Teil 2! Der Iran, hat es uns angetan!

Am Morgen sind wir gegen 6 Uhr in Teheran gestrandet. Unsere Bikes konnten wir erst um 14 Uhr abholen. Also ging es in einen Park um noch ein wenig schlafen. Wir haben zwei Bänke als Residenz gewählt, bis wir vom Parkpersonal geweckt wurden. Patrick besuchte die örtliche Toilette und übersah das Damensymbol, die schreiende und auf ihn mit Schuhen einschlagende Frau, machte ihm dann deutlich, den Raum zu verlassen und es flogen noch Schuhe hinterher. Als er dann draußen war wusste er warum und bemerkte das Schild. Größere Verletzungen blieben aus, der Schock saß tief. 🙂

In der Mittagshitze bei über 40°C, haben wir dann unsere Räder unversehrt abgeholt und uns auf den Weg ins Zentrum gemacht. Der Verkehr in Kombination mit der Hitze, waren absolut nervenaufreibend. Die Iraner fahren eigentlich wie Sie wollen. Ist die Straße zweispurig so steht man trotzem zu dritt oder viert nebeneinander an der Ampel. Diese hat auch nur dekorativen Zweck und findet keine weitere Beachtung. Überholt wird einfach ohne zu blinken, selbst der kommenden Gegenverkehr stellt hier kein Problem dar. Ganz nach dem Motto wird schon passen. Falls der Iraner mal die falsche Autobahn Ausfahrt genommen hat, kein Problem! Einfach gewendet oder rückwärts zurück auf der Autobahn.

Bei einer Busfahrt in Täbris wurde eine Frau vom Bus in dem wir saßen, in den Straßengraben gedrängt. Sie wollte nicht von der Straße, wer nicht hören will muss hier fühlen.

Wir haben klingeln am Fahrrad, wen interessierts, niemanden. Das Highlight aber sind die vielen Motorräder auf der Straße. Die Motorradfahrer halten sich an keine Regeln. Es wird sich überall durchgeschlängelt. Ist der Stau zu heftig, gehts auf dem Bürgersteig weiter oder es wird einfach entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf einer 5 spurigen Straße gefahren. Die Motorräder sind hier die Allzweckwaffe, auf ihnen wird einfach alles transportiert Waschmaschinen, Baumaterial, Teppiche einfach alles!!! Manchmal sind auf dem Mopped/Motorrad auch Menschen, die Anzahl beträgt meist 3-4 Personen. Natürlich ohne Helm. Wir haben dann auch mit 3 Jungs auf dem Motorrad bei fließenden Verkehr und voller Fahrt zum Selfie herhalten müssen.

In Teheran wollten wir das Visum für China beantragen. Aber zuerst mussten wir erstmal eine bleibe finden. Mehrere Hostels die wir angefahren haben konnten wir nicht finden. So klingelten wir einfach mal alle möglichen Warmshowers Hosts durch. Bei Nazi und Said hatten wir mega Glück. Nach kurzem Gespräch mit Said, wurden wir weitergereicht an einen Deutschen. Dieser uns sagte, wir hätten hier die Möglichkeit beim besten Warmshowers Host ganz Teherans zu übernachten. Also dann nix wie hin. So schnell kann sich das auf so einer Reise ändern. Angekommen bei unserem Host, wurden wir herzlich empfangen und waren nicht die einzigsten mit dem Rad. Yumbor der aus Taiwan bis nach Teheran radelte und noch bis nach Paris will, war ebenfalls zu Gast. Am interresantesten war allerdings Shahin, der eigentlich aus Teheran stammt aber aufgrund der Iranischen Revolution Ende der 80er Jahre als 13 Jähriger nach Deutschland flüchtete und jetzt als Künstler Arbeit und noch an der Universität in Aachen unterrichtet. Er ist von Deutschland mit einem Rhönrad bis nach Teheran gelaufen. Gebraucht hat er dafür 1 Jahr und 7 Monate. Seine Reise ist ein Kunstprojekt und für ihn schließt sich mit der Rückkehr nach Teheran ein Kreislauf, welcher vorallem durch sein rundes Röhnrad symbolisiert wird. Er kehrt somit das erstemal nach seiner Flucht vor dem Krieg zurück in seine Heimat. Sein Rhönrad will er dem Kunstmuseeum in Teheran spenden. Ein ziemlicher interesannter Typ. Wer Interesse hat, hier könnt ihr seine Reise verfolgen http://www.rolleast.de.

