Berg- und Talfahrt am Schwarzen Meer

Nach nun geschlagen 12 Tagen ohne Fahrpause, melden wir uns jetzt aus Samsun am Schwarzen Meer. Wir haben nach dem Start in Istanbul am 9.6.2017, ca. 1100 km und über 14000 hm hinter uns gebracht. Das Höhenprofil von Istanbul nach Samsun war schlichtweg der Wahnsinn. Von unserer Vorbereitung wussten wir es wird bergig, aber wie das bergig dann in der Praxis aussieht, hätten wir uns so nicht vorgestellt. Aber dazu im Verlauf des Blogbeitrages mehr.

Für den ersten Fahrtag war unser Ziel das Schwarze Meer, welches wir auch relativ schnell und entspannt geschafft haben. Wir haben ein nettes Plätzchen am Strand zum zelten gefunden. Der Weg dahin war allerdings von dem Regenfällen der Vortage ziemlich aufgeweicht und so drehte sich bei besten Lehmboden irgendwann kein Rad mehr. Aber zum Glück waren wir dann schon unten. Auch wenn das Wetter nicht so toll war, zelten am Meer fetzt.

Der nächste Tag begann mit Regen und sollte unser erster richtiger Regentag werden. Unser Weg führte von der Küste weiter ins Inland, wo es deutlich bergiger wurde. An diesem Tag knackten wir an einem der vielen Anstiege unsere 3000 km Marke. Der Tag war nicht nur vom Regen geprägt, sondern von vielen Hundeattacken. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, in denen die Hunde meist direkt auf der Straße oder in den Höfen liegen. Meist verfolgten uns 4 bis 5 Hunde und alle mit der Größe von Schäferhunden oder größer. Wir haben hier schon mit Stöcken oder lautem Brüllen versucht Sie einzuschüchtern. Es half meistens einfach nur wild zu pedalieren. Nach diesem Tag waren wir abends ziemlich geknickt und eingeschüchtert, da wir uns schon ausmalten was wäre wenn einer beißt. Als wir Tage später bei unserem Warmshowers Host Ramazan waren, gab er uns den Tipp stehen zu bleiben und nicht davon zu fahren. Natürlich haben wir es dann auch ausprobiert und siehe da es klappt! Haben wir also wieder was gelernt.

Am nächsten Morgen ging es früh los, denn unser Ziel sollte wieder das Schwarze Meer sein. Der Tag an sich verlief sehr gut, die Regenwolken verabschiedeten sich leider und die Sonne brannte wieder ziemlich heftig. Die Menschen sind überall super freundlich und jeder möchte wissen woher wir kommen und wohin wir wollen. Und das erstaunlichste ist für uns, das wir mehr Leute treffen die deutsch sprechen als englisch. Viele Türken haben in Deutschland gearbeitet und können daher sehr gut deutsch. Sie fragen gleich ob wir Hilfe brauchen und wo wir herkommen. So kommen wir immer sehr leicht ins Gespräch mit den Menschen und sind begeistert von der Offenheit gegenüber uns Fremden.

Am Abend sind wir dann in Karasu am Schwarzen Meer angekommen. Die Hauptstraße verlief direkt am Strand und so fragten wir bei Leuten, die eine Art Gartenhütte in Strandnähe hatten, ob wir unser Zelt aufstellen können. Zelten ist hier kein Problem. Normalerweise ist ja bis zum 24.6. noch Ramadan/Fastenzeit in der Türkei und tagsüber ist essen und trinken sowie Alkohol strikt der Religion nach nicht erlaubt. Wir sehen relativ viele Menschen, die das nicht strikt befolgen. Vor allem in größeren Städten. In kleineren Ortschaften wird das allerdings strenger gehalten und hier ist nix mit essen oder einkaufen. Was wir bereits am eigenen Leib spürten, als wir mit mächtig Hunger am Morgen in einem kleinen Dorf Halt machten. Viele sagen uns, je weiter wir in den Osten der Türkei vordringen, umso strikter wird dies gehandhabt, da dort die Menschen generell konservativer sein sollen.

