Teil 2! Der Iran, hat es uns angetan!

Am Morgen sind wir gegen 6 Uhr in Teheran gestrandet. Unsere Bikes konnten wir erst um 14 Uhr abholen. Also ging es in einen Park um noch ein wenig schlafen. Wir haben zwei Bänke als Residenz gewählt, bis wir vom Parkpersonal geweckt wurden. Patrick besuchte die örtliche Toilette und übersah das Damensymbol, die schreiende und auf ihn mit Schuhen einschlagende Frau, machte ihm dann deutlich, den Raum zu verlassen und es flogen noch Schuhe hinterher. Als er dann draußen war wusste er warum und bemerkte das Schild. Größere Verletzungen blieben aus, der Schock saß tief. 🙂

In der Mittagshitze bei über 40°C, haben wir dann unsere Räder unversehrt abgeholt und uns auf den Weg ins Zentrum gemacht. Der Verkehr in Kombination mit der Hitze, waren absolut nervenaufreibend. Die Iraner fahren eigentlich wie Sie wollen. Ist die Straße zweispurig so steht man trotzem zu dritt oder viert nebeneinander an der Ampel. Diese hat auch nur dekorativen Zweck und findet keine weitere Beachtung. Überholt wird einfach ohne zu blinken, selbst der kommenden Gegenverkehr stellt hier kein Problem dar. Ganz nach dem Motto wird schon passen. Falls der Iraner mal die falsche Autobahn Ausfahrt genommen hat, kein Problem! Einfach gewendet oder rückwärts zurück auf der Autobahn.

Bei einer Busfahrt in Täbris wurde eine Frau vom Bus in dem wir saßen, in den Straßengraben gedrängt. Sie wollte nicht von der Straße, wer nicht hören will muss hier fühlen.

Wir haben klingeln am Fahrrad, wen interessierts, niemanden. Das Highlight aber sind die vielen Motorräder auf der Straße. Die Motorradfahrer halten sich an keine Regeln. Es wird sich überall durchgeschlängelt. Ist der Stau zu heftig, gehts auf dem Bürgersteig weiter oder es wird einfach entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf einer 5 spurigen Straße gefahren. Die Motorräder sind hier die Allzweckwaffe, auf ihnen wird einfach alles transportiert Waschmaschinen, Baumaterial, Teppiche einfach alles!!! Manchmal sind auf dem Mopped/Motorrad auch Menschen, die Anzahl beträgt meist 3-4 Personen. Natürlich ohne Helm. Wir haben dann auch mit 3 Jungs auf dem Motorrad bei fließenden Verkehr und voller Fahrt zum Selfie herhalten müssen.

In Teheran wollten wir das Visum für China beantragen. Aber zuerst mussten wir erstmal eine bleibe finden. Mehrere Hostels die wir angefahren haben konnten wir nicht finden. So klingelten wir einfach mal alle möglichen Warmshowers Hosts durch. Bei Nazi und Said hatten wir mega Glück. Nach kurzem Gespräch mit Said, wurden wir weitergereicht an einen Deutschen. Dieser uns sagte, wir hätten hier die Möglichkeit beim besten Warmshowers Host ganz Teherans zu übernachten. Also dann nix wie hin. So schnell kann sich das auf so einer Reise ändern. Angekommen bei unserem Host, wurden wir herzlich empfangen und waren nicht die einzigsten mit dem Rad. Yumbor der aus Taiwan bis nach Teheran radelte und noch bis nach Paris will, war ebenfalls zu Gast. Am interresantesten war allerdings Shahin, der eigentlich aus Teheran stammt aber aufgrund der Iranischen Revolution Ende der 80er Jahre als 13 Jähriger nach Deutschland flüchtete und jetzt als Künstler Arbeit und noch an der Universität in Aachen unterrichtet. Er ist von Deutschland mit einem Rhönrad bis nach Teheran gelaufen. Gebraucht hat er dafür 1 Jahr und 7 Monate. Seine Reise ist ein Kunstprojekt und für ihn schließt sich mit der Rückkehr nach Teheran ein Kreislauf, welcher vorallem durch sein rundes Röhnrad symbolisiert wird. Er kehrt somit das erstemal nach seiner Flucht vor dem Krieg zurück in seine Heimat. Sein Rhönrad will er dem Kunstmuseeum in Teheran spenden. Ein ziemlicher interesannter Typ. Wer Interesse hat, hier könnt ihr seine Reise verfolgen http://www.rolleast.de.

Die nächsten Tage standen im Zeichen des China Visums. Hierzu brauchten wir noch eine Bestätigung von der Deutschen Botschaft in Teheran das wir auch wirklich Inhaber unserer Pässe sind. Vor der Deutschen Botschaft war ziemlicher Andrang von Iranern die ein Visa für Deutschland bekommen wollen. Wir winkten dem Portier kurz mit unseren Pässen zu und schon durften wir uns durch die Menge in die Botschaft kämpfen. Der Portier kam aus Köln und so hatten wir gleich Spaß und durften dann nach kurzem Sicherheitscheck in die Botschaft. Die Aushändigung unserer Unbedenklichkeitserklärung ging zügig und wir wurden sehr nett empfangen. Daher konnten wir die schlechten Bewertungen aus dem Internet über die Botschaft absolut nicht nachvollziehen.

Danach ging es daran die Visa Formulare für China auszufüllen und passend auszudrucken. Hier schlichen sich natürlich Fehler ein und wir haben das Prozedere dreimal wiederholt. Zwei Tage später ging es dann auf die Chinesische Botschaft mit ebenfalls mächtig Andrang. Nach der Vorlage unser Unterlagen am Schalter bei einer ziemlich genervten Chinesischen Mitarbeiterin, wurden wir abgewiesen. Sie gab uns zu verstehen ohne vorher gebuchtes Flugticket (damit die Ausreise abgesichert ist) wird das definitiv nix und man könne maximal einen Monat vor Einreise das Visa beantragen. Sie gab uns unsere Ungerlagen wieder. Hierrauf wurde ein schärferer Ton angeschlagen und die Diskussion startete. Wir argumentierten, den Flug erst nach Visa erhalt zu buchen, da wir ja unser Geld nicht zum Fenster rauswerfen wollen. Wichtig ist hier vorallem das man kein Wort darüber verliert mit dem Fahrrad einzureisen und nicht über den Landweg von Westen aus, das mögen die Chinesen gar nicht. 🙂 Nach einer weiteren Diskussion mit ihrem Vorgesetzten wurden unsere Unterlagen doch angenommen und wir bekammen eine Einzahlungsbestätigung für die Bank wo wir unsere Visagebühren entrichten sollten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl verließen wir die Botschaft und zahlten unsere 40 US Dollar pro Nase auf der Bank ein. Wir sollten in 5 Tagen wiederkommen und unsere Reisepässe abholen. Also ging es nach fünf Tagen wieder auf die Botschaft und wir haben kurioser Weise ein Visum für 3 Monate erhalten, mit einem Einreisezeitraum von 3 Monaten. Dies gleicht einem 6er im Lotto! Wir waren natürlich voll aus dem Häuschen und hätten damit nicht gerechnet. So konnten wir auch unseren weiteren Verlauf der Reise planen. Unser Plan war es eigentlich durch Turkmenistan und Usbekistan nach Kirgisistan zu fahren. Allerdings gibt es häufig Visa Probleme für Turkemnistan und wenn überhaupt, dann bekommt man nur Transitvisa für 3-5 Tage. Das machte für uns keinen Sinn durch ein Land durchzuhetzen. Ebenfalls die Kosten für das Turkmenistan und Usbekistan Visum, sind ziemlich hoch. So entschieden wir uns für die Option von Teheran aus nach Almaty in die Hauptstadt nach Kasachstan mit unseren Bikes zu fliegen. Von hier aus werden wir dann über Kirgisistan nach China einreisen. Auf der einen Seite ist natürlich schön den kompletten Weg zu fahren aber andererseits wollen wir keine Rekorde aufstellen und müssen uns nichts beweisen. Mit dem China Visum in der Tasche konnten wir nun unsere Zeit in Teheran genießen und entspannt dem weiteren Verlauf der Reise entgegen sehen.

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Super Happy über uns China Visum !!!

Die Zeit bei Nazi und Said war wirklich schön. Es ist eigentlich ein Zufall das die beiden in Tehran sind. Hatten Sie sich doch seit über einem Jahr auf eine Tour durch Europa vorbereitet und gefreut. Allerdings wurde ihr Visa in letzter Minute abgelehnt und alle Vorbereitungen waren umsonst. Wir sehen an solchen Beispielen immer wieder, wie wertvoll unser Reisepass ist und wie priviliegiert wir uns fühlen dürfen Deutsche Staatsbürger zu sein. Wir hoffen auch das ihr das zu Hause nie vergesst.

So haben wir in Teheran ein bisschen Sightseeing gemacht, auch wenn das bei der täglichen Hitze vorallem draußen sehr anstrengend ist. Frank hat zusammen mit Faraz den wir in Batumi kennengelernt haben eine kleine Stadtführung zum großen Basar und einigen Moscheen bekommen und im ältesten Restaurant in Teheran gegessen. Nebenbei haben wir uns einige Museen wie z.B. Das Natinal Museum und das Omidvar Brüder Museum angesehen. Die beiden Brüder haben in den 50er Jahren die Welt mit zwei Motorrädern berreist und waren hier fast sieben Jahre lang unterwegs.

Teheran ist in nördlicher Richtung von einem Gebirge umgeben, welches den 3964m hohen Tochal beherbergt. Patrick wollte hoch, Frank durfte mit :-). Wir fuhren mit der Metro bis zur letzten Station Tajrish, von dort starteten wir am Abend. Bei Einbruch der Dunkelheit wollten wir in einer der vielen Hütten übernachten. Unser Weg führte uns Anfangs durch eine Schlucht die von unzähligen Restaurants und Cafes gesäumt war. Wir wurden hier mit „Hello Mr., Mr. Hello“ überall umworben. Aber keine Zeit, wir wollten ja noch ein paar Höhenmeter absolvieren. Als wir dann endlich die Restaurants hinter uns gelassen haben, ging es über einen Klettersteig bis auf die Shirpalahütte auf ca. 2700m. Hier gab es für ca. 5€ Essen und einen Schlafplatz. Eine grandiosen Blick auf Teheran inklusive. Am nächsten Morgen ging es gegen 5 Uhr los und wir wollten die restlichen 1100hm bis zum Gipfel bewältigen. Im Dunkeln ging es dann mit Stirnlampen bewaffnet bergauf. So konnten wir von weit oben beobachten wie Teheran im Morgengrauen langsam erwacht. Patrick war extrem gereizt und ließ Frank das auch spüren, da es viel zu früh war! (Ja auch wir nerven uns an, aber wissen das es gemeinsam schöner ist als allein) 😉 Mit zunehmender Höhe wurden wir auch immer langsamer und uns ging schön die Puste aus, wir kamen ja auch nah an die 4000m Marke ran. Als wir dann oben angekommen sind, sah man in weiter Entfernung den höchsten Berg des Iran. Den 5680m hohen Damavand. An diesem soll ja bereits Reinhold Messner 5 mal gescheitert sein, allerdings hat gefühlt schon jeder 2te Iraner den Damavand bestiegen. Reinhold was war da los? Am Gipfel trafen wir dann noch ein paar Iraner, die dort übernachtet haben und dies als Vorbereitung für die Damavandbesteigung nutzen. Bergab haben wir uns dann die Gondel gegönnt, die nur ca. 2 km vom Gipfel entfernt ist.

Nachdem wir dann wieder bei Nazi und Said waren, mussten wir leider umziehen. Familienbesuch stand an. Wir waren wie immer ein wenig traurig zu gehen, hatten wir doch eine sehr schöne Zeit bei den beiden. So half uns Mehran aus mit dem wir schon vorher Kontakt aufgenommen hatten und vermittelte uns an seinen Kumpel Hassan. Der zwar nicht so gut Englisch sprach, aber ein sehr netter Kerl war. Wir waren happy so schnell eine Unterkunft gefunden zu haben.