Die nächsten Tage standen im Zeichen des China Visums. Hierzu brauchten wir noch eine Bestätigung von der Deutschen Botschaft in Teheran das wir auch wirklich Inhaber unserer Pässe sind. Vor der Deutschen Botschaft war ziemlicher Andrang von Iranern die ein Visa für Deutschland bekommen wollen. Wir winkten dem Portier kurz mit unseren Pässen zu und schon durften wir uns durch die Menge in die Botschaft kämpfen. Der Portier kam aus Köln und so hatten wir gleich Spaß und durften dann nach kurzem Sicherheitscheck in die Botschaft. Die Aushändigung unserer Unbedenklichkeitserklärung ging zügig und wir wurden sehr nett empfangen. Daher konnten wir die schlechten Bewertungen aus dem Internet über die Botschaft absolut nicht nachvollziehen.

Danach ging es daran die Visa Formulare für China auszufüllen und passend auszudrucken. Hier schlichen sich natürlich Fehler ein und wir haben das Prozedere dreimal wiederholt. Zwei Tage später ging es dann auf die Chinesische Botschaft mit ebenfalls mächtig Andrang. Nach der Vorlage unser Unterlagen am Schalter bei einer ziemlich genervten Chinesischen Mitarbeiterin, wurden wir abgewiesen. Sie gab uns zu verstehen ohne vorher gebuchtes Flugticket (damit die Ausreise abgesichert ist) wird das definitiv nix und man könne maximal einen Monat vor Einreise das Visa beantragen. Sie gab uns unsere Ungerlagen wieder. Hierrauf wurde ein schärferer Ton angeschlagen und die Diskussion startete. Wir argumentierten, den Flug erst nach Visa erhalt zu buchen, da wir ja unser Geld nicht zum Fenster rauswerfen wollen. Wichtig ist hier vorallem das man kein Wort darüber verliert mit dem Fahrrad einzureisen und nicht über den Landweg von Westen aus, das mögen die Chinesen gar nicht. 🙂 Nach einer weiteren Diskussion mit ihrem Vorgesetzten wurden unsere Unterlagen doch angenommen und wir bekammen eine Einzahlungsbestätigung für die Bank wo wir unsere Visagebühren entrichten sollten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl verließen wir die Botschaft und zahlten unsere 40 US Dollar pro Nase auf der Bank ein. Wir sollten in 5 Tagen wiederkommen und unsere Reisepässe abholen. Also ging es nach fünf Tagen wieder auf die Botschaft und wir haben kurioser Weise ein Visum für 3 Monate erhalten, mit einem Einreisezeitraum von 3 Monaten. Dies gleicht einem 6er im Lotto! Wir waren natürlich voll aus dem Häuschen und hätten damit nicht gerechnet. So konnten wir auch unseren weiteren Verlauf der Reise planen. Unser Plan war es eigentlich durch Turkmenistan und Usbekistan nach Kirgisistan zu fahren. Allerdings gibt es häufig Visa Probleme für Turkemnistan und wenn überhaupt, dann bekommt man nur Transitvisa für 3-5 Tage. Das machte für uns keinen Sinn durch ein Land durchzuhetzen. Ebenfalls die Kosten für das Turkmenistan und Usbekistan Visum, sind ziemlich hoch. So entschieden wir uns für die Option von Teheran aus nach Almaty in die Hauptstadt nach Kasachstan mit unseren Bikes zu fliegen. Von hier aus werden wir dann über Kirgisistan nach China einreisen. Auf der einen Seite ist natürlich schön den kompletten Weg zu fahren aber andererseits wollen wir keine Rekorde aufstellen und müssen uns nichts beweisen. Mit dem China Visum in der Tasche konnten wir nun unsere Zeit in Teheran genießen und entspannt dem weiteren Verlauf der Reise entgegen sehen.

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Super Happy über uns China Visum !!!

