortschaft Bavra. Wir wurden hier wahrscheinlich vom Dorfpolizisten und seinem Gehilfen auf eine Art alte Baracke aufmerksam gemacht. Wir entschieden uns aber lieber zu Zelten, da der Boden in der Baracke mit Glasscherben und Müll bedeckt war.

So haben wir nun Georgien in 5 Fahrtagen durchquert und es hat uns einfach umgehauen. In Batumi haben wir durch einen Reiseguide der Touren für Besucher organisiert einen kleinen Einblick in die Georgische Kultur bekommen und haben so viel über das Land und Menschen gelernt. Die Georgier lieben es zu Trinken und zu Essen und die Georgische Küche wurde nicht umsonst die „Haute Cousine“ der ehmaligen Sovjet Union genannt. Wir haben in unserer kurzen Zeit in Georgien nicht alles probieren können, aber was wir auf den Tisch bekamen war sehr sehr gut. Ebenso die Menschen die wir getroffen haben, waren sehr herzlich, offen und alle sehr verliebt in ihr Georgien. Was wir absolut bestätigen können. Georgien ist wunderschön, vor allem landschaftlich durch die unglaublich imposante und unberührte Bergwelt, gepaart mit den vielen Historischen Burgen aus dem Mittelalter. Dies macht den Flair des Landes aus. Für uns war Georgien bei unserer Reiseplanung nur ein Transitland, aber was wir dann in Realität gesehen haben, hat uns absolut umgehauen. Und wir haben uns beide geschworen zurückzukommen, um dieses wundervolle Land weiter zu erkunden. Georgien ist touristisch wenig erschlossen und für einen normalen All Inklusive Hotel Urlauber vielleicht ein wenig ungeeignet, da es vielleicht einfach zu rustikal ist. Wer ein Land mit unberührter Natur und ausgezeichneter Küche besuchen will, bei dem sollte Georgien ganz oben auf der Liste stehen. Wie wir von Günther und Elke erfahren haben gibt es Flüge von Berlin nach Georgien für 60 €. Georgien ist sehr günstig zu bereisen, alles ist deutlich billiger als bei uns zuhause. Es ist natürlich vom Standard her nicht mit Deutschland zu vergleichen, aber gerade das hat für uns den Reiz ausgemacht. Und es trifft genau den Punkt unserer Reise, sich auf die einfachen Dinge zu beschränken.Wir sind bereits in Eriwan der Hauptstadt von Armenien wo dieser Blogbeitrag entsteht und wir hier eine kleine Pause einlegen.

Auf diesem Weg möchten wir auch alle eifrigen Leser aus der Heimat grüßen, die unsere Reise hier auf der Website verfolgen. Wir sind begeistert das unser Trip einen so positiven Anklang findet und halten euch natürlich mit Infos über unsere weitere Reise auf dem laufenden.

Türkei – ein Resumee

Wir waren nun über einen Monat in der Türkei, solange wie in noch keinem anderen Land. An dieser Stelle wollen ein kurzes Resümee aus unserer Sicht über die Türkei geben. Wir haben hier einen sehr guten Einblick in das alltägliche Leben, die Gastfreundschaft, aber auch die Probleme des Landes bekommen. Natürlich hat uns von beginn an, die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Türken begeistert. Die wir seit dem Start unserer Reise das erste mal hier live erlebt haben. Die Menschen sind alle sehr freundlich, ehrlich und wollen natürlich immer wissen, woher wir kommen und wohin unser Weg führen soll. Für die Türken ist das Fahrrad nicht unbedingt das, was es für uns Deutsche ist. Wir haben relativ wenig Radfahrer angetroffen. Fahrräder sieht man recht selten, hauptsächlich in Touristenorten, wo Sie zum Verleih angeboten werden. Es liegt vielleicht auch daran, das kaum Radwege existieren und der Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich ist.

In der Türkei dreht sich beim Thema Transport oder Fortbewegung alles ums Auto. Unser Warmshowers Host Berk in Eregli, fand dafür unserer Meinung den perfekten Begriff „Petrol Addicted“ zu Deutsch Treibstoff abhängig. In jeder Stadt gibt es unzählige Autowerkstätten und Ersatzteilshops usw. und so finden wir, das der Türke sein Auto noch ein bisschen mehr liebt, als es der Deutsche es tut. Der Großteil des Personentransports geht über Busse, die wie schon im vorigen Blogbeitrag erwähnt, einfach überall zu wirklich günstigen Preisen hinfahren. Das Schienennetz ist in der Türkei nicht besonders gut ausgebaut, was auch der Topographie geschuldet ist.