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Frühstück mit Hassan (hinten) und Omet der schautz war ein bisschen ernst war aber sehr nett

Hassans Wohnung war ziemlich klein, er teilte Sie mit seinem Mitbewohner Omet, der ab und an auf der Couch schläft. Aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. Zusammen mit Hassan und seinen Freunden wurden wir zu einem Iranischen Picknick am Wochenende eingeladen. Picknicken und wandern ist am Wochende die Hauptbeschäftigung der Iraner. Hier geht es mit mächtig Proviant und Teppich auf den Berg. Für uns ein wenig unverständlich, wie viel Gewicht hier mit auf den Berg geschleppt wird. Aber andere Länder, andere Sitten. An einem schattigen Plätzchen wurde dann das Picknicklager zwischen den Felsen aufgeschlagen und Feuer gemacht. So haben wir zusammen mit Hasti und Vahid, ihrem Sohn, Sohre, Mehran und Hassan einen tollen Tag gehabt und einen tollen Einblick in die iranische Kultur bekommen.

Da noch ein wenig Zeit war bis zu unserem Flug, haben wir uns entschieden mit dem Bus die historische Stadt Isfahan zu besichtigen. Wir sind nach ca. 6h Fahrt angekommen und haben uns einige Sehenswürdigkeiten angesehen. So richtig motiviert waren wir nicht und haben uns am Abend ein Schlafplatz im Amir Kabir Hostel gesucht und gleich neue Leute kennengelernt. Am nächsten Tag hatten wir nach dem Frühstück eigentlich noch einige Dinge vor, bis wir dann Hans aus Münster beim Frühstück trafen. Wir unterhielten uns mit ihm den ganzen Tag und hatten sehr interessante Gespräche übers Reisen, Politik und alles mögliche. So haben wir den ganzen Tag im Hostel zusammen verbracht und die Zeit genoßen. Hans wir wünschen dir auf diesem Weg alles gute und weiterhin eine gute Zeit. Wir waren auch nicht böse, die vielen interesanten Dinge verpasst zu haben. Am Abend haben wir uns dann kurzfristig entschloßen früher nach Teheran zurück zu fahren. Wir mussten für unseren Flug nach Almaty noch einiges organisieren. Natürlich gibt es im Iran noch viele interessannte Orte wie z.B. Mashad, Persapolis oder auch Shiraz zu besichtigen. Aber irgendwie haben wir nach der ganzen Radfreien Zeit, mehr Lust wieder zu radeln.

So hat uns Mehran über einen Bikeshop für unseren Flug Fahrradkartons besorgt und noch ein Taxi zum Flughafen klargemacht. Für den Flug müssen wir die Bikes ein wenig zerlegen, damit Sie in die Kartons passen. Wollen wir mal hoffen, dass alles Sicher in Kasachstan ankommt.

Wir haben nun fast 3 Wochen im Iran verbracht und hier die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Iraner kennengelernt. Man wird hier überall gefragt wo man herkommt und alle sind super happy wenn wir sagen das wir aus Deutschland sind. Man wird sehr häufig eingeladen oder bekommt Essen geschenkt. Es soll schon Reiseradler gegeben haben die ohne Geld durch den Iran gereist sind. Die Iraner wollen im gleichen Atemzug natürlich auch wissen, wie wir ihr Land finden und wir können eigentlich im Bezug auf die Menschen nur positive Worte finden. Natürlich werden wir auch zur politischen Lage befragt, viele Iraner kritisieren die Regeierung und wissen um die Missstände des Landes. Wir haben uns immer ein wenig bedeckt gehalten und uns hier mehr neutral geäußert. Uns ist besonders die Kleidungsverordnung und die Internet Zensur sauer aufgestoßen. Die Internet Zensur konnten wir durch verschiedene VPN Verschlüsselungsprogramme umgehen. Die Kleidungsverordnung leider nicht und es ist für uns sehr fragwürdig, vorallem die Verschleierung der Frauen mit ihren komplett schwarzen Gewändern. Dennoch empfehlen wir euch, besucht den Iran und lasst euch von den Medien nicht verunsichern vor diesem tollen Land mit den herzlichsten Menschen auf unserer Reise bisher.

Auf in die Islamische Republik

Nach der Zwangspause aufgrund von Patricks Magenproblemen, sind wir am 29.7. um 5 Uhr in Kapan, Richtung Iranische Grenze aufgebrochen. Uns stand der bisher höchste Pass unserer Reise bevor, der uns bis auf ca. 2550m brachte. Die Fahrt führte uns durch ein langes Tal bis nach Kajahran. Die Steigung bis dahin war moderat, aber dennoch haben wir bis hier schon fast 1000hm überwunden. Bis zur Passhöhe hatten wir nochmals fast 750hm auf ca. 10km zu bewältigen. Auf unserem Weg hatten wir tolle Aussichten und extrem wenig Verkehr. Vom Pass ging es dann bis zur Iranischen Grenze nach Nurduz nur bergab, auf ca. 500hm. Wir haben hier direkt an der Grenze zwischen Armenien und dem Iran, im Samuel Hostel übernachtet. Hier wurden wir vom Besitzer herzlich empfangen und es ging mit seinen Kids gleich ins örtliche Schwimmbad. Wir hatten im rustikalen Pool ein grandioses Panorama und konnten uns natürlich schön abkühlen. Vom Hostel aus konnte man schon in den Iran schauen und die Grenzstation sehen.

Am nächsten Tag ging es dann wie immer um 5 Uhr raus und nach nur 1km waren wir schon an der Grenze. Zuerst wurden wir von den Armenischen Grenzbeamten abgefertigt, die teilweise von uns geweckt werden mussten, da Sie am Arbeitsplatz noch schliefen. Mit leicht verschlafenem Blick bekamen wir dann vom Grenzbeamten unsere Ausreisestempel in den Reisepass. Nun mussten wir noch ca. 500m bis zur Iranischen Grenzstation radeln. Wir wurden hier vorher bereits von einem Iranischen Polizisten ausgefragt, bevor wir dann in das Gebäude durften. Der ganze Ablauf an der Grenze hat zwar ein wenig gedauert, aber verlief ohne Probleme. Wir haben dann gleich noch unser restliches Geld umgetauscht, um liquide zu sein. Denn im Iran besteht keine Möglichkeit Geld auf der Bank abzuheben. Da der Iran vom internationalen Finanzhandel ausgeschlossen ist und wir somit alles was wir hier an Geld benötigen in Bar dabei haben müssen. Wir hatten uns hier bereits in der Türkei US Dollar besorgt und noch Euro von Zuhause dabei.

Vorab wollen wir mal eine kleine Einführung über den Iran geben. Der Iran bezeichnet sich selbst als Islamistische Republik. Dies bedeutet die Religion in diesem Falle der Islam, bestimmt die Politik und der Iran wird auch als Gottesstaat bezeichnet. Das Regierungssystem des Iran ist einzigartig in der Welt und ist mit unserer westlichen Vorstellung von Politik nicht vergleichbar. Wir wollen hier nicht alle Unterscheide aufzählen, aber jedoch einige die uns betreffen und vielleicht für Verwunderung sorgen. Es gibt eine Kleidungsordnung im Iran, den Frauen vorschreibt den Kopf zu verschleiern und lange Bekleidung zu tragen und das gilt auch für Touristen. Die Arme und Knie müssen bedeckt sein. Für Männer fällt das nicht so streng aus, jedoch sollte man hier im Alltag lange Hosen tragen, egal wie warm es ist. Als wir uns im Nachtzug nach Teheran mit kurzer Hose bewegten, wurden wir schon ein wenig schief angeschaut. Patrick wurde dann auch bei einem Halt von Zugpersonal darauf hingewiesen, bitte lange Hosen zutragen. Beim Sport ist es allerdings gestattet kurze Hosen zu tragen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Metro gibt es extra Frauenabteile die von Männern nicht betreten werden dürfen.

Ebenfalls ist es politisch nicht gerne gesehen, wenn Frauen Fahrrad fahren. Allerdings ändert sich die Gesellschaft im Moment schon langsam und wir haben einige Iranische Frauen auf dem Fahrrad gesehen, natürlich voll verschleiert. Auch zeigen die Frauen langsam etwas Haar und probieren bewusst sich zu entfalten.

Das Wochenende im Iran ist am Donnerstag und Freitag. So sind dann am Freitag viele Geschäfte zu. Ein leckeres Hefeweizen ist auch tabu. Es ist es verboten Alkohol zu trinken, so das man hier auch legal nirgendwo welchen erwerben kann.

So nun aber zu unseren ersten Eindrücken vom Iran. Die Landschaft im Iran änderte sich schlagartig und es wurde alles noch ein bisschen karger und wüstenartiger als in Armenien. Wir fuhren entlang eines Flusses, dieser stellte sogleich auch die Grenze vom Iran zu Armenien und Aserbaidschan dar. Nach ca. 30km erreichten wir die erste Stadt und machten hier auch gleich Frühstück. Es waren noch sehr viele Berge im Umkreis, aber viel grün war nicht mehr zu sehen. Die Temperaturen stiegen dann gegen 9 auch schon wieder und wir hatten hier bereits 30 bis 35 °C. Wir haben uns daher entschieden im Iran den Zug Richtung Teheran zu nehmen. Uns viel diese Entscheidung nicht schwer, haben wir doch bereits in Armenien die trockene Hitze kennengelernt. Wir wollen auch so viel wie möglich mit dem Rad fahren, jedoch bei Temperaturen um die 40°C, hört der Spaß dann auf 🙂 Es ist mit Sicherheit nicht unmöglich bei diesen Temperaturen zu fahren wie einige andere Reiseradler zeigen, aber man muss es ja auch nicht mit der Brechstange versuchen. Wir fuhren bis Jolfa, von dort sollte es mit dem Zug weitergehen.

In Jolfa checkten wir in einem kleinen Hotel ein und erholten uns von der Hitze des Vormittags. Hier mussten wir uns auch mit der Währung Rial vertraut machen. Wir hatten ca. 100 € getauscht und hatten so mal schnell über 4 Millionen Rial in der Tasche. Da die vielen Nullen den Iranern zu viel sind, haben Sie sich ihre eigene Währung einfallen lassen, den Tumen. Dabei wird jeweils die letzte Null weggestrichen. Das führte im ersten Restaurant zu einer heftigen Diskussion, da die Preise in Tumen ausgeschrieben waren. Aber umgerechnet 50 Cent für ein Essen wäre dann auch einfach zu günstig gewesen.

Wir haben uns im Bahnhof in Jolfa gleich nach dem Zug nach Täbris erkundigt und Tickets geordert. Der Zug fuhr am nächsten Tag gegen 18.00 Uhr los und wir wurden als Ausländische Gäste wie VIPs behandelt und durften mit unseren Bikes als erste in den Zug einsteigen und später mussten wir uns noch zum Zugpersonal im separaten Wagen setzen und wurden hier ausgefragt. Zugfahren ist im Iran sehr günstig. Wir haben für die 350km lange Fahrt bis nach Täbris ca. 3€ pro Person bezahlt. Die Züge sind meist ausrangierte Züge aus Europa, die schon einige Dienstjahre hinter sich haben. So sind wir dann gegen 9 Uhr Abends in Täbris angekommen. Wir hatten uns hier vorab mit Hassan verabredet der uns auf einem Pass in Armenien eingeladen hat. Während wir warteten, wurden wir ziemlich schnell von vielen Iranern umzingelt, die natürlich alles über uns und unsere Reise wissen wollten. Wir mussten für unzählige Selfies herhalten. Viele Iraner sind gut gebildet und sprechen daher sehr gut Englisch und so klappt die Verständigung super. Von der Landessprache Farsi, fehlt uns in Wort und Schrift jegliche Kenntnis.

Nach dem wir Hassan empfangen haben und er uns die Lage seiner Wohnung erklärt hat, ging es am späten Abend durch den Verkehr von Täbris. Wir wurden ja schon gewarnt das der Verkehr wild ist und daran ist absolut nichts auszusetzen. Hier gibt es gefühlt keine Regeln und der der am meisten hupt hat Vorfahrt. Aber Täbris sollte nur ein Vorgeschmack auf Teheran werden. Ein Iraner könnte mit der hier an den Tag gelegten Fahrweise und den Verstößen, innerhalb einer Stunde seinen Führerschein bei uns abgeben. Nachdem wir dann lebend bei Hassan angekommen sind, durften wir in der luxuriösen Wohnstube Platz nehmen und wurden rund um versorgt. Mit Wein (soviel zum Alkoholverbot im Iran), Süßigkeiten sowie Knabbereien und natürlich Tee. Wir haben hier gleich die ganze Familie von Hassan sowie die Familie von seinem Nachbarn Hosein kennengelernt. Nach kurzem Smalltalk ging es dann gegen 23Uhr mit zwei Autos ins naheliegende Fastfood Restaurant. Hier wurde Abendbrot gegessen und wir wurden natürlich eingeladen. Der Tagesablauf bei den Iranern ist schon etwas anders und hier findet alles ein wenig später statt. Gegen 2 Uhr nachts durften wir dann endlich zusammen mit Hassan auf dem Teppich in der Wohnstube schlafen legen.