Die Zeit bei Nazi und Said war wirklich schön. Es ist eigentlich ein Zufall das die beiden in Tehran sind. Hatten Sie sich doch seit über einem Jahr auf eine Tour durch Europa vorbereitet und gefreut. Allerdings wurde ihr Visa in letzter Minute abgelehnt und alle Vorbereitungen waren umsonst. Wir sehen an solchen Beispielen immer wieder, wie wertvoll unser Reisepass ist und wie priviliegiert wir uns fühlen dürfen Deutsche Staatsbürger zu sein. Wir hoffen auch das ihr das zu Hause nie vergesst.

So haben wir in Teheran ein bisschen Sightseeing gemacht, auch wenn das bei der täglichen Hitze vorallem draußen sehr anstrengend ist. Frank hat zusammen mit Faraz den wir in Batumi kennengelernt haben eine kleine Stadtführung zum großen Basar und einigen Moscheen bekommen und im ältesten Restaurant in Teheran gegessen. Nebenbei haben wir uns einige Museen wie z.B. Das Natinal Museum und das Omidvar Brüder Museum angesehen. Die beiden Brüder haben in den 50er Jahren die Welt mit zwei Motorrädern berreist und waren hier fast sieben Jahre lang unterwegs.

Teheran ist in nördlicher Richtung von einem Gebirge umgeben, welches den 3964m hohen Tochal beherbergt. Patrick wollte hoch, Frank durfte mit :-). Wir fuhren mit der Metro bis zur letzten Station Tajrish, von dort starteten wir am Abend. Bei Einbruch der Dunkelheit wollten wir in einer der vielen Hütten übernachten. Unser Weg führte uns Anfangs durch eine Schlucht die von unzähligen Restaurants und Cafes gesäumt war. Wir wurden hier mit „Hello Mr., Mr. Hello“ überall umworben. Aber keine Zeit, wir wollten ja noch ein paar Höhenmeter absolvieren. Als wir dann endlich die Restaurants hinter uns gelassen haben, ging es über einen Klettersteig bis auf die Shirpalahütte auf ca. 2700m. Hier gab es für ca. 5€ Essen und einen Schlafplatz. Eine grandiosen Blick auf Teheran inklusive. Am nächsten Morgen ging es gegen 5 Uhr los und wir wollten die restlichen 1100hm bis zum Gipfel bewältigen. Im Dunkeln ging es dann mit Stirnlampen bewaffnet bergauf. So konnten wir von weit oben beobachten wie Teheran im Morgengrauen langsam erwacht. Patrick war extrem gereizt und ließ Frank das auch spüren, da es viel zu früh war! (Ja auch wir nerven uns an, aber wissen das es gemeinsam schöner ist als allein) 😉 Mit zunehmender Höhe wurden wir auch immer langsamer und uns ging schön die Puste aus, wir kamen ja auch nah an die 4000m Marke ran. Als wir dann oben angekommen sind, sah man in weiter Entfernung den höchsten Berg des Iran. Den 5680m hohen Damavand. An diesem soll ja bereits Reinhold Messner 5 mal gescheitert sein, allerdings hat gefühlt schon jeder 2te Iraner den Damavand bestiegen. Reinhold was war da los? Am Gipfel trafen wir dann noch ein paar Iraner, die dort übernachtet haben und dies als Vorbereitung für die Damavandbesteigung nutzen. Bergab haben wir uns dann die Gondel gegönnt, die nur ca. 2 km vom Gipfel entfernt ist.

Nachdem wir dann wieder bei Nazi und Said waren, mussten wir leider umziehen. Familienbesuch stand an. Wir waren wie immer ein wenig traurig zu gehen, hatten wir doch eine sehr schöne Zeit bei den beiden. So half uns Mehran aus mit dem wir schon vorher Kontakt aufgenommen hatten und vermittelte uns an seinen Kumpel Hassan. Der zwar nicht so gut Englisch sprach, aber ein sehr netter Kerl war. Wir waren happy so schnell eine Unterkunft gefunden zu haben.