Die Landschaft der Türkei speziell an der Schwarzmeer Küste, hat uns total begeistert und wir empfehlen jedem mal ein Abstecher dorthin zu machen. Die kleineren Orte direkt an der Küste sind eine Reise wert und man meint fast zu glauben, die Zeit ist hier ein wenig stehengeblieben.

Allerdings haben wir vor allem in den ländlichen Gegenden, ein großes Problem erkannt. Müll der einfach überall rumliegt und der auch einfach nicht weggeräumt wird. Die Menschen sind so freundlich und die Landschaft wirklich großartig, da ist es für uns einfach unverständlich das damit so schlecht umgegangen wird. Aber wir haben dazu vielleicht auch ein anderes Bewusstsein. Wir haben die selbe Problematik in Serbien, Rumänien und Bulgarien beobachtet. Allerdings war es für uns in der Türkei am größten. In größeren Städten sieht es schon besser aus, speziell in den Touristenorten, diese vergleichbar mit deutschen Städten sind.

Wir haben hier wie schon mehrfach erwähnt viele Menschen getroffen, die Deutsch sprechen und in Deutschland gearbeitet haben. Dagegen haben wir sehr wenige Menschen getroffen, die Englisch sprechen. Durch unsere Warmshowers Kontakte haben wir so auch einen tieferen Einblick in die Gesellschaft bekommen. Hier ist die Meinung doch ziemlich gespalten, wie wir finden. Alle unsere Warmshowers Host würden die Türkei verlassen und sich gerne woanders niederlassen. Sie sind durch die wirtschaftliche und politische Situation einfach unzufrieden. Sie alle haben eine westliche Denkweise und waren nicht religiös. Allerdings ist diese Gruppe noch in der Minderheit, da der Großteil der Gesellschaft stark mit dem Islam verbunden ist. Durch die Durchquerung der Türkei von West nach Ost, haben wir so einen guten Einblick bekommen und auch festgestellt, das je weiter östlich man kommt, alles ein wenig konservativer wird. Die Religion spielt hier eine zentrale Rolle und ist nicht wie bei uns eine Religion, sondern eher eine Gesellschaftsform. Man wird quasi indirekt gezwungen sich anzupassen, um in der Gesellschaft existieren zu können. Für uns als Touristen ist das natürlich anders, da wir jederzeit weiterreisen können. Doch für viele junge Türken ist das genau das Problem, sich in der Gesellschaft integrieren zu müssen und nicht frei entfalten zu können. Das die Türkei zur Zeit aufgrund ihrer politischen Lage ein wenig im Fokus steht, ist wohl jedem bekannt. Wir wollen hier nicht tiefer auf die Politik der Türkei eingehen, jedoch wurden wir aber auch des öfteren von den Leuten auf den Konflikt zwischen Frau Merkel und Herrn Erdogan angesprochen und was wir davon so halten. Wir finden hier auch, dass durch die ganze Medienberichterstattung vieles verzehrt dargestellt wird und so die Gemüter künstlich erhitzt werden.

Wenn es aber jemanden in der Türkei gibt, auf den die große Mehrheit stolz ist, dann ist es Kemal Atatürk. Er hat 1923 die Türkische Republik ausgerufen und ist für die Türken bis heute ein Volksheld. In nahezu jedem Dorf oder jeder Stadt, gibt es hier eine Gedenktafel. Sowohl auf Autos findet sich die Signatur. Ins deutsche übersetzt bedeutet Atatürk „Vater der Türken“.

Viele haben uns vor unserer Reise gesagt, seid vorsichtig in der Türkei. Aber wir haben keine negative Erfahrung gemacht und fühlen uns in unserer Sichtweise bestätigt, das man sich erst mal ein eigenes Bild von der Sache machen soll, anstatt z.B. den Medien oder Geschichten glauben zu schenken. Wir haben unseren Aufenthalt in der Türkei genossen und würden jederzeit wieder hinfahren.