Hassan erzählte uns das er mehrere Firmen in Täbris besitzt und wir diese am nächsten Tag besichtigen werden. So starteten wir gegen 9 Uhr am nächsten Morgen zu Hassans Firma, in der Schweißgeräte und Kompressoren hergestellt werden. Dort wurde ausgiebig gefrühstückt und wir besichtigten noch zwei Firmen von Hassan, in denen Stahlblech vertrieben wird. Nachdem Frühstück holte uns Hassans Freund und Nachbar Hosein ab. Wir fuhren mit ihm ca. 40 km zu seiner Plantage. Er hat eine riesige Villa mit einer ca. 5ha großen Obstplantage, die von ca. 20 Angestellten bewirtschaftet wird. Dort gab es eine ausgiebige Führung, frisches Obst und Mittag. Anschließend wurde nach dem harten Tag Mittagsschlaf gemacht. Obwohl Hassan kaum Englisch sprach und wir ihn erst am Vorabend kennengelernt haben, zeigte er uns alles und schenkte uns sein Vertrauen. Was auch beeindruckend ist, das man einen ganzen Arbeitstag aufbringt, um uns als Gäste zu bewirten und uns alles zeigt.

Am Abend ging es zurück Richtung Täbris mit einem Abstecher nach Kandovan. Kandovan ist ein Felsendorf bei dem die Häuser in den Fels gegraben wurden. Das Dorf hat für die Gegend große historische Bedeutung und diente im Lauf der Zeit als Zufluchtsort. Es war sehr interessant das verwinkelte Dorf mit den verschieden Wohnungen zu erkunden

Zurück in Täbris, erwartete uns Hassan mit Familie und es ging in einen Park. Erst ging es typisch iranisch Essen und anschließend am See flanieren. Hier war gefühlt halb Täbris mit seinen über 2,5 Millionen Einwohnern unterwegs.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Hassan und fuhren Richtung Bahnhof. Unser Zug nach Teheran sollte erst am Abend gehen. Aber wir mussten unsere Räder separat in einem Güterzug verladen. Das wollten wir dann doch persönlich verfolgen. Dieser sollte auch erst 6 Stunden nach unserer Ankunft in Teheran sein. So hatten wir noch fast den ganzen Tag Zeit, um ein wenig Sightseeing in Täbris zu machen.

Unser Zug nach Teheran fuhr gegen 17.30 Uhr los und sollte planmäßig am nächsten morgen gegen 6 Uhr in Teheran ankommen. Da stand uns also eine 12 stündige Zugfahrt im Schlafwagen bevor. Die Hitze war selbst im Zug mit ein wenig Klimatisierung noch spürbar und wir schmolzen so ganz langsam dahin. Anfangs waren wir noch euphorisch, das wir in unserem 6er Abteil alleine sind. Nachdem Halt am ersten Bahnhof, waren wir dann zu 6, da kam Freude in den 5m² auf. Später wurden dann noch ein paar Leute auf nicht besetzte Abteile verteilt, sodass wir dann am Ende doch nur zu dritt waren. Die Fahrt im Zug war rustikal und heiß, aber dennoch konnten wir in unseren schmalen Bettchen ein wenig schlafen. Gegen halb 6 am Morgen sind wir in Teheran eingelaufen und waren doch ein wenig zerknittert. Es war bereits am frühen Morgen über 30°C in Teheran und zusammen mit dem Smog der Stadt, ein absoluter Genuss. Im nächsten Blogbeitrag erfahrt ihr dann was wir in Teheran so alles angestellt haben.

Armenien: Hitze, Berge und Zwangspause !!!

Nachdem wir ungewollt noch am späten Abend von Georgien nach Armenien über die Grenze eingefahren sind und hier in unserer ersten Nacht heftigen Regen hatten, empfing uns der nächste Morgen mit strahlenden Sonnenschein und vielen Kühen. Die umliegenden Bauern, trieben hier im Morgengrauen, die Kühe direkt an unserem Zelt vorbei. Das war ein wenig beängstigend, da durch die tief stehende Sonne, die Kühe als riesengroße Schatten an unserem Zelt vorbeimarschierten. Wir dachten jedenfalls hoffentlich rennt hier keine von den fast 50 Kühen durchs Zelt.

Nach kurzem Frühstück ging es dann auf einer geraden Straße auf dem Hochplateau auf ca. 2000m mit wunderschöner Landschaft unsere ersten Kilometer durch Armenien. Die Landschaft hier ähnelte natürlich sehr der von Georgien, wurde aber umso tiefer wir kamen deutlich karger und nicht mehr ganz so grün.

Um hier einzukaufen, brauchten wir natürlich Geld. So gings im ersten größeren Ort in die örtliche Bank, da wir noch unser Georgisches Geld umtauschen wollten. Wir waren natürlich zu früh dran und mussten noch ein wenig warten, bis die Bank öffnete. Wir zogen natürlich gleich alle Blicke auf uns und so dauerte es nicht lange, das die  anwesenden Bankangestellten sich um uns versammelten. Sie waren natürlich total begeistert von unserem Trip. Die Jungs wollten alles wissen, einer von ihnen sprach ein wenig Englisch und so konnten wir das ein oder andere verständlich erklären. Wir bekamen dann von ihnen sogar noch Obst und Früchte geschenkt und Sie bestanden darauf das wir das Bild mit ihnen auf unserem Blog hochladen. Jetzt erklären sich auch die vielen Website Aufrufe aus Armenien, sie warten schon !!!

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Die Jungs von der Acba-Credit-Agricole-Bank

Unsere Fahrt ging dann weiter, langsam bergab, jedoch mit viel Gegenwind. Das Wetter war kühl und angenehm. Wir mussten sogar Zeitweise die Jacken rausholen. Aber das mit dem Wetter sollte sich im späteren Verlauf unserer Fahrt durch Armenien noch ändern. Wir sind hier sogar mehrmals durch den Regen ordentlich nass geworden. Die Landschaft wurde immer karger und eintöniger. Jedoch sah man schon immer noch Berge am Horizont. Wir passierten viele kleine Ortschaften, welche in schlechtem Zustand waren. Überall um die Ortschaften lagen viele Autofracks sowie sahen die Häuser alle sehr baufällig aus. Unsere erste größere Stadt sollte Gjumri sein. Hier hatten wir auch unseren ersten Arzttermin. Da sich Franks Brücke von seinen Backenzähnen in Georgien gelöst hat. Wir waren ein wenig skeptisch, ob das alles so nach unserer Zufriedenheit erledigt wird. So probierte Frank sein Glück, an einem von außen recht ansprechenden Gebäude. Nach kurzer Absprache auf Englisch und Russisch, ging der Zahnarzt ans Werk. Der veranschlagte Preis für die Behandlung belief sich auf unglaubliche 6€. Der Zahnarzt erledigte seine Sache gut und nun kann Frank wieder schmerzfrei essen und trinken.

Die Stadt Gjumri war der totale Gegensatz zur ländlichen Gegend, durch die wir gefahren sind. Die Stadt war sehr aufgeräumt, sauber und bestand aus ansehnlichen Gebäuden und einem sehr netten Innenstadtbereich. Nach einer längeren Pause, fanden wir hier an einem nahegelegen kleinen Stausee einen netten Zeltplatz. Dort haben wir bereits gemerkt Armenien wird heiß. So hieß es am nächsten Morgen um 6 raus, damit wir bei kühlen Temperaturen Richtung der Hauptstadt starten konnten. Die Landschaft blieb weiterhin sehr karg und trocken und es wurde bereits ordentlich heiß im Verlaufe des Tages. Die letzten Kilometer in die Hauptstadt Yerivan nutzten wir die Autobahn, um so auf den direktesten weg in die Stadt zu kommen.

In Yerivan haben wir uns ein Hostel im Zentrum gesucht. Auf dem Platz der Republik befindet sich ein Wasserbecken mit Fontänen. Hier wird jeden Abend im Sommer eine Wassershow mit Musik abgehalten. Wir haben das ganze mehr durch Zufall mitbekommen und waren begeistert von der farbenfrohen Wassershow. Das ganze Becken war von mehreren hunderten Menschen gesäumt und es bot im dunkeln eine tolle Atmosphäre.

Anschließend haben wir uns ins Nachtleben gestürzt. Wir haben ein Underground Rock Konzert besucht und die ein oder andere Bar abgeklappert 🙂 Wir waren insgesamt drei Tage in Yerivan und haben uns die Stadt auch bei Tag angeschaut und natürlich ein wenig entspannt. Die Stadt wirkte auf uns sehr modern mit vielen Grünflächen, Parks und natürlich vielen jungen Menschen. Stellenweise erinnerte es uns ein wenig an Budapest. In Yerivan lernten wir auch das erstemal die Hitze kennen, die uns demnächst verfolgen wird. Wir hatten hier tagsüber bis zu 40 °C. So wundert es uns nicht, dass man die meisten Menschen erst in den Abendstunden draußen sieht.

Am 18.7. sind wir dann in den frühen Morgenstunden gegen 6.30 Uhr in Yerivan aufgebrochen, um der Hitze zu entgehen. Wir konnten aus Yerivan heraus die wenig befahrene Autobahn nutzen. Imposant war auch den höchsten Berg der Türkei den 5137m hohen Ararat in ständiger Sichtweite zu haben. Aufgrund des diesigen Wetters kommt er auf den Fotos leider nicht so gut rüber. Der Straße folgten wir ca. 65 km bis wir dann gegen Mittag in die Berge kamen. Wir fuhren hier in Sichtweite der Grenze der autonomen Republik Nachitschewan die zu Aserbaidschan gehört. Hier sahen wir auf den Bergrücken viele kleine Schützengräben, MG- und Flak Posten. Solange man die Hauptstraße nicht verlässt, ist man in Sicherheit. Das Militär ist in Armenien überall sehr präsent.

Nachdem die Berge kamen, unterschätzen wir die brutale Hitze doch ein wenig und nach einem kurzen Melonen Einkauf, stoppten wir wenige Kilometer weiter unter einem kleinen Blechdach. Die Luft ist sehr trocken so das man bereits nach kurzer Zeit das Gefühl hat, einen Staubtrockenen Mund zu haben. So haben wir hier pausiert und uns dann einige Stunden später aufgemacht den Pass zu erklimmen. Zum Glück kam ein sehr langsamer LKW, bei dem wir uns an der Ladefläche für ca. 15km festhalten konnten. Als der Fahrer stoppte fand er das gar nicht so lustig und jetzt wusste er auch warum ihm alle überholenden Fahrzeuge zu hupten. Die letzten Meter des Passes bewältigten wir dann selbst und hier zogen glücklicherweise Wolken auf und die Temperaturen sanken ein wenig. Auf unserer Karte entdeckten wir in der Nähe des Ortes Zangakatun, einen kleinen See den wir ansteuerten. Während wir unser Zelt aufbauten, kam auch ein Hirte mit seiner Herde Ziegen vorbei und trieb Sie zurück ins Dorf. In Armeneinen wird viel Viehzucht betrieben und die Menschen treiben ihre Tiere jeden Morgen auf die Weiden in die Berge hinauf. Am späten Abend, besuchte uns ein Bauer mit zwei Flaschen in der Hand. Patrick befürchtete schon das wir jetzt wohl hoffentlich kein Wodka trinken müssen. Der nette ältere Herr sprach sogar ein wenig Deutsch und brachte uns Trinkwasser vorbei. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihm und bedankten uns für diese tolle Geste. Anschließend ging es früh ins Bett, um halb sechs geht’s dann ja schon wieder raus. Am nächsten Morgen sind wir gegen halb sieben gestartet und hatten von unserem Zeltplatz der auf ca. 1800m lag, eine ca. 15 km lange Abfahrt mit einem tollen Sonnenaufgang und grandioser Aussicht. Bereits nach unseren zweiten Frühstück um halb neun war es furchtbar heiß. Wir fuhren dann noch ca. bis 11 Uhr und machten dann Mittagspause.