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Frühstück mit Hassan (hinten) und Omet der schautz war ein bisschen ernst war aber sehr nett

Hassans Wohnung war ziemlich klein, er teilte Sie mit seinem Mitbewohner Omet, der ab und an auf der Couch schläft. Aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. Zusammen mit Hassan und seinen Freunden wurden wir zu einem Iranischen Picknick am Wochenende eingeladen. Picknicken und wandern ist am Wochende die Hauptbeschäftigung der Iraner. Hier geht es mit mächtig Proviant und Teppich auf den Berg. Für uns ein wenig unverständlich, wie viel Gewicht hier mit auf den Berg geschleppt wird. Aber andere Länder, andere Sitten. An einem schattigen Plätzchen wurde dann das Picknicklager zwischen den Felsen aufgeschlagen und Feuer gemacht. So haben wir zusammen mit Hasti und Vahid, ihrem Sohn, Sohre, Mehran und Hassan einen tollen Tag gehabt und einen tollen Einblick in die iranische Kultur bekommen.

Da noch ein wenig Zeit war bis zu unserem Flug, haben wir uns entschieden mit dem Bus die historische Stadt Isfahan zu besichtigen. Wir sind nach ca. 6h Fahrt angekommen und haben uns einige Sehenswürdigkeiten angesehen. So richtig motiviert waren wir nicht und haben uns am Abend ein Schlafplatz im Amir Kabir Hostel gesucht und gleich neue Leute kennengelernt. Am nächsten Tag hatten wir nach dem Frühstück eigentlich noch einige Dinge vor, bis wir dann Hans aus Münster beim Frühstück trafen. Wir unterhielten uns mit ihm den ganzen Tag und hatten sehr interessante Gespräche übers Reisen, Politik und alles mögliche. So haben wir den ganzen Tag im Hostel zusammen verbracht und die Zeit genoßen. Hans wir wünschen dir auf diesem Weg alles gute und weiterhin eine gute Zeit. Wir waren auch nicht böse, die vielen interesanten Dinge verpasst zu haben. Am Abend haben wir uns dann kurzfristig entschloßen früher nach Teheran zurück zu fahren. Wir mussten für unseren Flug nach Almaty noch einiges organisieren. Natürlich gibt es im Iran noch viele interessannte Orte wie z.B. Mashad, Persapolis oder auch Shiraz zu besichtigen. Aber irgendwie haben wir nach der ganzen Radfreien Zeit, mehr Lust wieder zu radeln.

So hat uns Mehran über einen Bikeshop für unseren Flug Fahrradkartons besorgt und noch ein Taxi zum Flughafen klargemacht. Für den Flug müssen wir die Bikes ein wenig zerlegen, damit Sie in die Kartons passen. Wollen wir mal hoffen, dass alles Sicher in Kasachstan ankommt.

Wir haben nun fast 3 Wochen im Iran verbracht und hier die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Iraner kennengelernt. Man wird hier überall gefragt wo man herkommt und alle sind super happy wenn wir sagen das wir aus Deutschland sind. Man wird sehr häufig eingeladen oder bekommt Essen geschenkt. Es soll schon Reiseradler gegeben haben die ohne Geld durch den Iran gereist sind. Die Iraner wollen im gleichen Atemzug natürlich auch wissen, wie wir ihr Land finden und wir können eigentlich im Bezug auf die Menschen nur positive Worte finden. Natürlich werden wir auch zur politischen Lage befragt, viele Iraner kritisieren die Regeierung und wissen um die Missstände des Landes. Wir haben uns immer ein wenig bedeckt gehalten und uns hier mehr neutral geäußert. Uns ist besonders die Kleidungsverordnung und die Internet Zensur sauer aufgestoßen. Die Internet Zensur konnten wir durch verschiedene VPN Verschlüsselungsprogramme umgehen. Die Kleidungsverordnung leider nicht und es ist für uns sehr fragwürdig, vorallem die Verschleierung der Frauen mit ihren komplett schwarzen Gewändern. Dennoch empfehlen wir euch, besucht den Iran und lasst euch von den Medien nicht verunsichern vor diesem tollen Land mit den herzlichsten Menschen auf unserer Reise bisher.

