Berg- und Talfahrt am Schwarzen Meer

Nach nun geschlagen 12 Tagen ohne Fahrpause, melden wir uns jetzt aus Samsun am Schwarzen Meer. Wir haben nach dem Start in Istanbul am 9.6.2017, ca. 1100 km und über 14000 hm hinter uns gebracht. Das Höhenprofil von Istanbul nach Samsun war schlichtweg der Wahnsinn. Von unserer Vorbereitung wussten wir es wird bergig, aber wie das bergig dann in der Praxis aussieht, hätten wir uns so nicht vorgestellt. Aber dazu im Verlauf des Blogbeitrages mehr.

Für den ersten Fahrtag war unser Ziel das Schwarze Meer, welches wir auch relativ schnell und entspannt geschafft haben. Wir haben ein nettes Plätzchen am Strand zum zelten gefunden. Der Weg dahin war allerdings von dem Regenfällen der Vortage ziemlich aufgeweicht und so drehte sich bei besten Lehmboden irgendwann kein Rad mehr. Aber zum Glück waren wir dann schon unten. Auch wenn das Wetter nicht so toll war, zelten am Meer fetzt.

Der nächste Tag begann mit Regen und sollte unser erster richtiger Regentag werden. Unser Weg führte von der Küste weiter ins Inland, wo es deutlich bergiger wurde. An diesem Tag knackten wir an einem der vielen Anstiege unsere 3000 km Marke. Der Tag war nicht nur vom Regen geprägt, sondern von vielen Hundeattacken. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, in denen die Hunde meist direkt auf der Straße oder in den Höfen liegen. Meist verfolgten uns 4 bis 5 Hunde und alle mit der Größe von Schäferhunden oder größer. Wir haben hier schon mit Stöcken oder lautem Brüllen versucht Sie einzuschüchtern. Es half meistens einfach nur wild zu pedalieren. Nach diesem Tag waren wir abends ziemlich geknickt und eingeschüchtert, da wir uns schon ausmalten was wäre wenn einer beißt. Als wir Tage später bei unserem Warmshowers Host Ramazan waren, gab er uns den Tipp stehen zu bleiben und nicht davon zu fahren. Natürlich haben wir es dann auch ausprobiert und siehe da es klappt! Haben wir also wieder was gelernt.

Am nächsten Morgen ging es früh los, denn unser Ziel sollte wieder das Schwarze Meer sein. Der Tag an sich verlief sehr gut, die Regenwolken verabschiedeten sich leider und die Sonne brannte wieder ziemlich heftig. Die Menschen sind überall super freundlich und jeder möchte wissen woher wir kommen und wohin wir wollen. Und das erstaunlichste ist für uns, das wir mehr Leute treffen die deutsch sprechen als englisch. Viele Türken haben in Deutschland gearbeitet und können daher sehr gut deutsch. Sie fragen gleich ob wir Hilfe brauchen und wo wir herkommen. So kommen wir immer sehr leicht ins Gespräch mit den Menschen und sind begeistert von der Offenheit gegenüber uns Fremden.

Am Abend sind wir dann in Karasu am Schwarzen Meer angekommen. Die Hauptstraße verlief direkt am Strand und so fragten wir bei Leuten, die eine Art Gartenhütte in Strandnähe hatten, ob wir unser Zelt aufstellen können. Zelten ist hier kein Problem. Normalerweise ist ja bis zum 24.6. noch Ramadan/Fastenzeit in der Türkei und tagsüber ist essen und trinken sowie Alkohol strikt der Religion nach nicht erlaubt. Wir sehen relativ viele Menschen, die das nicht strikt befolgen. Vor allem in größeren Städten. In kleineren Ortschaften wird das allerdings strenger gehalten und hier ist nix mit essen oder einkaufen. Was wir bereits am eigenen Leib spürten, als wir mit mächtig Hunger am Morgen in einem kleinen Dorf Halt machten. Viele sagen uns, je weiter wir in den Osten der Türkei vordringen, umso strikter wird dies gehandhabt, da dort die Menschen generell konservativer sein sollen.