Unser Zelt konnten wir dann direkt am Strand versteckt hinter ein wenig Schilf aufbauen und nutzten natürlich die Möglichkeit zum Baden und genossen die tolle Atmosphäre am Meer.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserem Warmshowers Host Berk nach Eregli. Aber bis wir dort waren gab es natürlich noch ein paar Berge zu überwinden. Wir fuhren auf einer sehr gut ausgebauten zweispurigen Schnellstraße mit breitem Seitenstreifen, bis wir dann eine kurze knackige Bergetappe vor uns hatten. Keine Wolke am Himmel und die Sonne gab ihr bestes und so floß der Schweiß in strömen. Aber es sollte noch deutlich härter kommen die nächsten Tage. Nachdem wir die Bergetappe hinter uns gelassen haben, ging es auf einer sehr gut ausgebauten Straße Richtung Meer der wir bis Eregli folgten. Wir machten kurz vorher noch eine kleine Badepause an einem verlassenen Strand, bevor wir uns dann zu Berk unseres Warmshowers Host aufmachten. Berk war in unserem Alter, sprach sehr gut Englisch, ist begeisterter Motorradfahrer, hat Materialwissenschaften studiert und arbeitet bei einem Stahlunternehmen in Eregli. Wir hatten einen coolen Abend mit ein paar Bier, guter Musik und interessanten Gesprächen über die Türkei. Er gab uns auch den Tipp weiter an der Küste entlang zufahren, um so dem Verkehr im Inland zu entgehen. Er gab uns aber auch zu verstehen, ab jetzt wird es bergig. Er sollte absolut Recht behalten. Berk startete am nächsten morgen gegen 7.30 Uhr zur Arbeit und ließ uns am Abend wissen, das wir am nächsten Tag ausschlafen können. Das haben wir natürlich dann auch gemacht. Leider haben wir völlig vergessen ein Bild mit ihm zu machen.

Am nächsten Tag starteten wir sehr ungünstig in der Mittagshitze und vom Start weg ging es fast 1,5h nur bergauf. Oben auf dem Plateau angekommen, hatten wir eine grandiose Aussicht auf das Meer und das bergige Inland. Wo es hoch geht, geht es natürlich auch wieder runter und so hatten wir eine ziemlich lange Abfahrt, aber die nächsten Berge warteten schon. Angekommen in Kozlu am Meer, pausierten wir kurz bevor es dann weiter entlang des Schwarzen Meeres ging. Wir folgten weiterhin der zweispurigen Schnellstraße, die allerdings noch nicht komplett ausgebaut ist. So mussten wir wieder unzählige Berge durch kleine Ortschaften, mit massig Verkehr und Abgasen bewältigen. Der Teer ist so heiß das sogar die Reifen quietschen und wir teilweise Spuren ziehen. Bei Frank hat sogar der Hinterreifen durchgedreht beim hochfahren. Nach einem kurzen Shopping Stop, wo wir wieder einen netten Herren fanden der deutsch sprach, bekamen wir vom benachbartem Gemüseladen zwei Gurken geschenkt. Wieder eine tolle Geste und haben uns mit einem „Teşekkürler Eyvallah“ herzlich bedankt.

Nachdem wir an der Küste angekommen sind, hielten wir gleich Ausschau nach einem Zeltplatz. Im kleinen Dörfchen Türkali steuerten wir den Strand an und fragten im benachbarten Restaurant nach, ob wir denn hier auf dem Parkplatz zelten dürfen. Alles kein Problem. Hier hatten wir sogar WLAN und konnten die Duschen nutzen. An diesem Tag haben wir ca. 1850 hm bewältigt, was uns schon ein wenig überrascht hat. Da wir so schon meistens jeden Tag ca. 1000hm gemacht haben, war das dann doch noch mal ein bisschen mehr. Aber wie wir wissen, bleibt es die nächsten Tage erstmal bergig!!!