Auf in die Islamische Republik

Nach der Zwangspause aufgrund von Patricks Magenproblemen, sind wir am 29.7. um 5 Uhr in Kapan, Richtung Iranische Grenze aufgebrochen. Uns stand der bisher höchste Pass unserer Reise bevor, der uns bis auf ca. 2550m brachte. Die Fahrt führte uns durch ein langes Tal bis nach Kajahran. Die Steigung bis dahin war moderat, aber dennoch haben wir bis hier schon fast 1000hm überwunden. Bis zur Passhöhe hatten wir nochmals fast 750hm auf ca. 10km zu bewältigen. Auf unserem Weg hatten wir tolle Aussichten und extrem wenig Verkehr. Vom Pass ging es dann bis zur Iranischen Grenze nach Nurduz nur bergab, auf ca. 500hm. Wir haben hier direkt an der Grenze zwischen Armenien und dem Iran, im Samuel Hostel übernachtet. Hier wurden wir vom Besitzer herzlich empfangen und es ging mit seinen Kids gleich ins örtliche Schwimmbad. Wir hatten im rustikalen Pool ein grandioses Panorama und konnten uns natürlich schön abkühlen. Vom Hostel aus konnte man schon in den Iran schauen und die Grenzstation sehen.

Am nächsten Tag ging es dann wie immer um 5 Uhr raus und nach nur 1km waren wir schon an der Grenze. Zuerst wurden wir von den Armenischen Grenzbeamten abgefertigt, die teilweise von uns geweckt werden mussten, da Sie am Arbeitsplatz noch schliefen. Mit leicht verschlafenem Blick bekamen wir dann vom Grenzbeamten unsere Ausreisestempel in den Reisepass. Nun mussten wir noch ca. 500m bis zur Iranischen Grenzstation radeln. Wir wurden hier vorher bereits von einem Iranischen Polizisten ausgefragt, bevor wir dann in das Gebäude durften. Der ganze Ablauf an der Grenze hat zwar ein wenig gedauert, aber verlief ohne Probleme. Wir haben dann gleich noch unser restliches Geld umgetauscht, um liquide zu sein. Denn im Iran besteht keine Möglichkeit Geld auf der Bank abzuheben. Da der Iran vom internationalen Finanzhandel ausgeschlossen ist und wir somit alles was wir hier an Geld benötigen in Bar dabei haben müssen. Wir hatten uns hier bereits in der Türkei US Dollar besorgt und noch Euro von Zuhause dabei.

Vorab wollen wir mal eine kleine Einführung über den Iran geben. Der Iran bezeichnet sich selbst als Islamistische Republik. Dies bedeutet die Religion in diesem Falle der Islam, bestimmt die Politik und der Iran wird auch als Gottesstaat bezeichnet. Das Regierungssystem des Iran ist einzigartig in der Welt und ist mit unserer westlichen Vorstellung von Politik nicht vergleichbar. Wir wollen hier nicht alle Unterscheide aufzählen, aber jedoch einige die uns betreffen und vielleicht für Verwunderung sorgen. Es gibt eine Kleidungsordnung im Iran, den Frauen vorschreibt den Kopf zu verschleiern und lange Bekleidung zu tragen und das gilt auch für Touristen. Die Arme und Knie müssen bedeckt sein. Für Männer fällt das nicht so streng aus, jedoch sollte man hier im Alltag lange Hosen tragen, egal wie warm es ist. Als wir uns im Nachtzug nach Teheran mit kurzer Hose bewegten, wurden wir schon ein wenig schief angeschaut. Patrick wurde dann auch bei einem Halt von Zugpersonal darauf hingewiesen, bitte lange Hosen zutragen. Beim Sport ist es allerdings gestattet kurze Hosen zu tragen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Metro gibt es extra Frauenabteile die von Männern nicht betreten werden dürfen.

Ebenfalls ist es politisch nicht gerne gesehen, wenn Frauen Fahrrad fahren. Allerdings ändert sich die Gesellschaft im Moment schon langsam und wir haben einige Iranische Frauen auf dem Fahrrad gesehen, natürlich voll verschleiert. Auch zeigen die Frauen langsam etwas Haar und probieren bewusst sich zu entfalten.

Das Wochenende im Iran ist am Donnerstag und Freitag. So sind dann am Freitag viele Geschäfte zu. Ein leckeres Hefeweizen ist auch tabu. Es ist es verboten Alkohol zu trinken, so das man hier auch legal nirgendwo welchen erwerben kann.