Unser Zelt konnten wir dann direkt am Strand versteckt hinter ein wenig Schilf aufbauen und nutzten natürlich die Möglichkeit zum Baden und genossen die tolle Atmosphäre am Meer.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserem Warmshowers Host Berk nach Eregli. Aber bis wir dort waren gab es natürlich noch ein paar Berge zu überwinden. Wir fuhren auf einer sehr gut ausgebauten zweispurigen Schnellstraße mit breitem Seitenstreifen, bis wir dann eine kurze knackige Bergetappe vor uns hatten. Keine Wolke am Himmel und die Sonne gab ihr bestes und so floß der Schweiß in strömen. Aber es sollte noch deutlich härter kommen die nächsten Tage. Nachdem wir die Bergetappe hinter uns gelassen haben, ging es auf einer sehr gut ausgebauten Straße Richtung Meer der wir bis Eregli folgten. Wir machten kurz vorher noch eine kleine Badepause an einem verlassenen Strand, bevor wir uns dann zu Berk unseres Warmshowers Host aufmachten. Berk war in unserem Alter, sprach sehr gut Englisch, ist begeisterter Motorradfahrer, hat Materialwissenschaften studiert und arbeitet bei einem Stahlunternehmen in Eregli. Wir hatten einen coolen Abend mit ein paar Bier, guter Musik und interessanten Gesprächen über die Türkei. Er gab uns auch den Tipp weiter an der Küste entlang zufahren, um so dem Verkehr im Inland zu entgehen. Er gab uns aber auch zu verstehen, ab jetzt wird es bergig. Er sollte absolut Recht behalten. Berk startete am nächsten morgen gegen 7.30 Uhr zur Arbeit und ließ uns am Abend wissen, das wir am nächsten Tag ausschlafen können. Das haben wir natürlich dann auch gemacht. Leider haben wir völlig vergessen ein Bild mit ihm zu machen.

Am nächsten Tag starteten wir sehr ungünstig in der Mittagshitze und vom Start weg ging es fast 1,5h nur bergauf. Oben auf dem Plateau angekommen, hatten wir eine grandiose Aussicht auf das Meer und das bergige Inland. Wo es hoch geht, geht es natürlich auch wieder runter und so hatten wir eine ziemlich lange Abfahrt, aber die nächsten Berge warteten schon. Angekommen in Kozlu am Meer, pausierten wir kurz bevor es dann weiter entlang des Schwarzen Meeres ging. Wir folgten weiterhin der zweispurigen Schnellstraße, die allerdings noch nicht komplett ausgebaut ist. So mussten wir wieder unzählige Berge durch kleine Ortschaften, mit massig Verkehr und Abgasen bewältigen. Der Teer ist so heiß das sogar die Reifen quietschen und wir teilweise Spuren ziehen. Bei Frank hat sogar der Hinterreifen durchgedreht beim hochfahren. Nach einem kurzen Shopping Stop, wo wir wieder einen netten Herren fanden der deutsch sprach, bekamen wir vom benachbartem Gemüseladen zwei Gurken geschenkt. Wieder eine tolle Geste und haben uns mit einem „Teşekkürler Eyvallah“ herzlich bedankt.

Nachdem wir an der Küste angekommen sind, hielten wir gleich Ausschau nach einem Zeltplatz. Im kleinen Dörfchen Türkali steuerten wir den Strand an und fragten im benachbarten Restaurant nach, ob wir denn hier auf dem Parkplatz zelten dürfen. Alles kein Problem. Hier hatten wir sogar WLAN und konnten die Duschen nutzen. An diesem Tag haben wir ca. 1850 hm bewältigt, was uns schon ein wenig überrascht hat. Da wir so schon meistens jeden Tag ca. 1000hm gemacht haben, war das dann doch noch mal ein bisschen mehr. Aber wie wir wissen, bleibt es die nächsten Tage erstmal bergig!!!