Am 14.6. war unser Ziel Bartin, hier haben wir uns wieder über Warmshowers verabredet, mit Ramazan. Dieser Tag sollte ein kurzer Fahrtag werden und wir waren bereits gegen 14.00 Uhr in Bartin. Bis zum Abend vertrieben wir uns die Zeit noch in einem kleinen Park und nutzten die Zeit zum Blog schreiben und zur Entspannung. Als wir dann zu Ramazan aufbrechen wollten, bekamen wir von einem Jungen aus dem gegenüberliegenden Wohnblock Kaffee und Kuchen gebracht und da konnten wir leider nicht nein sagen. Im Ramadan gibt es die Regel das Reisende von der Fastenzeit ausgeschlossen sind, das gilt für alle ob religös oder nicht. Yagiz sprach zwar eigentlich kein Wort Englisch, aber wir verstanden uns. Er zeigte uns ein paar Videos von sich und erklärte uns das er in der Türkischen Nationalmannschaft für Boule spielt. Die Eltern und Großeltern verfolgten das Geschehen vom Balkon aus. Wir bedankten uns und fuhren dann zu Ramazan. Den wir ein bisschen überrumpelten, da wir uns im Wochentag irrten und einen Tag zu früh da waren. Wir müssen hier leider zugeben, das wir manchmal einfach nicht mehr wissen welcher Wochentag ist. Kein Problem für ihn und so durften wir gleich mal sein selbstgebrautes Bier probieren. Da Bier für die Türken teuer ist, ca. 2€ pro Flasche, brauen viele ihr Bier selber. Es ist im Ramadan gar nicht so einfach an Bier zu kommen. (Schließlich benötigen wir ja Mineralien) Am Abend sind wir noch mit Ramazan und seinen Freunden Essen gegangen und hatten dabei einen tollen Blick über Bartin. Vor dem Essen trafen wir bereits ein Pärchen mit Kind, bei Ramazan. Die beiden sprachen recht gut Englisch und Patrick freundete sich gleich mit ihrem Sohn Alptuna an. Sie haben dann sogar unser Essen am Abend bezahlt und uns im Auto mitgenommen, da sich Patrick so nett um ihren 1 Jährigen Sohn kümmerte und die beiden so mal in Ruhe zusammen essen konnten. Ramazan hat auch schon mehrere längere Touren in der Türkei unternommen und war ein wirklich sehr netter und entspannter Zeitgenosse.

Unsere Route sollte die nächsten Tage immer an der Küste lang gehen. Der Vorteil entlang der Küste ist die Aussicht und Landschaft. Wir raten jeden von euch mal ein Abstecher an die Schwarzmeerküste der Türkei zu machen. Kommen wir hier natürlich zum Nachteil unserer Route. Die Küste hier ist natürlich nicht flach wie das in Deutschland an der Ostsee oder Nordsee ist, sondern es eine reine Berg und Talfahrt auf kleinen Straßen direkt am Meer. Die Straßen gehen über Berge, die ca 200 -300m hoch sind. Und das heißt für uns den Berg rauf und dann mit ca. 50km/h wieder auf Meereshöhe runter. Das dann ca 8-10 mal am Tag, dann weiß man was man gemacht hat. Hinzu kommen die vollgepackten Räder. Die Straße windet sich die Berge hoch und wenn man denkt nach der Kurve ist Schluss, geht es erbarmungslos immer weiter bergauf. Aber wir wollen ja nicht jammern, wir haben uns das ja ausgesucht. 🙂

Wir durchfahren hier viele kleine Orte am Meer und zelten meist direkt im Ort am Strand, das stört hier meistens keinen selbst das Lagerfeuer am Strand juckt niemanden. Bei uns in Deutschland wäre das völlig unmöglich und wir fühlen uns hier wirklich sehr frei und genießen wie einfach das Leben sein kann, wenn man sich nur auf die Grundbedürfnisse wie essen, trinken und schlafen besinnt.