Da uns ein weiterer Pass bevorstand der bis auf 2300m hochgeht, versuchten wir unser Glück per Anhalter mitzufahren. Nach einiger Zeit hielt hier ein alter Gaz-53 LKW an und wir durften mit den Jungs auf der Ladefläche mitfahren. Die Fahrt war sehr holprig und wir flogen ziemlich umher auf der Ladefläche. Wir mussten auch mehrmals bergauf stoppen, da der Motor bei den Temperaturen einfach zu heiß gelaufen ist. Hier wurde einfach ein Eimer Wasser in die Kühlerschlitze geschüttet und die Motorhaube geöffnet. Unterwegs haben wir noch eine Schweizer Familie eingesammelt, die wir bereits mehrere Kilometer vorher getroffen haben. Die drei waren sichtlich froh, da Sie sich ein paar Höhenmeter sparen konnten. Kurz vor dem Pass ca. 5 km, mussten wir dann alle absteigen. Die Jungs fuhren auf ein Feld, um dort Heu zu Laden. Wir waren jedenfalls sehr dankbar, das wir uns die fast 1000 hm bei den Temperaturen sparen konnten. Die letzten Meter auf den Pass hoch, hatten wir dann wieder ordentlich Gegenwind und es ging ziemlich steil hinauf auf die 2300m. Die Temperaturen waren hier auch wieder erträglich und kühl. Bei einer kurzen Pause auf dem Pass, wo wir unsere Wasserflaschen an einer Quelle vollmachten lernten wir Hasan aus Täbris im Iran kennen. Dieser gab uns sofort seine Handynummer und wir sollten ihn doch unbedingt anrufen, wenn wir in Täbris/Iran sind. Dies Hilfsbereitschaft haben wir schon mehrfach von den Iranern kennengelernt, die wir getroffen haben. So haben wir zusammen schon über 10 Telefonnummern gesammelt. Wir sind daher schon ziemlich gespannt, was uns im Iran erwartet.

Nach einer kurzen Abfahrt, fanden wir einen grandiosen Zeltplatz an einem großen See auf 2200 m. Wir Zelteten hier auf einer kleinen Landzunge und hatten einen unglaublichen Ausblick auf die Berge ringsherum.

 

Am nächsten Morgen gings es wieder gegen 6 Uhr los und unser Ziel sollte die Stadt Goris sein. Da Goris deutlich tiefer lag haben wir gehofft eventuell einen entspannten Tag zu haben. Allerdings falsch gedacht. Ständiges bergauf und -ab, mit heftigem Gegenwind, der uns nur sehr wenig vorankommen ließ. Die Landschaft hier in diesem Teil wurde auch wieder ein wenig grüner und wir waren von Bergen umgeben, die um 3000 – 4000m hoch waren. So hatten wir zu mindestens landschaftlich ordentlich was zu genießen. Auf den letzten Paar Kilometern nach Goris ging es dann auch ordentlich bergab und so konnten wir uns zum Ende hin ein wenig erholen. Kurz vor Goris knackten wir dann auch unsere 5000km Marke. Es ist schon unglaublich für uns, wie weit wir gekommen sind und das wir die ganze Strecke von Deutschland mit dem Fahrrad bewältigt haben. Wir sind nun seit über 3 Monaten unterwegs und Stolz darauf. Wir hoffen das wir unsere Reise weiterhin mit viele Positiven Erlebnissen fortsetzen können.

 

In Goris war der Plan einen Tag Pause zu machen, da sich Patrick nicht besonders fühlte. Hier besuchten wir das berühmte Kloster von Tatev auf einem abgeschieden Berg. Ein besonderes Highlight ist hier die Fahrt mit der längsten frei hängenden Seilbahn der Welt. Die direkt neben dem Kloster ankommt. Das Kloster ist ein besonders wichtiger Ort für die Armenische Geschichte und war in seiner Blütezeit ein Zentrum für Wissenschaft und Religion. Es beteht bereits seit ca. 900 n.Chr.. Anschließend besuchten wir noch ein Höhlensystem mit heißen Quellen. Man musste sich hier an einem Strick nach unten Abseilen und sich durch Felsen und kleine heißere Quellen den Weg nach innen erklettern. In Deutschland wäre die Sache mit Sicherheit so nicht zugelassen, aber wir sind ja nicht zuhause. Viele Bilder sind hier leider nicht entstanden, aufgrund der Kletterei im Wasser, war uns unsere Kamera dann doch zu wertvoll.

Patrick ging es zunehmend schlechter, er hatte heftigen Durchfall und lag mehrere Tage im Bett. Wir tippen hier auf eine Art Magen Darm Virus. Im Hotel in Goris wurde er hier von Hotelbesitzerin mit Hausmitteln, Kohletabletten und viel Bettruhe gepflegt. So verbrachten wir 7 Tage in Goris. Nach einigen Tagen besserte sich sein Zustand ein wenig. Und wir probierten unser Glück bis nach Kapan die nächst größere Stadt zu kommen. Patrick bekam hier allerdings unterwegs einen Rückfall und so versuchten wir auf der Straße einen LKW anzuhalten, der uns mitnimmt. Keine Chance aber zum Schluß nahm Patrick dann ein netter Lada Fahrer mit auf den Pass. Fahrrad und Gepäck wurde im offenen Kofferaum verstaut und so konnte Patrick erstmal den sehr langen Anstieg der vor uns lag umgehen. Frank radelte infolgedessen alleine hinterher und wir sagten uns wir finden uns schon, spätestens in Kapan. Kurz vor dem letzten Pass vor Kapan war ein kleiner Parkplatz bis wohin sich Patrick dann noch gekämpft hat und dort haben wir uns dann auch wieder getroffen. Ab dem Pass ging es nur noch Bergab nach Kapan, die Landeshauptstadt des Kreises Sjunik. Wir wollten nun so lange warten bis sich Patricks Zustand verbesserte, weil alles andere keinen Sinn macht. Vorallem weil uns dann ein weiterer Pass auf ca. 2600m Richtung Iran bevorstand. Auf unserem Weg nach Kapan fuhren wir entlang der Grenze zu Bergkarabach, welches durch den gleichnamigen Konflikt immer wieder für Aufmerksamkeit sorgt. Es geht hier hauptsächlich um die Unabhängikeit der Republik Bergkarabach. Die Konflikt gipfelte in einem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan anfang der 1990er Jahre. Der Konflikt ist aber bis Heute noch ungelöst und so finden hier immer wieder Gefechte statt. Aber keine Angst wir begeben uns hier in keine Lebensgefahr, solange mann auf den Hauptrouten bleibt sollte hier keine Gefahr bestehen.

Wir haben zwar  Armenien noch nicht ganz verlassen und wenn alles gut läuft werden wir morgen am 30.7. starten und haben so noch 2 Tage bis in den Iran vor uns. Aufgrund unseres längeren Aufenthalts in Armenien, haben wir einen guten Einblick in das Land bekommen. Es ist sehr sowjetisch geprägt, angefangen von der Atmosphäre in den Städten, bis hin zu den Gebäuden und den alten Fahrzeugen auf den Straßen. Die Leute waren uns gegenüber sehr hilfsbereit und wir können hier an sich keine negative Erfahrung  teilen. Armenien hat landschaftlich ähnlich viel zu bieten wie Georgien, nur hat uns hier häufig ein wenig das Grün gefehlt. Liegt aber vielleicht auch an der Lage von Armenien, da es hier sehr heiß und trocken ist. Noch ein interesanter Fakt der das Radeln in Armenien so interesant macht, ist die mittlere höhe des Landes die bei 1800m liegt. Und wir können das bestätigen. Entweder es geht steil bergauf oder bergab, dazwischen hatten wir selten, außer in der Region um Yerivan.

Nun sind wir gespannt auf den Iran und freuen uns auf ein neues Land mit neuen Menschen. Bis dahin liebe Leser genießt den Sommer in Deutschland und vielleicht könnt ihr uns ein bisschen Regen von Zuhause übersenden 🙂

Georgien das Land der Wölfe und Berge unsere neue Nr. 1

Mit unserem Iran Visa in der Tasche ging es für uns von Trabzon in 2 Tagen nach Batumi/Georgien. Das waren ca. 200km die wir ganz entspannt an der Küste ohne größere Anstiege bewältigt haben.

Die Georgische Grenze kündigte sich bereits durch einen Kilometerlangen LKW Stau an. Als wir dann direkt an der Grenze aus dem Tunnel Bogen war hier ein ziemlicher großer Auflauf an Menschen, Autos und LKWs. Wir umgingen die Personengrenzkontrolle und reihten uns bei den Autos ein und drängelten uns natürlich gleich mal vor. Die ganze Grenzanlage war ziemlich groß und wir mussten mehrmals unsere Personalausweise mit dem Einreisepapier für die Türkei vorzeigen. Dann gings zur Georgischen Seite hier wurden wir auch mehrmals gecheckt, bevor wir dann unsere Reisepässe dem Grenzbeamten vorlegen durften. Der Georgische Grenzbeamte begrüßte uns mit Guten Tag und fragte schmunzelnd nach, ob wir denn auch einen Fahrzeugschein für unser Fahrrad haben. Die ganze Prozedur mit dem Grenzübergang hat uns ca. 45min gekostet, aber naja wir haben ja Zeit.

Das erste was uns nach der Grenze sofort ins Auge gestochen ist, war eine Christliche Kirche die in unmittelbarer Nähe stand. Und so waren wir froh die muslimisch geprägte Türkei endlich verlassen zu haben.

Die Fahrt nach Batumi war wenig spektakulär, aber dennoch haben wir sofort gemerkt das wir in einem anderem Land sind. Vielleicht auch deshalb da Georgien sowjetisch geprägt ist. Auf Empfehlung von Alejandro und Zuzia die wir in Trabzon kennengelernt haben, sind wir im Freedom Hostel untergekommen. Ein sehr nettes Hostel welches von 2 Polen geführt wird und das eine sehr entspannte Atmosphäre bot. Hier gab es einen großen Schlafsaal mit 12 Betten in gemütlich rustikalem Ambiente. Wir waren hier mit 2 Iranern aus Tehran, 2 Türken aus Istanbul und 4 russischen Mädels untergebracht. In Batumi haben wir insgesamt 3 Tage verbracht, obwohl wir nur 2 Nächte bleiben wollten. Die Stadt an sich war für uns nicht besonders reizvoll. Wir haben hauptsächlich mit den Leuten aus dem Hostel rumgehangen und abends das eine oder andere Bier getrunken. Am letzten Abend sind wir dann von Tomak einem der Hostel Besitzer mit in ein Bier Lokal eingeladen worden und hatten dort mit einer Reisegruppe aus Polen einen netten Abend, mit Polnischen und Georgischen Volksliedern.

Nach dem uns Vitali, der Koch des Hostels noch ein exklusives Frühstück zubereitet hat, ging es gegen Mittag los Richtung Goderdzi Pass. Die Fahrt aus Batumi war anstrengend durch den vielen Qualm, Dreck und Gestank der Autos. Abgasuntersuchung gibt es hier anscheinend nicht und aus jedem Auto kommt ordentlich schwarzer Qualm. Als wir das dann hinter uns hatten, ging es so langsam in die Bergwelt von Georgien. Nach ca. 1,5h Fahrt, haben wir in einem Restaurant an der Straße erst mal Mittag gemacht. Nachdem wir Essen bestellt hatten, wurde uns gleich der Hauswein auf den Tisch gestellt. Wir haben schon im Hostel erfahren, das die Georgier ein sehr trinkfestes Volk sind. Und Sie sind vor allem für ihren Wein, Chacha (Vodka) und für ihr Essen bekannt. Wir konnten ja auch nicht so richtig nein sagen und so gab es zum Mittag einen Wein. Leicht beschwipst ging es dann immer weiter bergauf. Wir wollen ja auf den Goderdzi Pass der auf 2028m liegt. Die Steigung entlang des Flußes war sehr angenehm und für uns zum reinkommen ideal. Auf dem Weg passierten wir noch eine alte Steinbrücke von denen es hier einige gibt. Hier war ein ziemlich großer Besucher Andrang, um die ca. 1500 Jahre alte Brücke zu bestaunen. Unsere Weg führte weiterhin entlang des Flußes und bei einer kleinen Pause am Straßenrand fuhr uns auf einmal Luke aus England, den wir bereits in Trabzon bei Polat kennengelernt haben über den Weg. So beschlossen wir die nächsten Tage zusammen in Angriff zu nehmen, da Luke ein ähnliche Route vorhatte. Unser eigentliches Tagesziel Chulo verfehlten wir ein wenig, da wir uns doch noch nicht so fit fühlten, woran das nur lag. 🙂 In Flußnähe bauten wir hier unser Zeltlager auf und ein großes Lagerfeuer war natürlich ein muss, sodass wir auch nicht übersehen werden. In Batumi erfuhren wir dann auch von den Wölfen die in Georgien leben. Frank und Luke hatten natürlich das Glück in der Nacht auch einen Wolf heulen zu hören. Wie weit der Wolf nun weg war konnten wir schlecht einschätzen. Es war jedoch recht laut und definitiv beängstigend. Aber wir haben die Nacht ja unbeschadet überstanden und leben noch. Normalerweise ist der Wolf ja ein menschenscheues Tier. Am nächsten morgen führte uns die Straße immer weiter nach oben und die Berglandschaft wurde immer imposanter. Wir hatten nun auch endlich Sonnenschein, sodass wir auch die Aussicht genießen konnten. Und wir haben uns hier bereits in Georgien verliebt.