Am 14.6. war unser Ziel Bartin, hier haben wir uns wieder über Warmshowers verabredet, mit Ramazan. Dieser Tag sollte ein kurzer Fahrtag werden und wir waren bereits gegen 14.00 Uhr in Bartin. Bis zum Abend vertrieben wir uns die Zeit noch in einem kleinen Park und nutzten die Zeit zum Blog schreiben und zur Entspannung. Als wir dann zu Ramazan aufbrechen wollten, bekamen wir von einem Jungen aus dem gegenüberliegenden Wohnblock Kaffee und Kuchen gebracht und da konnten wir leider nicht nein sagen. Im Ramadan gibt es die Regel das Reisende von der Fastenzeit ausgeschlossen sind, das gilt für alle ob religös oder nicht. Yagiz sprach zwar eigentlich kein Wort Englisch, aber wir verstanden uns. Er zeigte uns ein paar Videos von sich und erklärte uns das er in der Türkischen Nationalmannschaft für Boule spielt. Die Eltern und Großeltern verfolgten das Geschehen vom Balkon aus. Wir bedankten uns und fuhren dann zu Ramazan. Den wir ein bisschen überrumpelten, da wir uns im Wochentag irrten und einen Tag zu früh da waren. Wir müssen hier leider zugeben, das wir manchmal einfach nicht mehr wissen welcher Wochentag ist. Kein Problem für ihn und so durften wir gleich mal sein selbstgebrautes Bier probieren. Da Bier für die Türken teuer ist, ca. 2€ pro Flasche, brauen viele ihr Bier selber. Es ist im Ramadan gar nicht so einfach an Bier zu kommen. (Schließlich benötigen wir ja Mineralien) Am Abend sind wir noch mit Ramazan und seinen Freunden Essen gegangen und hatten dabei einen tollen Blick über Bartin. Vor dem Essen trafen wir bereits ein Pärchen mit Kind, bei Ramazan. Die beiden sprachen recht gut Englisch und Patrick freundete sich gleich mit ihrem Sohn Alptuna an. Sie haben dann sogar unser Essen am Abend bezahlt und uns im Auto mitgenommen, da sich Patrick so nett um ihren 1 Jährigen Sohn kümmerte und die beiden so mal in Ruhe zusammen essen konnten. Ramazan hat auch schon mehrere längere Touren in der Türkei unternommen und war ein wirklich sehr netter und entspannter Zeitgenosse.

Unsere Route sollte die nächsten Tage immer an der Küste lang gehen. Der Vorteil entlang der Küste ist die Aussicht und Landschaft. Wir raten jeden von euch mal ein Abstecher an die Schwarzmeerküste der Türkei zu machen. Kommen wir hier natürlich zum Nachteil unserer Route. Die Küste hier ist natürlich nicht flach wie das in Deutschland an der Ostsee oder Nordsee ist, sondern es eine reine Berg und Talfahrt auf kleinen Straßen direkt am Meer. Die Straßen gehen über Berge, die ca 200 -300m hoch sind. Und das heißt für uns den Berg rauf und dann mit ca. 50km/h wieder auf Meereshöhe runter. Das dann ca 8-10 mal am Tag, dann weiß man was man gemacht hat. Hinzu kommen die vollgepackten Räder. Die Straße windet sich die Berge hoch und wenn man denkt nach der Kurve ist Schluss, geht es erbarmungslos immer weiter bergauf. Aber wir wollen ja nicht jammern, wir haben uns das ja ausgesucht. 🙂

Wir durchfahren hier viele kleine Orte am Meer und zelten meist direkt im Ort am Strand, das stört hier meistens keinen selbst das Lagerfeuer am Strand juckt niemanden. Bei uns in Deutschland wäre das völlig unmöglich und wir fühlen uns hier wirklich sehr frei und genießen wie einfach das Leben sein kann, wenn man sich nur auf die Grundbedürfnisse wie essen, trinken und schlafen besinnt.