Im Verlauf der Tage haben wir an einem Anstieg am frühen Morgen Seth aus England getroffen. Er will ebenso ein wenig durch die Welt radeln und radelt Richtung China, aber will dann nach Amerika übersetzen. Seth war sehr spartanisch ausgestattet, sein Bike mit Gepäck wog gefühlt nur 25kg und wir waren beide ziemlich erstaunt mit wie viel weniger man noch auskommen kann. Seth hat von beginn seiner Reise in England nur 3 Tage Pause eingelegt. Da haben wir erstmal geguckt, aber wenn man alleine fährt, was will man da auch den ganzen lieben langen Tag machen. Seth ist Archäologe und war ein ziemlich cooler Typ, mit dem wir uns super verstanden. So verbrachten wir mit ihm die nächsten drei Tage. Zusammen erklommen wir die tollen Ansteige entlang der Schwarzmeerküste, die sich mit dem tollen 10% Steigungsschildern ankündigten. An einem der Ansteige hielt ein Bus an und fragte ob wir denn nicht mitwollen, nach kurzer Preisverhandlung luden wir unsere Bikes in den Personenbus und konnten uns so ein paar der heftigen Ansteige ersparen. Da in der Türkei das Eisenbahnnetz sehr schlecht ausgebaut ist, geht hier alles über Busse. Und die fahren wirklich überall hin. Im Lauf unserer 40km Fahrt nach Inebolu stiegen diverse Leute ein und zusammen mit der krassen türkischen Musik, war die Fahrt ein kleines Highlight und für uns eine kleine Erholung. Wir sind dann noch weiter bis nach Abana gefahren und haben wieder direkt am Meer gezeltet. Am nächsten Tag stand eine mega Etappe an, wir wollten von Abana bis nach Sinop fahren. Das waren auf der Karte ca. 130km. Nach unserem Start ging es natürlich wieder vom Meer weg, ständig bergauf und die erste Pause legten wir nach ca. 3h und 50km ein. Wir wurden hier von einer netten Türkin am Straßenrand zu einem Türkischen Kaffee eingeladen. Mit leichtem Hungerast konnten wir natürlich nicht nein sagen. Die Frau sprach ein wenig deutsch und so unterhielten wir uns ein bisschen mit ihr. Nach kurzer Pause und langer Abfahrt ging es weiter mit einem Anstieg mit 700hm der gefühlt nicht enden wollte. Nach einem kurzen Einkaufstop mussten wir noch zwei weitere Berge überwinden, um dann endlich wieder am Meer anzukommen. Zum Ende hin begann es dann noch zu regnen und so fiel der Zeltaufbau und das Essen kochen förmlich ins Wasser. An diesem Tag sind wir 125km in fast 7h geradelt und haben dabei fast 2500hm gemacht. Ziemlich kaputt ging es dann ins Zelt und am nächsten Morgen wurde erstmal ausgeschlafen. Später trennten wir uns dann von Seth, da wir unbedingt mal einen langsamen Tag einlegen wollten und er mit seinem leichtem Bike weiter wollte, da ihm die Zeit im Nacken sitzt. Wir radelten entlang der Küste ohne Anstieg rund 45km, bevor wir dann unser Zelt aufbauten.

Beim abendlichen Kochen, wurden wir dann von Erman eingeladen. Sein Haus befand sich gleich hinter uns am Strand. Hier trafen wir seine Eltern und eine weiteren netten Herren der wie wir glauben der Nachbar war. Erman sprach kein Englisch und wir kein Türkisch so war der Spaß vorprogrammiert. Aber der Google Translater hat hier Wunder gewirkt. Wir wurden dann zum Raki (Anis Schnaps) eingeladen und es wurde dann  recht lustig. Nachdem die Flasche Raki alle war, sind wir zurück zum Strand ins Zelt gewackelt und waren happy über den tollen Abend. Am nächsten Morgen waren wir noch zum Frühstück mit den drei netten Herren eingeladen und es wurde sich bestens um uns gekümmert.

Nachdem Frühstück ging es weirer Richtung Samsun. Wir hatten hier grandiosen Rückenwind und haben mit einem 30er Schnitt die 76 Km in knapp 2,5h bewältigt und sind so förmlich nach Samsung geflogen. In Samsun haben wir einen Pausentag eingelegt. Unser nächstes Ziel ist dann Trabzon, wo wir unser Visum für den Iran beantragen wollen. Schauen wir mal ob das klappt. 