Die Straße Richtung Chulo wurde deutlich schlechter und es gab hier bereits teilweise Schotter Passagen. Aber wir wussten nach Chulo gibt’s nur noch Schotter. Chulo die letzte größere Stadt vor dem Pass, mit eigener Seilbahn und Markt direkt auf der Straße. Wir hatten mächtig Hunger und so gab es traditionelle georgische Küche.

Nachdem Mittag ging es dann auf knallharten Schotterpisten bis auf den Goderdzi Pass auf 2028m. Es ist unglaublich mit welchen Autos und mit welcher Geschwindigkeit die Autos über die Schotterpisten bewegt werden. Hier geht’s durch Wasserdurchfahrten riesige Schlaglöcher auf den Pass nach oben. Die Straße ist nicht irgendeine Abkürzung oder Schleichweg, es ist eine richtige offizielle Straße sogar teilweise mit Leitplanke. Wie wir in Batumi bereits erklärt bekommen haben, ist der Teil in dem wir uns befinden muslimisch und so stehen hier mitten in den kleinen Bergdörfern Moscheen. Ein bizaress Bild für uns, positiv war allerdings das wir keinen Muezzin Gesang hörten. Auf der Straße fuhren nicht nur PKWs sondern auch ein viele LKW, besonders viele alte Sowjet Fahrzeuge. Die wirbelten natürlich ordentlich Staub auf. Aber nichtsdestotrotz trotzdem waren wir der Blickfang auf dem Weg nach oben. Uns wurde viel zugerufen, gewunken, gehupt und die Menschen waren schlichtweg begeistert, wie wir uns da so hoch kämpften. Auf dem Pass angekommen, sind wir gegen 19.00 Uhr und hier begann es bereits ziemlich kalt zu werden. Da bot es sich doch an das Hotel auf dem Pass zu nutzen. Wir haben hier für ein Dreibett Zimmer mit Frühstück, zusammen 40 Lahri bezahlt was ca. 15€ sind. Das nennen wir dann doch mal preiswert. Beim Abendbrot im Hotel haben wir noch Elke und Günther kennengelernt. Wie es der Zufall so will kamen die beiden aus Sachsenanhalt, nähe Naumburg. Günther hat schon mehre Motorrad Touren durch Georgien unternommen und hat hier viele Freunde und kommt jedes Jahr her, um das Land zu erkunden. Diesmal mit seiner Frau Elke. So hatten wir einen entspannten Abend mit den beiden und konnten uns interessante Reisegeschichten anhören.

Am nächsten morgen hatten wir bestes Bergwetter, mit toller Aussicht. Bestens geeignet für unsere ruppige Abfahrt. Natürlich über die Schotterpiste. Wir trafen auf der Abfahrt noch ein Pärchen aus Kasachstan, die auch eine kleine Radreise machen. So hielten wir hier noch einen kleinen Plausch und verabschiedeten uns auch von Luke, da er bergab mit seinem Equipment nicht so schnell fahren konnte wie wir. Wir haben die Zeit zusammen mit Luke sehr genossen, aber leider haben wir nach dem Pass eine andere Richtung eingeschlagen.

Die Schotterpiste hinunter auf die andere Seite war nicht ganz so lang aber dennoch genau so kaputt gefahren. Wir haben uns dann auch auf den letzten Metern ein kleines Rennen mit einem Transporter geliefert, der 3 Kühe auf der Ladefläche hatte. Der Transporter hat es ganz schön stehen lassen und die Kühe wurden ordentlich umher geschleudert, aber er hat uns abgehangen.

Als wir dann im Tal angekommen waren, bot sich auf der Seite von wo wir gekommen sind, das gleich grüne Bild. Dagegen auf der anderen Seite, war die Landschaft sehr karg und nicht mehr ganz so grün. Wir haben dann in Achalziche zum Essen gestoppt und anschließend noch die Burg der Stadt ein wenig besichtigt. Danach suchten wir uns an einem in der Stadt befindlichen See, ein nettes Plätzchen zum campen. Wie sich später am Abend herausstellen sollte, war das die Flaniermeile der Stadt. Ähnlich vielleicht dem Burgsee in Bad Salzungen. So zogen wir natürlich alle Aufmerksamkeit auf uns und es dauerte nicht lange da haben sich gleich ein paar Jungs zu uns gesellt und wir durften/mussten mit ihnen Bier trinken. Mit Franks wenigen Russisch Kenntnissen und ein wenig Englisch, was die Jungs drauf hatten, haben wir uns so halb verstanden.

Am nächsten Morgen war unser Tagesziel Achalkalaki, die Stadt liegt auf ca. 1700m und so ging es wieder schön bergauf, wenn auch recht human. Da wir auf ca. 1000m in Achalkalaki gestartet sind. Unsere Fahrt ging durch eine wunderschöne Landschaft mit toller Aussicht und wir haben beide beschlossen Georgien müssen wir nochmal bereisen. Auf unserem Weg passierten wir auch eine sehr schöne Burg, von denen es in Georgien viele gibt. Zum besuchen hatten wir leider nicht mehr genug Zeit, da durch den heftigen Gegenwind wir in Zeitverzug waren. In Achalkalaki angekommen, suchten wir nach einer Möglichkeit zum Campen. Bevor wir uns versahen stürmte ein älterer Herr auf uns zu und fragte auf gebrochenen Deutsch wo wir herkommen. Als er erfuhr das wir wirklich Deutsche sind, lud er uns gleich zu sich nach Hause ein. Wir haben hier nicht lange überlegt und gleich eingewilligt. Spartak, so hieß der nette alte Herr bestand noch darauf, das wir noch Bier kaufen und dann gings in sein Haus. Als wir dann den Wohnbereich sahen, waren wir schon ein wenig geschockt, da alles sehr heruntergekommen aussah und muffig roch. Aber naja wir waren ziemlich müde vom Tag und waren erstmal froh eine Bleibe gefunden zu haben. Wir haben dann zusammen mit Spartak noch Abendessen gekocht und er hat uns mit seinem Deutsch was er aus Schulzeiten noch konnte, ein wenig aus seinem Leben erzählt. Er hatte sehr viele DDR Bücher und Zeitschriften in seinem Haus, die er uns zeigte. Er pflegte auch viele Briefkontakte mit Damen aus der ehemaligen DDR und meinte er hätte auch eine aus Eisenach gehabt. Den Brief fand er dann aber nicht in seiner großen Briefkiste. Die Übernachtung bei Spartak war definitiv ein Erlebnis für uns beide und die Nacht werden wir so schnell nicht vergessen.

Am nächsten Morgen haben wir uns herzlich bei ihm bedankt und uns in Richtung Armenische Grenze aufgemacht, welche unser Tagesziel sein sollte. Wir hatten hier leider die Rechnung ohne den heftigen Gegenwind gemacht. Wir sind auf einer Art Hochplateau auf 1800m unterwegs gewesen und hier ging der Wind richtig stark. Wir kamen mit ca. 8-10 Km/h voran, da kommt definitiv Freude auf!!! Die Straße ging eigentlich immer nur gerade aus und so fühlten wir uns als ginge es einfach nicht vorwärts. Als Entschädigung hatten wir aber die grandiose Landschaft Georgiens mit seiner unglaublichen Weite und Schönheit vor uns. Nachdem wir für 20km fast 2h gebraucht haben und sichtlich geschafft waren, machten wir in Ninizminda Mittag. Hier haben wir in einem kleinen Restaurant alles an die Steckdosen gehangen was Strom braucht und auch mal mit der Heimat Verbindung aufgenommen. Dann bekamen wir die Nachricht, das Patricks Perso noch auf dem Pass im Hotel liegt. Aber 150 km zurück wollten wir ja auch nicht. Vielleicht findet er auf dem Postweg zurück nach Deutschland. Wichtiger sind unsere Reisepässe :-)!

Nachdem Essen war unser Ziel ein See kurz vor der Armenischen Grenze. Der Weg dorthin war natürlich von Gegenwind und recht kalten Temperaturen geprägt. Der See liegt auf ca. 2100 m und da war es dann schon ein wenig frisch. Die Zeltplatzsuche stellte sich hier auch durchaus schwierig da, als uns ein junger Mann im Auto zu verstehen gab es gebe eine Art Hotel am Ende des Sees und zelten wäre nicht so empfehlenswert da ja hier auch Wölfe unterwegs sind. Leicht verunsichert fragten wir bei dem Hotel nach aber hier wollte man uns nicht so richtig weiterhelfen. Und so beschlossen wir die 5 km zur Armenischen Grenze zu fahren und hier unser Glück zu versuchen. Nachdem die Grenzstation auf über 2100m mitten im nirgendwo auftauchte war es bereits 19.00Uhr und so langsam mussten wir auch mal einen Schlafplatz finden. Die Grenzübergang nach Armenien ging zügig und unspektakulär von statten. Waren wir ja auch die ein zigsten zusammen mit 2 Autos aus Russland. Kurz nach der Grenze in Armenien gab es gleich die Ortschaft Bavra. Wir wurden hier wahrscheinlich vom Dorfpolizisten und seinem Gehilfen auf eine Art alte Baracke aufmerksam gemacht. Wir entschieden uns aber lieber zu Zelten, da der Boden in der Baracke mit Glasscherben und Müll bedeckt war.

So haben wir nun Georgien in 5 Fahrtagen durchquert und es hat uns einfach umgehauen. In Batumi haben wir durch einen Reiseguide der Touren für Besucher organisiert einen kleinen Einblick in die Georgische Kultur bekommen und haben so viel über das Land und Menschen gelernt. Die Georgier lieben es zu Trinken und zu Essen und die Georgische Küche wurde nicht umsonst die „Haute Cousine“ der ehmaligen Sovjet Union genannt. Wir haben in unserer kurzen Zeit in Georgien nicht alles probieren können, aber was wir auf den Tisch bekamen war sehr sehr gut. Ebenso die Menschen die wir getroffen haben, waren sehr herzlich, offen und alle sehr verliebt in ihr Georgien. Was wir absolut bestätigen können. Georgien ist wunderschön, vor allem landschaftlich durch die unglaublich imposante und unberührte Bergwelt, gepaart mit den vielen Historischen Burgen aus dem Mittelalter. Dies macht den Flair des Landes aus. Für uns war Georgien bei unserer Reiseplanung nur ein Transitland, aber was wir dann in Realität gesehen haben, hat uns absolut umgehauen. Und wir haben uns beide geschworen zurückzukommen, um dieses wundervolle Land weiter zu erkunden. Georgien ist touristisch wenig erschlossen und für einen normalen All Inklusive Hotel Urlauber vielleicht ein wenig ungeeignet, da es vielleicht einfach zu rustikal ist. Wer ein Land mit unberührter Natur und ausgezeichneter Küche besuchen will, bei dem sollte Georgien ganz oben auf der Liste stehen. Wie wir von Günther und Elke erfahren haben gibt es Flüge von Berlin nach Georgien für 60 €. Georgien ist sehr günstig zu bereisen, alles ist deutlich billiger als bei uns zuhause. Es ist natürlich vom Standard her nicht mit Deutschland zu vergleichen, aber gerade das hat für uns den Reiz ausgemacht. Und es trifft genau den Punkt unserer Reise, sich auf die einfachen Dinge zu beschränken.Wir sind bereits in Eriwan der Hauptstadt von Armenien wo dieser Blogbeitrag entsteht und wir hier eine kleine Pause einlegen.