Im Verlauf der Tage haben wir an einem Anstieg am frühen Morgen Seth aus England getroffen. Er will ebenso ein wenig durch die Welt radeln und radelt Richtung China, aber will dann nach Amerika übersetzen. Seth war sehr spartanisch ausgestattet, sein Bike mit Gepäck wog gefühlt nur 25kg und wir waren beide ziemlich erstaunt mit wie viel weniger man noch auskommen kann. Seth hat von beginn seiner Reise in England nur 3 Tage Pause eingelegt. Da haben wir erstmal geguckt, aber wenn man alleine fährt, was will man da auch den ganzen lieben langen Tag machen. Seth ist Archäologe und war ein ziemlich cooler Typ, mit dem wir uns super verstanden. So verbrachten wir mit ihm die nächsten drei Tage. Zusammen erklommen wir die tollen Ansteige entlang der Schwarzmeerküste, die sich mit dem tollen 10% Steigungsschildern ankündigten. An einem der Ansteige hielt ein Bus an und fragte ob wir denn nicht mitwollen, nach kurzer Preisverhandlung luden wir unsere Bikes in den Personenbus und konnten uns so ein paar der heftigen Ansteige ersparen. Da in der Türkei das Eisenbahnnetz sehr schlecht ausgebaut ist, geht hier alles über Busse. Und die fahren wirklich überall hin. Im Lauf unserer 40km Fahrt nach Inebolu stiegen diverse Leute ein und zusammen mit der krassen türkischen Musik, war die Fahrt ein kleines Highlight und für uns eine kleine Erholung. Wir sind dann noch weiter bis nach Abana gefahren und haben wieder direkt am Meer gezeltet. Am nächsten Tag stand eine mega Etappe an, wir wollten von Abana bis nach Sinop fahren. Das waren auf der Karte ca. 130km. Nach unserem Start ging es natürlich wieder vom Meer weg, ständig bergauf und die erste Pause legten wir nach ca. 3h und 50km ein. Wir wurden hier von einer netten Türkin am Straßenrand zu einem Türkischen Kaffee eingeladen. Mit leichtem Hungerast konnten wir natürlich nicht nein sagen. Die Frau sprach ein wenig deutsch und so unterhielten wir uns ein bisschen mit ihr. Nach kurzer Pause und langer Abfahrt ging es weiter mit einem Anstieg mit 700hm der gefühlt nicht enden wollte. Nach einem kurzen Einkaufstop mussten wir noch zwei weitere Berge überwinden, um dann endlich wieder am Meer anzukommen. Zum Ende hin begann es dann noch zu regnen und so fiel der Zeltaufbau und das Essen kochen förmlich ins Wasser. An diesem Tag sind wir 125km in fast 7h geradelt und haben dabei fast 2500hm gemacht. Ziemlich kaputt ging es dann ins Zelt und am nächsten Morgen wurde erstmal ausgeschlafen. Später trennten wir uns dann von Seth, da wir unbedingt mal einen langsamen Tag einlegen wollten und er mit seinem leichtem Bike weiter wollte, da ihm die Zeit im Nacken sitzt. Wir radelten entlang der Küste ohne Anstieg rund 45km, bevor wir dann unser Zelt aufbauten.

Beim abendlichen Kochen, wurden wir dann von Erman eingeladen. Sein Haus befand sich gleich hinter uns am Strand. Hier trafen wir seine Eltern und eine weiteren netten Herren der wie wir glauben der Nachbar war. Erman sprach kein Englisch und wir kein Türkisch so war der Spaß vorprogrammiert. Aber der Google Translater hat hier Wunder gewirkt. Wir wurden dann zum Raki (Anis Schnaps) eingeladen und es wurde dann  recht lustig. Nachdem die Flasche Raki alle war, sind wir zurück zum Strand ins Zelt gewackelt und waren happy über den tollen Abend. Am nächsten Morgen waren wir noch zum Frühstück mit den drei netten Herren eingeladen und es wurde sich bestens um uns gekümmert.

Nachdem Frühstück ging es weirer Richtung Samsun. Wir hatten hier grandiosen Rückenwind und haben mit einem 30er Schnitt die 76 Km in knapp 2,5h bewältigt und sind so förmlich nach Samsung geflogen. In Samsun haben wir einen Pausentag eingelegt. Unser nächstes Ziel ist dann Trabzon, wo wir unser Visum für den Iran beantragen wollen. Schauen wir mal ob das klappt. 

5 Gedanken zu “Berg- und Talfahrt am Schwarzen Meer

  1. dlktaeter 25. Juni 2017 / 8:55

    Schöne Bilder – viele Grüße aus Erfurt

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  2. Kühn Anita 7. Juli 2017 / 20:18

    Hallo Ihr Zwei
    Ich lese gerade in der ZeitungvonEurer Reise grosse Freude.
    Ichwnsche Euch eine tolerant Zeit.
    Werde jetzt öfter auf dieser Set sein.
    Grüß aus Manebach

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  3. Zlatko 10. Juli 2017 / 10:17

    Grandios euren Trip hier zu verfolgen!
    Man bekommt sofort Fernweh aber zugleich Hochachtung vor eurer Leistung!!!

    Weiterhin gutes Gelingen 😉

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