Istanbul

Hallo zusammen, nachdem wir in Istanbul unser Hostel auf der asiatischen Seite bezogen haben, wurde am ersten Abend natürlich auf das erreichte Ziel angestoßen. Wir sind im Stadtteil Kadiköy untergekommen. Hier gibt es viele Bars und Kneipen und viel Leben auf der Straße, wie eigentlich überall in Istanbul. Am Samstagabend war eigentlich unser Plan, sich am Nightride über die Bosporus Brücke zu beteiligen. Da dies eine einmalige Möglichkeit ist, da die Überquerung der Brücke mit dem Fahrrad eigentlich verboten ist. Wir hatten uns vorher mit unseren Freunden vom Lions Bike Club Cerkezköy verabredet, allerdings wurde die Veranstaltung kurzerhand abgesagt. Der Lokale Fußballclub Besicktas hatte am Abend eine Meisterschaft oder wichtiges Spiel gewonnen und so wurde von der Stadtverwaltung die Radveranstaltung mal schnell abgesagt. Damit die Fans anständig feiern konnten. Mit Autokorso, wildem Gehupe und Kilometerlangen Staus durch die Innenstadt, wurde hier der Titelgewinn gefeiert. Wir mögen das ja vielleicht von Deutschen Fußball Fans kennen, nur der Enthusiasmus der hier an den Tag gelegt wird ist schon bemerkenswert. Nichtsdestotrotz beteiligten wir uns am Nightride mit ca. 70 Bikern, welcher mit einer anderen Route durch die Stadt führte. Wir fuhren eine ziemlich großen Runde auf der Europäischen Seite von Istanbul und haben somit eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und viel gesehen.

Am Sonntag brachten wir unsere Räder in den Bikeshop, um unsere Räder auf stabilere Felgen umzubauen. Da Patricks Felge ja bereits in Bulgarien ausgestiegen ist. Die restlichen Tage bis zu unserer Abreise, haben wir versucht zu entspannen und relaxen. Wir haben ein Tagesausflug zu den Prinzessinnen Inseln gemacht. Die Inseln sind Südöstlich von Istanbul vorgelagert und bieten viel ruhe Ruhe und Entspannung im Vergleich zur hektischen Großstadt Istanbul. Auf den Inseln ist kein Autoverkehr erlaubt außer mit Sondergenehmigung. So wird hier vieles mit Pferdekutschen, E-Rollern oder ganz einfach mit dem Fahrrad bewegt. Für uns ein Novum und wir waren von de Ruhe und der Entschleunigung des Lebens auf der Insel überrascht. Wir wanderten auf der größten Insel Büyükada auf einen Berg mit Aussichtsturm und hatten so einen coolen Aussichtspunkt auf das Marmarameer. Der Besuch der Inseln lohnt sich wirklich, auch weil die Fahrt dorthin mit dem Schiff umgerechnet nur 1,30 € kostet.

Ebenso besuchten wir ein türkisches Hamam, um kulturell alles mitzunehmen und waren doch positiv überrascht. Man wird hier definitiv nicht mit Samthandschuhen angefasst und erhält eine Ganzkörperreinigung nach alter Tradition. Mit den Jungs von Hellobikeworld aus der Schweiz, haben wir uns auch nochmal getroffen und einen gemeinsamen Abend verbracht. Um ein paar Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und sich einfach mal mit gleichgesinnten zu unterhalten.

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Zusammen mit unseren Schweizer Freunden

Ansonsten haben wir natürlich auch ein wenig die Stadt zu Fuß erkundet. Allerdings ist das vorankommen in Istanbul mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus schwierig. Es gibt hier Boote die zwischen europäischer und asiatischer Seite pendeln, Kleinbusse die gewisse Viertel in Istanbul anfahren sowie Straßenbahnen und Taxis. Es gibt hier keine einheitliche Verbindung oder Zusammenschluss der Transportmittel und das heißt im groben, man muss sich schon ein wenig auskennen. Istanbul hat uns an sich schon gefallen, nur ist es eben durch das enorme Verkehrsaufkommen, der daraus entstehende Lärm und die Hektik sowie die Vielzahl an Menschen die auf den Straßen unterwegs sind, nicht ganz so einfach hier zur Ruhe zu kommen. Wir haben die Zeit hier trotzdem genossen und sind natürlich weiterhin gespannt, was uns im weiteren Verlauf der Türkei erwartet. Wir starten am Freitag den 9.6. von Istanbul aus Richtung Norden und werden uns entlang der Schwarzmeer Küste weiter nach Osten vorarbeiten.

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Das Radreisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein

Wir sind auch stolz berichten zu dürfen, das wir von unserem Freund und Bekannten Adi Rückewold von Antenne Thüringen interviewt wurden. Unser Zusammenschnitt  lief bereits mehrmals in den Nachrichten im Radio. Vielleicht hat es der ein oder andere ja schon gehört. Wir sind jedenfalls mega Happy und bedanken uns bei Adi und Antenne Thüringen, für die Möglichkeit unsere Reise so einem breitem Publikum vorzustellen.