Auf diesem Weg möchten wir auch alle eifrigen Leser aus der Heimat grüßen, die unsere Reise hier auf der Website verfolgen. Wir sind begeistert das unser Trip einen so positiven Anklang findet und halten euch natürlich mit Infos über unsere weitere Reise auf dem laufenden.

Türkei – ein Resumee

Wir waren nun über einen Monat in der Türkei, solange wie in noch keinem anderen Land. An dieser Stelle wollen ein kurzes Resümee aus unserer Sicht über die Türkei geben. Wir haben hier einen sehr guten Einblick in das alltägliche Leben, die Gastfreundschaft, aber auch die Probleme des Landes bekommen. Natürlich hat uns von beginn an, die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Türken begeistert. Die wir seit dem Start unserer Reise das erste mal hier live erlebt haben. Die Menschen sind alle sehr freundlich, ehrlich und wollen natürlich immer wissen, woher wir kommen und wohin unser Weg führen soll. Für die Türken ist das Fahrrad nicht unbedingt das, was es für uns Deutsche ist. Wir haben relativ wenig Radfahrer angetroffen. Fahrräder sieht man recht selten, hauptsächlich in Touristenorten, wo Sie zum Verleih angeboten werden. Es liegt vielleicht auch daran, das kaum Radwege existieren und der Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich ist.

In der Türkei dreht sich beim Thema Transport oder Fortbewegung alles ums Auto. Unser Warmshowers Host Berk in Eregli, fand dafür unserer Meinung den perfekten Begriff „Petrol Addicted“ zu Deutsch Treibstoff abhängig. In jeder Stadt gibt es unzählige Autowerkstätten und Ersatzteilshops usw. und so finden wir, das der Türke sein Auto noch ein bisschen mehr liebt, als es der Deutsche es tut. Der Großteil des Personentransports geht über Busse, die wie schon im vorigen Blogbeitrag erwähnt, einfach überall zu wirklich günstigen Preisen hinfahren. Das Schienennetz ist in der Türkei nicht besonders gut ausgebaut, was auch der Topographie geschuldet ist.

Die Landschaft der Türkei speziell an der Schwarzmeer Küste, hat uns total begeistert und wir empfehlen jedem mal ein Abstecher dorthin zu machen. Die kleineren Orte direkt an der Küste sind eine Reise wert und man meint fast zu glauben, die Zeit ist hier ein wenig stehengeblieben.

Allerdings haben wir vor allem in den ländlichen Gegenden, ein großes Problem erkannt. Müll der einfach überall rumliegt und der auch einfach nicht weggeräumt wird. Die Menschen sind so freundlich und die Landschaft wirklich großartig, da ist es für uns einfach unverständlich das damit so schlecht umgegangen wird. Aber wir haben dazu vielleicht auch ein anderes Bewusstsein. Wir haben die selbe Problematik in Serbien, Rumänien und Bulgarien beobachtet. Allerdings war es für uns in der Türkei am größten. In größeren Städten sieht es schon besser aus, speziell in den Touristenorten, diese vergleichbar mit deutschen Städten sind.

Wir haben hier wie schon mehrfach erwähnt viele Menschen getroffen, die Deutsch sprechen und in Deutschland gearbeitet haben. Dagegen haben wir sehr wenige Menschen getroffen, die Englisch sprechen. Durch unsere Warmshowers Kontakte haben wir so auch einen tieferen Einblick in die Gesellschaft bekommen. Hier ist die Meinung doch ziemlich gespalten, wie wir finden. Alle unsere Warmshowers Host würden die Türkei verlassen und sich gerne woanders niederlassen. Sie sind durch die wirtschaftliche und politische Situation einfach unzufrieden. Sie alle haben eine westliche Denkweise und waren nicht religiös. Allerdings ist diese Gruppe noch in der Minderheit, da der Großteil der Gesellschaft stark mit dem Islam verbunden ist. Durch die Durchquerung der Türkei von West nach Ost, haben wir so einen guten Einblick bekommen und auch festgestellt, das je weiter östlich man kommt, alles ein wenig konservativer wird. Die Religion spielt hier eine zentrale Rolle und ist nicht wie bei uns eine Religion, sondern eher eine Gesellschaftsform. Man wird quasi indirekt gezwungen sich anzupassen, um in der Gesellschaft existieren zu können. Für uns als Touristen ist das natürlich anders, da wir jederzeit weiterreisen können. Doch für viele junge Türken ist das genau das Problem, sich in der Gesellschaft integrieren zu müssen und nicht frei entfalten zu können. Das die Türkei zur Zeit aufgrund ihrer politischen Lage ein wenig im Fokus steht, ist wohl jedem bekannt. Wir wollen hier nicht tiefer auf die Politik der Türkei eingehen, jedoch wurden wir aber auch des öfteren von den Leuten auf den Konflikt zwischen Frau Merkel und Herrn Erdogan angesprochen und was wir davon so halten. Wir finden hier auch, dass durch die ganze Medienberichterstattung vieles verzehrt dargestellt wird und so die Gemüter künstlich erhitzt werden.

Wenn es aber jemanden in der Türkei gibt, auf den die große Mehrheit stolz ist, dann ist es Kemal Atatürk. Er hat 1923 die Türkische Republik ausgerufen und ist für die Türken bis heute ein Volksheld. In nahezu jedem Dorf oder jeder Stadt, gibt es hier eine Gedenktafel. Sowohl auf Autos findet sich die Signatur. Ins deutsche übersetzt bedeutet Atatürk „Vater der Türken“.

Viele haben uns vor unserer Reise gesagt, seid vorsichtig in der Türkei. Aber wir haben keine negative Erfahrung gemacht und fühlen uns in unserer Sichtweise bestätigt, das man sich erst mal ein eigenes Bild von der Sache machen soll, anstatt z.B. den Medien oder Geschichten glauben zu schenken. Wir haben unseren Aufenthalt in der Türkei genossen und würden jederzeit wieder hinfahren.

Warten, warten, warten, …..wir haben es! Iran wir kommen°

Seit unserem letzten Beitrag ist natürlich ein wenig Zeit vergangen, aber jetzt gibt’s wieder was Neues von uns. Nach unserer kleinen Pause in Samsun, sind wir weiter geradelt nach Trabzon. Hier hatten wir einen längeren ungewollten Aufenthalt. Da wir auf unsere Referenznummer und die Ausstellung unseres Visas für den Iran warten mussten.

Die Strecke von Samsun nach Trabzon war im Vergleich zu unserem vorherigen Verlauf mega entspannt und wir hatten bis auf kleinere Berge kaum Höhenunterschiede zu bewältigen. Es ging immer entlang der Küste, auf einer 2-spurigen Schnellstraße mit moderatem Verkehrsaufkommen und Seitenstreifen. Wir schafften die ca. 340 km in 3 Tagen und waren erstaunt wie flott wir auf ebener Straße unterwegs waren. Nach den ganzen Bergetappen am Schwarzen Meer. Hier hat sich doch was an der Kondition getan. Wir hatten die ersten beiden Tage einen Schnitt von ca. 28 Km/h, was ganz anständig ist mit den schweren Bikes ud auch dem Rückenwind geschuldet war. 🙂 Am dritten Tag gab’s dann Gegenwind und die Sonne brannte ziemlich heftig. Hier haben wir auch gemerkt, dass der eine Tag Pause in Samsun nicht genug war und wir waren froh, das wir in Trabzon ein paar Tage Pause einlegen konnten. Da wir hier unser Visa für den Iran beantragen wollten.

 

In Trabzon kamen wir bei unserem nächsten Warmshowers Host Polat unter. Ein sehr cooler, netter und relaxter Typ, der in den letzten Zügen seines Forstwirtschaftsstudium ist. Uns stand bei Polat die ganze Wohnung zur Verfügung, da seine Mitbewohner in den Semesterferien sind und nur er noch ein Praktika nachholen muss. So verbrachten wir fast 12 Tage bei Polat und hatten hier eine sehr entspannte Zeit.

Nach fast 20 Tagen Bearbeitungszeit von eigentlich versprochenen 7 Tagen, bekamen wir auch endlich unsere Referenznummer für das Iran Visum von der deutschen Agentur, die diese im iranischen Tourismusministerium einholt. Hier mussten wir allerdings auch nochmal 3 Tage warten bis die Nummer in der Iranischen Botschaft angekommen ist. So hieß es eigentlich die ganze Woche Füße hochlegen und warten. Die ersten beiden Tage nach Ankunft haben wir auch wirklich mal gar nichts gemacht. In den nächsten Tagen haben wir ein bisschen die Gegend und Trabzon erkundet. Dann bekamen wir noch Besuch von drei weiteren Reiseradlern. Das war zum einen Alejandro aus Argentienen, Zuzia aus Polen sowie Luke aus England. Alejandro ist bereits über zwei Jahre unterwegs und hat über 17000km hinter sich gebracht. Insgesamt hat er über 28 Länder mit dem Fahrrad bereist. Er ist von Neuseeland aus gestartet und hat sich dann durch ganz Südostasien über Indien, Oman, Dubai und den Iran in die Türkei gekämpft. Ein sehr geselliger Kerl, mit dem wir uns sofort verstanden haben. Hier konnten wir wieder einige sehr interessante Geschichten hören und uns einige Tipps für unsere Route geben lassen. Seine Freundin Zuzia die ebenfalls auf Weltreise war, nur ohne Fahrrad, hat er in Armenien kennengelernt. Dann wurde dort mal schnell ein Fahrrad organisiert und nun fahren die beiden zusammen. Endstation für die Beiden soll Spanien sein. Luke ist von Istanbul aus alleine gestartet und will bis nach Baku fahren. Er hat bereits mehrere kurze Trips durch Europa unternommen.

Frank hat dann eine kleine Solo Tour auf den Zigana Pass mit dem Fahrrad unternommen. Der Pass Liegt auf ca. 2050m und ist ein beliebtes Ausflugsziel mit Restaurant. Man hat hier einen tollen Blick über das Schwarzmeer Gebirge und die komplette Gegend. Hier traf Frank Taner, der eigentlich aus Düsseldorf ist und jetzt mit seiner Familie im Restaurant auf dem Pass arbeitet und wohnt. Hier gab’s noch ein paar Sightseeing Tipps für die Gegend und anschließend noch ein leckeres Mittagessen. Und natürlich danach eine 2 Stündige Abfahrt zurück auf Meereshöhe nach Trabzon.

Am Montag den 3.7. war es nun endlich soweit und wir machten uns auf den Weg zur Iranischen Botschaft. Wir waren anscheinend ein wenig zu spät und uns wurde mitgeteilt, wir sollten am nächsten Tag um 10 Uhr wiederkommen. So haben wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg gemacht und wurden hereingelassen. Nach kurzer Prüfung unserer Unterlagen bekamen wir ein Konto genannt auf die wir die 50€ Visa Gebühr einzahlen sollten. Also ab zur Bank ins Zentrum und nach kurzer Bearbeitung am Bankschalter, ging es mit ausgefüllten Visa Formularen zurück zur Botschaft. Hier gaben wir dann alle unsere Unterlagen samt Reisepass ab und sollten gegen 15 Uhr wiederkommen. Am Nachmittag konnten wir dann unsere Reisepässe mit dem Iran Visum abholen und waren mega happy das es so unkompliziert von statten lief. Wir haben da schon ganz andere Geschichten gehört, aber egal wir haben nun 30 Tage Aufenthalt und 3 Monate Zeit einzureisen.

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Da freuen sich aber zwei über ihr Visum

So geht nun unsere Zeit bei Polat in Trabzon zu Ende. Wir haben die Zeit mit ihm sehr genossen 🙂 und machen uns jetzt weiter auf den Weg nach Georgien. Hier werden wir vorerst Batumi ansteuern und dann von dort aus durch die Berge über einen 2000m Pass Richtung Armenien fahren.

Einige von euch haben vielleicht mitbekommen, dass es einen tollen Artikel in der Süd Thüringer Zeitung über uns gab. Wir sind sogar auf dem Titelbild gelandet, worauf wir mega stolz sind. Wir Bedanken uns bei der freien Redakteurin Susann Eberlein für die Kontaktaufnahme und die hervorragende Berichterstattung.