So nun aber zu unseren ersten Eindrücken vom Iran. Die Landschaft im Iran änderte sich schlagartig und es wurde alles noch ein bisschen karger und wüstenartiger als in Armenien. Wir fuhren entlang eines Flusses, dieser stellte sogleich auch die Grenze vom Iran zu Armenien und Aserbaidschan dar. Nach ca. 30km erreichten wir die erste Stadt und machten hier auch gleich Frühstück. Es waren noch sehr viele Berge im Umkreis, aber viel grün war nicht mehr zu sehen. Die Temperaturen stiegen dann gegen 9 auch schon wieder und wir hatten hier bereits 30 bis 35 °C. Wir haben uns daher entschieden im Iran den Zug Richtung Teheran zu nehmen. Uns viel diese Entscheidung nicht schwer, haben wir doch bereits in Armenien die trockene Hitze kennengelernt. Wir wollen auch so viel wie möglich mit dem Rad fahren, jedoch bei Temperaturen um die 40°C, hört der Spaß dann auf 🙂 Es ist mit Sicherheit nicht unmöglich bei diesen Temperaturen zu fahren wie einige andere Reiseradler zeigen, aber man muss es ja auch nicht mit der Brechstange versuchen. Wir fuhren bis Jolfa, von dort sollte es mit dem Zug weitergehen.

In Jolfa checkten wir in einem kleinen Hotel ein und erholten uns von der Hitze des Vormittags. Hier mussten wir uns auch mit der Währung Rial vertraut machen. Wir hatten ca. 100 € getauscht und hatten so mal schnell über 4 Millionen Rial in der Tasche. Da die vielen Nullen den Iranern zu viel sind, haben Sie sich ihre eigene Währung einfallen lassen, den Tumen. Dabei wird jeweils die letzte Null weggestrichen. Das führte im ersten Restaurant zu einer heftigen Diskussion, da die Preise in Tumen ausgeschrieben waren. Aber umgerechnet 50 Cent für ein Essen wäre dann auch einfach zu günstig gewesen.

Wir haben uns im Bahnhof in Jolfa gleich nach dem Zug nach Täbris erkundigt und Tickets geordert. Der Zug fuhr am nächsten Tag gegen 18.00 Uhr los und wir wurden als Ausländische Gäste wie VIPs behandelt und durften mit unseren Bikes als erste in den Zug einsteigen und später mussten wir uns noch zum Zugpersonal im separaten Wagen setzen und wurden hier ausgefragt. Zugfahren ist im Iran sehr günstig. Wir haben für die 350km lange Fahrt bis nach Täbris ca. 3€ pro Person bezahlt. Die Züge sind meist ausrangierte Züge aus Europa, die schon einige Dienstjahre hinter sich haben. So sind wir dann gegen 9 Uhr Abends in Täbris angekommen. Wir hatten uns hier vorab mit Hassan verabredet der uns auf einem Pass in Armenien eingeladen hat. Während wir warteten, wurden wir ziemlich schnell von vielen Iranern umzingelt, die natürlich alles über uns und unsere Reise wissen wollten. Wir mussten für unzählige Selfies herhalten. Viele Iraner sind gut gebildet und sprechen daher sehr gut Englisch und so klappt die Verständigung super. Von der Landessprache Farsi, fehlt uns in Wort und Schrift jegliche Kenntnis.

Nach dem wir Hassan empfangen haben und er uns die Lage seiner Wohnung erklärt hat, ging es am späten Abend durch den Verkehr von Täbris. Wir wurden ja schon gewarnt das der Verkehr wild ist und daran ist absolut nichts auszusetzen. Hier gibt es gefühlt keine Regeln und der der am meisten hupt hat Vorfahrt. Aber Täbris sollte nur ein Vorgeschmack auf Teheran werden. Ein Iraner könnte mit der hier an den Tag gelegten Fahrweise und den Verstößen, innerhalb einer Stunde seinen Führerschein bei uns abgeben. Nachdem wir dann lebend bei Hassan angekommen sind, durften wir in der luxuriösen Wohnstube Platz nehmen und wurden rund um versorgt. Mit Wein (soviel zum Alkoholverbot im Iran), Süßigkeiten sowie Knabbereien und natürlich Tee. Wir haben hier gleich die ganze Familie von Hassan sowie die Familie von seinem Nachbarn Hosein kennengelernt. Nach kurzem Smalltalk ging es dann gegen 23Uhr mit zwei Autos ins naheliegende Fastfood Restaurant. Hier wurde Abendbrot gegessen und wir wurden natürlich eingeladen. Der Tagesablauf bei den Iranern ist schon etwas anders und hier findet alles ein wenig später statt. Gegen 2 Uhr nachts durften wir dann endlich zusammen mit Hassan auf dem Teppich in der Wohnstube schlafen legen.