Und hier haben wir die Mitschnitte:

Mitschnitt 1

 

Mitschnitt 2

 

Mitschnitt 3

 

Mitschnitt 4 wird Landesweit ausgestrahlt

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Vorsicht: Trump ist einfach überall!!

Merhaba Istanbul, Willkomen in Asien!!!

Während unseres kurzen Stops in Burgas / Bulgarien, sind wir in einer kleinen Pension untergekommen. Wir sahen bereits bei der Ankunft, dass das Nachbarhaus noch im Rohbau ist. Es war ja Freitag, also sollte am Wochenende Ruhe sein, sodass auch wir relaxen konnten. Das war allerdings weit gefehlt. Samstag wie Sonntag wurde kräftig gebohrt, geackert, krach gemacht und das bereits in den frühen Morgenstunden. Am späten Samstagnachmittag rückte dann noch die Betonpumpe an, um die Decken für die oberen Etagen zu gießen. Natürlich landete der eine oder andere Spritzer auf unserem Balkon und unser frisch gewaschenen Wäsche. Unser Balkon grenzte direkt an das Nachbarhaus und so konnten wir live dabei sein. Nichtsdestotrotz genossen wir die zwei Tage Pause in Burgas, um uns ein wenig von den letzten Tagen zu erholen.

Wir starteten am 29.5. von Burgas aus Richtung Türkei. Und hatten natürlich wieder jede Menge Berge zu überwinden. Auf dem Weg trafen wir wieder zwei Deutsche Radler, die vom Iran nach Deutschland radeln. Beide haben mehrere Jahre in Kambodscha bei einer Hilfsorganisation gearbeitet und wollen jetzt in Deutschland wieder Fuß fassen. Die beiden waren super nett und mega entspannt und wir ließen uns noch ein paar Tipps für unsere Weiterfahrt geben.

Nach den anstrengenden Bergetappen machten wir in der letzten Stadt in Tarnovo/Bulgarien halt und wurden bei Essen und Einkäufen unsere letzten Bulgarischen Lev los. Danach ging es wie sollte es auch anders sein weiter bergauf Richtung Grenzübergang zur Türkei. So ein bisschen nervös waren wir schon was uns da erwartet.

Oben auf dem Berg angekommen, wurden wir erst kurz von den Bulgarischen Grenzpolizisten gecheckt und durften dann weiter zur Türkischen Grenzkontrolle. Hier war alles ein wenig millitärischer aufgebaut, als wir das vorher kannten. Mit Soldaten und Wachposten und größerem Gebäudekomplexen als bisher. Der Soldat auf seinem Posten grüßte uns gleich und auch die restlichen beiden Grenzbeamten die unsere Ausweise checkten waren sehr freundlich und nett.

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So sind wir also in der Türkei angekommen und sind mega happy es bis hier her geschafft zu haben. Wir genossen die Abfahrt auf einer sehr gut ausgebauten Straße und toller Landschaft. Dann fanden wir in einer kleinen Nische neben der Straße ein für uns doch geeignetes Plätzchen zum zelten. Als wir dann uns aufmachten ins Zelt zu gehen hörten wir von weitem lautes Hundegebell von 2 Hunden. Also haben wir uns schnell im Zelt verkrochen und versucht abzuwarten ob Sie näher kommen. Es hat nicht lange gedauert und einer der Hunde stand ein paar Meter vom Zelt entfernt, bellte und knurrte auf das wildeste. Wir beschlossen erst mal ruhig zu bleiben und abzuwarten. Dem bellen nach, waren es definitiv keine kleinen Hunde und wir waren doch schon ein wenig besorgt wie wir uns verhalten sollten. Nach ca. 15min heftigen knurren und bellen verschwanden die beiden wieder, da sich bei uns im Zelt anscheinend kein Widerstand regte. (Frank untertreibt, ich hatte Todesängste und Puls von 300!!)  Das Thema mit den Hunden ist unter Radfahrern sehr bekannt und wir haben nun schon viele Taktiken gehört und probiert, wie man Sie mehr oder minder vertreibt. Viele benutzen Stöcke, haben Steine parat, Pfefferspray/Deo oder versuchen Sie mit lautem brüllen zu vertreiben. Und im letzten Fall, falls möglich einfach flüchten. Wir haben es bisher meist mit zurück brüllen und Stock zeigen versucht, was aber auch nicht immer funktioniert. Jedoch blieb es bis auf unseren kleinen Zwischenfall an der Rumänischen Grenze nur dabei, dass die Hunde uns verfolgten und wir noch keine Verletzungen davon trugen.