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Da wollen wir doch erstmal lesen, was da in der STZ berichtet wird!!! 🙂

Berg- und Talfahrt am Schwarzen Meer

Nach nun geschlagen 12 Tagen ohne Fahrpause, melden wir uns jetzt aus Samsun am Schwarzen Meer. Wir haben nach dem Start in Istanbul am 9.6.2017, ca. 1100 km und über 14000 hm hinter uns gebracht. Das Höhenprofil von Istanbul nach Samsun war schlichtweg der Wahnsinn. Von unserer Vorbereitung wussten wir es wird bergig, aber wie das bergig dann in der Praxis aussieht, hätten wir uns so nicht vorgestellt. Aber dazu im Verlauf des Blogbeitrages mehr.

Für den ersten Fahrtag war unser Ziel das Schwarze Meer, welches wir auch relativ schnell und entspannt geschafft haben. Wir haben ein nettes Plätzchen am Strand zum zelten gefunden. Der Weg dahin war allerdings von dem Regenfällen der Vortage ziemlich aufgeweicht und so drehte sich bei besten Lehmboden irgendwann kein Rad mehr. Aber zum Glück waren wir dann schon unten. Auch wenn das Wetter nicht so toll war, zelten am Meer fetzt.

Der nächste Tag begann mit Regen und sollte unser erster richtiger Regentag werden. Unser Weg führte von der Küste weiter ins Inland, wo es deutlich bergiger wurde. An diesem Tag knackten wir an einem der vielen Anstiege unsere 3000 km Marke. Der Tag war nicht nur vom Regen geprägt, sondern von vielen Hundeattacken. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, in denen die Hunde meist direkt auf der Straße oder in den Höfen liegen. Meist verfolgten uns 4 bis 5 Hunde und alle mit der Größe von Schäferhunden oder größer. Wir haben hier schon mit Stöcken oder lautem Brüllen versucht Sie einzuschüchtern. Es half meistens einfach nur wild zu pedalieren. Nach diesem Tag waren wir abends ziemlich geknickt und eingeschüchtert, da wir uns schon ausmalten was wäre wenn einer beißt. Als wir Tage später bei unserem Warmshowers Host Ramazan waren, gab er uns den Tipp stehen zu bleiben und nicht davon zu fahren. Natürlich haben wir es dann auch ausprobiert und siehe da es klappt! Haben wir also wieder was gelernt.

Am nächsten Morgen ging es früh los, denn unser Ziel sollte wieder das Schwarze Meer sein. Der Tag an sich verlief sehr gut, die Regenwolken verabschiedeten sich leider und die Sonne brannte wieder ziemlich heftig. Die Menschen sind überall super freundlich und jeder möchte wissen woher wir kommen und wohin wir wollen. Und das erstaunlichste ist für uns, das wir mehr Leute treffen die deutsch sprechen als englisch. Viele Türken haben in Deutschland gearbeitet und können daher sehr gut deutsch. Sie fragen gleich ob wir Hilfe brauchen und wo wir herkommen. So kommen wir immer sehr leicht ins Gespräch mit den Menschen und sind begeistert von der Offenheit gegenüber uns Fremden.

Am Abend sind wir dann in Karasu am Schwarzen Meer angekommen. Die Hauptstraße verlief direkt am Strand und so fragten wir bei Leuten, die eine Art Gartenhütte in Strandnähe hatten, ob wir unser Zelt aufstellen können. Zelten ist hier kein Problem. Normalerweise ist ja bis zum 24.6. noch Ramadan/Fastenzeit in der Türkei und tagsüber ist essen und trinken sowie Alkohol strikt der Religion nach nicht erlaubt. Wir sehen relativ viele Menschen, die das nicht strikt befolgen. Vor allem in größeren Städten. In kleineren Ortschaften wird das allerdings strenger gehalten und hier ist nix mit essen oder einkaufen. Was wir bereits am eigenen Leib spürten, als wir mit mächtig Hunger am Morgen in einem kleinen Dorf Halt machten. Viele sagen uns, je weiter wir in den Osten der Türkei vordringen, umso strikter wird dies gehandhabt, da dort die Menschen generell konservativer sein sollen.

Unser Zelt konnten wir dann direkt am Strand versteckt hinter ein wenig Schilf aufbauen und nutzten natürlich die Möglichkeit zum Baden und genossen die tolle Atmosphäre am Meer.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserem Warmshowers Host Berk nach Eregli. Aber bis wir dort waren gab es natürlich noch ein paar Berge zu überwinden. Wir fuhren auf einer sehr gut ausgebauten zweispurigen Schnellstraße mit breitem Seitenstreifen, bis wir dann eine kurze knackige Bergetappe vor uns hatten. Keine Wolke am Himmel und die Sonne gab ihr bestes und so floß der Schweiß in strömen. Aber es sollte noch deutlich härter kommen die nächsten Tage. Nachdem wir die Bergetappe hinter uns gelassen haben, ging es auf einer sehr gut ausgebauten Straße Richtung Meer der wir bis Eregli folgten. Wir machten kurz vorher noch eine kleine Badepause an einem verlassenen Strand, bevor wir uns dann zu Berk unseres Warmshowers Host aufmachten. Berk war in unserem Alter, sprach sehr gut Englisch, ist begeisterter Motorradfahrer, hat Materialwissenschaften studiert und arbeitet bei einem Stahlunternehmen in Eregli. Wir hatten einen coolen Abend mit ein paar Bier, guter Musik und interessanten Gesprächen über die Türkei. Er gab uns auch den Tipp weiter an der Küste entlang zufahren, um so dem Verkehr im Inland zu entgehen. Er gab uns aber auch zu verstehen, ab jetzt wird es bergig. Er sollte absolut Recht behalten. Berk startete am nächsten morgen gegen 7.30 Uhr zur Arbeit und ließ uns am Abend wissen, das wir am nächsten Tag ausschlafen können. Das haben wir natürlich dann auch gemacht. Leider haben wir völlig vergessen ein Bild mit ihm zu machen.

Am nächsten Tag starteten wir sehr ungünstig in der Mittagshitze und vom Start weg ging es fast 1,5h nur bergauf. Oben auf dem Plateau angekommen, hatten wir eine grandiose Aussicht auf das Meer und das bergige Inland. Wo es hoch geht, geht es natürlich auch wieder runter und so hatten wir eine ziemlich lange Abfahrt, aber die nächsten Berge warteten schon. Angekommen in Kozlu am Meer, pausierten wir kurz bevor es dann weiter entlang des Schwarzen Meeres ging. Wir folgten weiterhin der zweispurigen Schnellstraße, die allerdings noch nicht komplett ausgebaut ist. So mussten wir wieder unzählige Berge durch kleine Ortschaften, mit massig Verkehr und Abgasen bewältigen. Der Teer ist so heiß das sogar die Reifen quietschen und wir teilweise Spuren ziehen. Bei Frank hat sogar der Hinterreifen durchgedreht beim hochfahren. Nach einem kurzen Shopping Stop, wo wir wieder einen netten Herren fanden der deutsch sprach, bekamen wir vom benachbartem Gemüseladen zwei Gurken geschenkt. Wieder eine tolle Geste und haben uns mit einem „Teşekkürler Eyvallah“ herzlich bedankt.

Nachdem wir an der Küste angekommen sind, hielten wir gleich Ausschau nach einem Zeltplatz. Im kleinen Dörfchen Türkali steuerten wir den Strand an und fragten im benachbarten Restaurant nach, ob wir denn hier auf dem Parkplatz zelten dürfen. Alles kein Problem. Hier hatten wir sogar WLAN und konnten die Duschen nutzen. An diesem Tag haben wir ca. 1850 hm bewältigt, was uns schon ein wenig überrascht hat. Da wir so schon meistens jeden Tag ca. 1000hm gemacht haben, war das dann doch noch mal ein bisschen mehr. Aber wie wir wissen, bleibt es die nächsten Tage erstmal bergig!!!

Am 14.6. war unser Ziel Bartin, hier haben wir uns wieder über Warmshowers verabredet, mit Ramazan. Dieser Tag sollte ein kurzer Fahrtag werden und wir waren bereits gegen 14.00 Uhr in Bartin. Bis zum Abend vertrieben wir uns die Zeit noch in einem kleinen Park und nutzten die Zeit zum Blog schreiben und zur Entspannung. Als wir dann zu Ramazan aufbrechen wollten, bekamen wir von einem Jungen aus dem gegenüberliegenden Wohnblock Kaffee und Kuchen gebracht und da konnten wir leider nicht nein sagen. Im Ramadan gibt es die Regel das Reisende von der Fastenzeit ausgeschlossen sind, das gilt für alle ob religös oder nicht. Yagiz sprach zwar eigentlich kein Wort Englisch, aber wir verstanden uns. Er zeigte uns ein paar Videos von sich und erklärte uns das er in der Türkischen Nationalmannschaft für Boule spielt. Die Eltern und Großeltern verfolgten das Geschehen vom Balkon aus. Wir bedankten uns und fuhren dann zu Ramazan. Den wir ein bisschen überrumpelten, da wir uns im Wochentag irrten und einen Tag zu früh da waren. Wir müssen hier leider zugeben, das wir manchmal einfach nicht mehr wissen welcher Wochentag ist. Kein Problem für ihn und so durften wir gleich mal sein selbstgebrautes Bier probieren. Da Bier für die Türken teuer ist, ca. 2€ pro Flasche, brauen viele ihr Bier selber. Es ist im Ramadan gar nicht so einfach an Bier zu kommen. (Schließlich benötigen wir ja Mineralien) Am Abend sind wir noch mit Ramazan und seinen Freunden Essen gegangen und hatten dabei einen tollen Blick über Bartin. Vor dem Essen trafen wir bereits ein Pärchen mit Kind, bei Ramazan. Die beiden sprachen recht gut Englisch und Patrick freundete sich gleich mit ihrem Sohn Alptuna an. Sie haben dann sogar unser Essen am Abend bezahlt und uns im Auto mitgenommen, da sich Patrick so nett um ihren 1 Jährigen Sohn kümmerte und die beiden so mal in Ruhe zusammen essen konnten. Ramazan hat auch schon mehrere längere Touren in der Türkei unternommen und war ein wirklich sehr netter und entspannter Zeitgenosse.

Unsere Route sollte die nächsten Tage immer an der Küste lang gehen. Der Vorteil entlang der Küste ist die Aussicht und Landschaft. Wir raten jeden von euch mal ein Abstecher an die Schwarzmeerküste der Türkei zu machen. Kommen wir hier natürlich zum Nachteil unserer Route. Die Küste hier ist natürlich nicht flach wie das in Deutschland an der Ostsee oder Nordsee ist, sondern es eine reine Berg und Talfahrt auf kleinen Straßen direkt am Meer. Die Straßen gehen über Berge, die ca 200 -300m hoch sind. Und das heißt für uns den Berg rauf und dann mit ca. 50km/h wieder auf Meereshöhe runter. Das dann ca 8-10 mal am Tag, dann weiß man was man gemacht hat. Hinzu kommen die vollgepackten Räder. Die Straße windet sich die Berge hoch und wenn man denkt nach der Kurve ist Schluss, geht es erbarmungslos immer weiter bergauf. Aber wir wollen ja nicht jammern, wir haben uns das ja ausgesucht. 🙂

Wir durchfahren hier viele kleine Orte am Meer und zelten meist direkt im Ort am Strand, das stört hier meistens keinen selbst das Lagerfeuer am Strand juckt niemanden. Bei uns in Deutschland wäre das völlig unmöglich und wir fühlen uns hier wirklich sehr frei und genießen wie einfach das Leben sein kann, wenn man sich nur auf die Grundbedürfnisse wie essen, trinken und schlafen besinnt.