Hassan erzählte uns das er mehrere Firmen in Täbris besitzt und wir diese am nächsten Tag besichtigen werden. So starteten wir gegen 9 Uhr am nächsten Morgen zu Hassans Firma, in der Schweißgeräte und Kompressoren hergestellt werden. Dort wurde ausgiebig gefrühstückt und wir besichtigten noch zwei Firmen von Hassan, in denen Stahlblech vertrieben wird. Nachdem Frühstück holte uns Hassans Freund und Nachbar Hosein ab. Wir fuhren mit ihm ca. 40 km zu seiner Plantage. Er hat eine riesige Villa mit einer ca. 5ha großen Obstplantage, die von ca. 20 Angestellten bewirtschaftet wird. Dort gab es eine ausgiebige Führung, frisches Obst und Mittag. Anschließend wurde nach dem harten Tag Mittagsschlaf gemacht. Obwohl Hassan kaum Englisch sprach und wir ihn erst am Vorabend kennengelernt haben, zeigte er uns alles und schenkte uns sein Vertrauen. Was auch beeindruckend ist, das man einen ganzen Arbeitstag aufbringt, um uns als Gäste zu bewirten und uns alles zeigt.

Am Abend ging es zurück Richtung Täbris mit einem Abstecher nach Kandovan. Kandovan ist ein Felsendorf bei dem die Häuser in den Fels gegraben wurden. Das Dorf hat für die Gegend große historische Bedeutung und diente im Lauf der Zeit als Zufluchtsort. Es war sehr interessant das verwinkelte Dorf mit den verschieden Wohnungen zu erkunden

Zurück in Täbris, erwartete uns Hassan mit Familie und es ging in einen Park. Erst ging es typisch iranisch Essen und anschließend am See flanieren. Hier war gefühlt halb Täbris mit seinen über 2,5 Millionen Einwohnern unterwegs.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Hassan und fuhren Richtung Bahnhof. Unser Zug nach Teheran sollte erst am Abend gehen. Aber wir mussten unsere Räder separat in einem Güterzug verladen. Das wollten wir dann doch persönlich verfolgen. Dieser sollte auch erst 6 Stunden nach unserer Ankunft in Teheran sein. So hatten wir noch fast den ganzen Tag Zeit, um ein wenig Sightseeing in Täbris zu machen.

Unser Zug nach Teheran fuhr gegen 17.30 Uhr los und sollte planmäßig am nächsten morgen gegen 6 Uhr in Teheran ankommen. Da stand uns also eine 12 stündige Zugfahrt im Schlafwagen bevor. Die Hitze war selbst im Zug mit ein wenig Klimatisierung noch spürbar und wir schmolzen so ganz langsam dahin. Anfangs waren wir noch euphorisch, das wir in unserem 6er Abteil alleine sind. Nachdem Halt am ersten Bahnhof, waren wir dann zu 6, da kam Freude in den 5m² auf. Später wurden dann noch ein paar Leute auf nicht besetzte Abteile verteilt, sodass wir dann am Ende doch nur zu dritt waren. Die Fahrt im Zug war rustikal und heiß, aber dennoch konnten wir in unseren schmalen Bettchen ein wenig schlafen. Gegen halb 6 am Morgen sind wir in Teheran eingelaufen und waren doch ein wenig zerknittert. Es war bereits am frühen Morgen über 30°C in Teheran und zusammen mit dem Smog der Stadt, ein absoluter Genuss. Im nächsten Blogbeitrag erfahrt ihr dann was wir in Teheran so alles angestellt haben.