Am nächsten Morgen schien die Sonne und wir machten uns auf den Weg Richtung Kirklareli. Die Fahrt dahin ging zwar bergab, allerdings hatten wir immer wieder steile Anstiege zu bewältigen, da die Türkei ja nicht unbedingt für sein flaches Landschaftsprofil bekannt ist. Bereits kurz nach der Grenze veränderte sich die Landschaft stark mit weniger Bäumen und vielen Grasflächen.

In Kirklareli angekommen, wurden wir direkt beim Geldabheben von einem Jungen Mann angesprochen, der fragte woher wir denn kommen, wo wir hinwollen etc. und gab uns noch ein paar Tipps für unsere Route Richtung Istanbul. Hier haben wir bereits gemerkt, wie offen und hilfsbereit die Türken gegenüber Fremden sind. Nach kurzen Essen Stop in einem kleinen Döner Laden ging es weiter. Die weitere Strecke hielt immer noch einige Berge in petto, allerdings waren dies nur noch flache Anstiege. So erreichten wir ein wenig entspannter Pinarhisar. Hier haben wir in einem kleinem Cafe an der Straße kurzes Päuschen eingelegt und lernten schnell den Besitzer Cem kennen.  Er sprach gut Englisch und war sehr begeistert von unserer Vorhaben. Nach einem Kaffee und Türkischem Tee, holfen wir noch seinen Aushilfsmädels bei den Englischhausaufgaben und wenig später lud uns Cem ein, doch bei ihm in der Wohnung zu übernachten. Das Angebot nahmen wir natürlich dankend an, bestanden aber darauf für ihn am Abend zu kochen. Wir kochten Pasta mit Rindfleisch und wurden stets beobachtet, was wir denn da so machen. (In der Türkei kochen nämlich nur die Fauen) Cem und seiner Bedienung hat es jedenfalls geschmeckt und wir genossen den weiteren Abend mit vielen freundlichen Türken in seinem Cafe. Wir wurden dann noch von ein paar Leuten zur einer kleiner Theateraufführung mitgenommen und genossen die freundliche und nette Atmosphäre. Wir haben hier bereits viel über das Land und die Menschen gelernt, sowie ein paar Türkische Vokabeln gepaukt. Im Moment ist in der Türkei Ramadan/Fastenzeit und die Menschen dürfen gewöhnlicherweise nur essen und trinken wenn es Dunkel ist. Im europäischen Teil der Türkei wird der Ramadan nicht ganz so strikt eingehalten. Wir sahen hier auch tagsüber Leute essen und trinken und nicht jeder beteiligt sich am Ramadan. So fühlte sich das Cafe am späteren Abend ziemlich rasant und wir hatten einen witzigen und geselligen Abend, bei dem wir gegen 2 Uhr nachts im Bett landeten. Den nächsten morgen verbrachten wir noch bei Cem im Cafe, der Abschied viel uns merklich schwer von all den netten Leuten, die uns sehr warmherzig empfangen haben. (kleine Geschenke machten und uns super integrierten)

Wir hatten am flogenden Abend unsere Warmshowers Premiere bei Asli in Çerkezköy. Warmshovers ist ein Netzwerk von Radfahrern die Unterkunft, Dusche etc. für Radler anbieten, ähnlich wie Couchsurfing, nur eben von und für Radfahrer. Kurz vor Cherkezköy hatten wir leider an Patricks Hinterrad Plattfuß Nr.2, aber innerhalb von 15min war wieder alles geflickt und es ging weiter. In Çerkezköy angekommen wurden wir von Asli’s Bekannten Kadesch abgeholt und trafen uns mit Asli am Radladen Arslan Bisiklet. Asli war super nett und sprach sehr gut Englisch. Auch die Jungs vom Radladen, die wir kennenlernten waren super freundlich. Nach kurzer Dusche bei Asli und leckeren Abendessen im Türkischen Restaurant, ging es am Abend mit dem Lion’s Bike Club Çerkezköy zum Nightride durch die Stadt. Wir waren ca. 25 Leute, mit denen wir mega Spaß hatten. Der Club veranstaltet das zweimal wöchentlich und will so das Radfahren stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Radfahren dient in der Türkei hauptsächlich um von A nach B zu kommen und ist als Freizeit Aktivität nicht sehr verbreitet. So sind wir happy das wir die Jungs bei ihrem Vorhaben ein wenig unterstützen konnten. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit türkischen Tee, ging es wieder zurück und so waren wir wieder gegen 2.30 Uhr im Bett. Am nächsten Morgen ging es nach kurzer Nacht zum Radladen, wo unsere Bikes warteten. Hier verabschiedeten wir uns von Asli und bedankten uns Recht herzlich für ihre Gastfreundschaft.

So brachen wir nach kurzem Frühstück auf, um uns auf den Weg Richtung Istanbul zu machen. Wir versuchten hier soweit es geht die Hauptverkehrsstraßen zu meiden und befuhren meist kleinere Landstraßen mit natürlich wieder tollem Höhenprofil. Aber wo es hoch geht, geht’s ja auch wieder runter. So konnten wir nach jedem Anstieg eine neue Aussicht genießen. Da Istanbul nicht gerade zu den kleineren Städten zählt (17,6 Mio Einwohner (googelt es nochmal)) haben wir uns dazu entschieden, die Einfahrt auf zwei Tage aufzuteilen. So machten wir kurz bevor die ersten Vorstädte anfangen Stop an einem See der an das Marmarmeer angrenzt.

Am nächsten Morgen starteten wir bereits in den Vorstädten von Istanbul, bis ins Zentrum waren es von da noch ca. 50km, was zeigt wie groß Istanbul eigentlich ist. Und wir wussten, dass dies ein ziemlich stressiger Tag werden würde. So kämpften wir uns langsam immer weiter Richtung Zentrum, auf zwei bis dreispurigen Schnellstraßen mit viel Verkehr. Der Verkehr wurde immer heftiger und ging meistens nur stockend voran. Den Verkehr hier, lässt sich absolut nicht mit dem Zuhause vergleichen. Hier wird gehupt, riskant überholt, mal einfach auf der Straße gewendet und alles läuft einfach hektischer ab. Je weiter wir ins Zentrum kamen, umso zäher wurde der Verkehr. Mit unseren großen Taschen, mussten wir uns an den Autos vorbeiquetschen. Mit den Taschen  nirgends hängen zu bleiben, war garnicht so einfach. Im Zentrum angekommen, machten wir uns als erstes auf in den Reiseradladen Bisziklet Genen, da wir ja unsere Laufräder umbauen wollen. Hierzu fuhren wir mit der Fähre auf die asiatische Seite von Istanbul und haben somit schon mal unseren Kontinent Europa verlassen!!! Hier trafen wir durch Zufall wieder unsere Schweizer Freunde, von Hellobikeworld, die hier ihre Trikes zur Wartung hatten.

Nach kurzer Absprache wegen den Bikes, ging es ins Hostel. Von unserem Start am 16.04.2017 in Deutschland, bis hierher sind wir 2854 km gefahren und waren 48 Tage unterwegs.

Wir werden hier jetzt erstmal 7 Tage Pause einlegen, relaxen und das erlebte ein wenig verarbeiten.

Wir hatten im voraus unserer Reise natürlich immer nur davon gesprochen, bis nach Istanbul zu fahren. Da wir selber erstmal sehen wollten, wie das läuft. Da wir soviel Spaß dabei haben, wollen wir natürlich weiterfahren. Unser Plan ist es, bis nach Südostasien zu fahren. Einige wissen das schon, nun wollen wir das mal offiziell machen! Unser Plan ist es, jetzt im Norden der Türkei, entlang vom Schwarzen Meer nach Georgien, Armenien in den Iran zu fahren und dann weiter durch Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan nach China und weiter Richtung Südostasien. Allerdings kann Aufgrund von Visabestimmungen die Route natürlich noch nicht definitiv bestätigt werden. Die Pause in Istanbul nutzen wir natürlich auch, um uns die Karten für die weitere Reise zu legen. Das heißt Visa Beantragungen, z.B für Iran planen und sonstige organisatorische Dinge. Aber keine Angst wir werden euch auf dem laufenden halten. 🙂