Im Verlauf der Tage haben wir an einem Anstieg am frühen Morgen Seth aus England getroffen. Er will ebenso ein wenig durch die Welt radeln und radelt Richtung China, aber will dann nach Amerika übersetzen. Seth war sehr spartanisch ausgestattet, sein Bike mit Gepäck wog gefühlt nur 25kg und wir waren beide ziemlich erstaunt mit wie viel weniger man noch auskommen kann. Seth hat von beginn seiner Reise in England nur 3 Tage Pause eingelegt. Da haben wir erstmal geguckt, aber wenn man alleine fährt, was will man da auch den ganzen lieben langen Tag machen. Seth ist Archäologe und war ein ziemlich cooler Typ, mit dem wir uns super verstanden. So verbrachten wir mit ihm die nächsten drei Tage. Zusammen erklommen wir die tollen Ansteige entlang der Schwarzmeerküste, die sich mit dem tollen 10% Steigungsschildern ankündigten. An einem der Ansteige hielt ein Bus an und fragte ob wir denn nicht mitwollen, nach kurzer Preisverhandlung luden wir unsere Bikes in den Personenbus und konnten uns so ein paar der heftigen Ansteige ersparen. Da in der Türkei das Eisenbahnnetz sehr schlecht ausgebaut ist, geht hier alles über Busse. Und die fahren wirklich überall hin. Im Lauf unserer 40km Fahrt nach Inebolu stiegen diverse Leute ein und zusammen mit der krassen türkischen Musik, war die Fahrt ein kleines Highlight und für uns eine kleine Erholung. Wir sind dann noch weiter bis nach Abana gefahren und haben wieder direkt am Meer gezeltet. Am nächsten Tag stand eine mega Etappe an, wir wollten von Abana bis nach Sinop fahren. Das waren auf der Karte ca. 130km. Nach unserem Start ging es natürlich wieder vom Meer weg, ständig bergauf und die erste Pause legten wir nach ca. 3h und 50km ein. Wir wurden hier von einer netten Türkin am Straßenrand zu einem Türkischen Kaffee eingeladen. Mit leichtem Hungerast konnten wir natürlich nicht nein sagen. Die Frau sprach ein wenig deutsch und so unterhielten wir uns ein bisschen mit ihr. Nach kurzer Pause und langer Abfahrt ging es weiter mit einem Anstieg mit 700hm der gefühlt nicht enden wollte. Nach einem kurzen Einkaufstop mussten wir noch zwei weitere Berge überwinden, um dann endlich wieder am Meer anzukommen. Zum Ende hin begann es dann noch zu regnen und so fiel der Zeltaufbau und das Essen kochen förmlich ins Wasser. An diesem Tag sind wir 125km in fast 7h geradelt und haben dabei fast 2500hm gemacht. Ziemlich kaputt ging es dann ins Zelt und am nächsten Morgen wurde erstmal ausgeschlafen. Später trennten wir uns dann von Seth, da wir unbedingt mal einen langsamen Tag einlegen wollten und er mit seinem leichtem Bike weiter wollte, da ihm die Zeit im Nacken sitzt. Wir radelten entlang der Küste ohne Anstieg rund 45km, bevor wir dann unser Zelt aufbauten.

Beim abendlichen Kochen, wurden wir dann von Erman eingeladen. Sein Haus befand sich gleich hinter uns am Strand. Hier trafen wir seine Eltern und eine weiteren netten Herren der wie wir glauben der Nachbar war. Erman sprach kein Englisch und wir kein Türkisch so war der Spaß vorprogrammiert. Aber der Google Translater hat hier Wunder gewirkt. Wir wurden dann zum Raki (Anis Schnaps) eingeladen und es wurde dann  recht lustig. Nachdem die Flasche Raki alle war, sind wir zurück zum Strand ins Zelt gewackelt und waren happy über den tollen Abend. Am nächsten Morgen waren wir noch zum Frühstück mit den drei netten Herren eingeladen und es wurde sich bestens um uns gekümmert.

Nachdem Frühstück ging es weirer Richtung Samsun. Wir hatten hier grandiosen Rückenwind und haben mit einem 30er Schnitt die 76 Km in knapp 2,5h bewältigt und sind so förmlich nach Samsung geflogen. In Samsun haben wir einen Pausentag eingelegt. Unser nächstes Ziel ist dann Trabzon, wo wir unser Visum für den Iran beantragen wollen. Schauen wir mal ob das klappt. 

Istanbul

Hallo zusammen, nachdem wir in Istanbul unser Hostel auf der asiatischen Seite bezogen haben, wurde am ersten Abend natürlich auf das erreichte Ziel angestoßen. Wir sind im Stadtteil Kadiköy untergekommen. Hier gibt es viele Bars und Kneipen und viel Leben auf der Straße, wie eigentlich überall in Istanbul. Am Samstagabend war eigentlich unser Plan, sich am Nightride über die Bosporus Brücke zu beteiligen. Da dies eine einmalige Möglichkeit ist, da die Überquerung der Brücke mit dem Fahrrad eigentlich verboten ist. Wir hatten uns vorher mit unseren Freunden vom Lions Bike Club Cerkezköy verabredet, allerdings wurde die Veranstaltung kurzerhand abgesagt. Der Lokale Fußballclub Besicktas hatte am Abend eine Meisterschaft oder wichtiges Spiel gewonnen und so wurde von der Stadtverwaltung die Radveranstaltung mal schnell abgesagt. Damit die Fans anständig feiern konnten. Mit Autokorso, wildem Gehupe und Kilometerlangen Staus durch die Innenstadt, wurde hier der Titelgewinn gefeiert. Wir mögen das ja vielleicht von Deutschen Fußball Fans kennen, nur der Enthusiasmus der hier an den Tag gelegt wird ist schon bemerkenswert. Nichtsdestotrotz beteiligten wir uns am Nightride mit ca. 70 Bikern, welcher mit einer anderen Route durch die Stadt führte. Wir fuhren eine ziemlich großen Runde auf der Europäischen Seite von Istanbul und haben somit eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und viel gesehen.

Am Sonntag brachten wir unsere Räder in den Bikeshop, um unsere Räder auf stabilere Felgen umzubauen. Da Patricks Felge ja bereits in Bulgarien ausgestiegen ist. Die restlichen Tage bis zu unserer Abreise, haben wir versucht zu entspannen und relaxen. Wir haben ein Tagesausflug zu den Prinzessinnen Inseln gemacht. Die Inseln sind Südöstlich von Istanbul vorgelagert und bieten viel ruhe Ruhe und Entspannung im Vergleich zur hektischen Großstadt Istanbul. Auf den Inseln ist kein Autoverkehr erlaubt außer mit Sondergenehmigung. So wird hier vieles mit Pferdekutschen, E-Rollern oder ganz einfach mit dem Fahrrad bewegt. Für uns ein Novum und wir waren von de Ruhe und der Entschleunigung des Lebens auf der Insel überrascht. Wir wanderten auf der größten Insel Büyükada auf einen Berg mit Aussichtsturm und hatten so einen coolen Aussichtspunkt auf das Marmarameer. Der Besuch der Inseln lohnt sich wirklich, auch weil die Fahrt dorthin mit dem Schiff umgerechnet nur 1,30 € kostet.

Ebenso besuchten wir ein türkisches Hamam, um kulturell alles mitzunehmen und waren doch positiv überrascht. Man wird hier definitiv nicht mit Samthandschuhen angefasst und erhält eine Ganzkörperreinigung nach alter Tradition. Mit den Jungs von Hellobikeworld aus der Schweiz, haben wir uns auch nochmal getroffen und einen gemeinsamen Abend verbracht. Um ein paar Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und sich einfach mal mit gleichgesinnten zu unterhalten.

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Zusammen mit unseren Schweizer Freunden

Ansonsten haben wir natürlich auch ein wenig die Stadt zu Fuß erkundet. Allerdings ist das vorankommen in Istanbul mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus schwierig. Es gibt hier Boote die zwischen europäischer und asiatischer Seite pendeln, Kleinbusse die gewisse Viertel in Istanbul anfahren sowie Straßenbahnen und Taxis. Es gibt hier keine einheitliche Verbindung oder Zusammenschluss der Transportmittel und das heißt im groben, man muss sich schon ein wenig auskennen. Istanbul hat uns an sich schon gefallen, nur ist es eben durch das enorme Verkehrsaufkommen, der daraus entstehende Lärm und die Hektik sowie die Vielzahl an Menschen die auf den Straßen unterwegs sind, nicht ganz so einfach hier zur Ruhe zu kommen. Wir haben die Zeit hier trotzdem genossen und sind natürlich weiterhin gespannt, was uns im weiteren Verlauf der Türkei erwartet. Wir starten am Freitag den 9.6. von Istanbul aus Richtung Norden und werden uns entlang der Schwarzmeer Küste weiter nach Osten vorarbeiten.

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Das Radreisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein

Wir sind auch stolz berichten zu dürfen, das wir von unserem Freund und Bekannten Adi Rückewold von Antenne Thüringen interviewt wurden. Unser Zusammenschnitt  lief bereits mehrmals in den Nachrichten im Radio. Vielleicht hat es der ein oder andere ja schon gehört. Wir sind jedenfalls mega Happy und bedanken uns bei Adi und Antenne Thüringen, für die Möglichkeit unsere Reise so einem breitem Publikum vorzustellen.

Und hier haben wir die Mitschnitte:

Mitschnitt 1

 

Mitschnitt 2

 

Mitschnitt 3

 

Mitschnitt 4 wird Landesweit ausgestrahlt

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Vorsicht: Trump ist einfach überall!!

Merhaba Istanbul, Willkomen in Asien!!!

Während unseres kurzen Stops in Burgas / Bulgarien, sind wir in einer kleinen Pension untergekommen. Wir sahen bereits bei der Ankunft, dass das Nachbarhaus noch im Rohbau ist. Es war ja Freitag, also sollte am Wochenende Ruhe sein, sodass auch wir relaxen konnten. Das war allerdings weit gefehlt. Samstag wie Sonntag wurde kräftig gebohrt, geackert, krach gemacht und das bereits in den frühen Morgenstunden. Am späten Samstagnachmittag rückte dann noch die Betonpumpe an, um die Decken für die oberen Etagen zu gießen. Natürlich landete der eine oder andere Spritzer auf unserem Balkon und unser frisch gewaschenen Wäsche. Unser Balkon grenzte direkt an das Nachbarhaus und so konnten wir live dabei sein. Nichtsdestotrotz genossen wir die zwei Tage Pause in Burgas, um uns ein wenig von den letzten Tagen zu erholen.

Wir starteten am 29.5. von Burgas aus Richtung Türkei. Und hatten natürlich wieder jede Menge Berge zu überwinden. Auf dem Weg trafen wir wieder zwei Deutsche Radler, die vom Iran nach Deutschland radeln. Beide haben mehrere Jahre in Kambodscha bei einer Hilfsorganisation gearbeitet und wollen jetzt in Deutschland wieder Fuß fassen. Die beiden waren super nett und mega entspannt und wir ließen uns noch ein paar Tipps für unsere Weiterfahrt geben.

Nach den anstrengenden Bergetappen machten wir in der letzten Stadt in Tarnovo/Bulgarien halt und wurden bei Essen und Einkäufen unsere letzten Bulgarischen Lev los. Danach ging es wie sollte es auch anders sein weiter bergauf Richtung Grenzübergang zur Türkei. So ein bisschen nervös waren wir schon was uns da erwartet.

Oben auf dem Berg angekommen, wurden wir erst kurz von den Bulgarischen Grenzpolizisten gecheckt und durften dann weiter zur Türkischen Grenzkontrolle. Hier war alles ein wenig millitärischer aufgebaut, als wir das vorher kannten. Mit Soldaten und Wachposten und größerem Gebäudekomplexen als bisher. Der Soldat auf seinem Posten grüßte uns gleich und auch die restlichen beiden Grenzbeamten die unsere Ausweise checkten waren sehr freundlich und nett.

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So sind wir also in der Türkei angekommen und sind mega happy es bis hier her geschafft zu haben. Wir genossen die Abfahrt auf einer sehr gut ausgebauten Straße und toller Landschaft. Dann fanden wir in einer kleinen Nische neben der Straße ein für uns doch geeignetes Plätzchen zum zelten. Als wir dann uns aufmachten ins Zelt zu gehen hörten wir von weitem lautes Hundegebell von 2 Hunden. Also haben wir uns schnell im Zelt verkrochen und versucht abzuwarten ob Sie näher kommen. Es hat nicht lange gedauert und einer der Hunde stand ein paar Meter vom Zelt entfernt, bellte und knurrte auf das wildeste. Wir beschlossen erst mal ruhig zu bleiben und abzuwarten. Dem bellen nach, waren es definitiv keine kleinen Hunde und wir waren doch schon ein wenig besorgt wie wir uns verhalten sollten. Nach ca. 15min heftigen knurren und bellen verschwanden die beiden wieder, da sich bei uns im Zelt anscheinend kein Widerstand regte. (Frank untertreibt, ich hatte Todesängste und Puls von 300!!)  Das Thema mit den Hunden ist unter Radfahrern sehr bekannt und wir haben nun schon viele Taktiken gehört und probiert, wie man Sie mehr oder minder vertreibt. Viele benutzen Stöcke, haben Steine parat, Pfefferspray/Deo oder versuchen Sie mit lautem brüllen zu vertreiben. Und im letzten Fall, falls möglich einfach flüchten. Wir haben es bisher meist mit zurück brüllen und Stock zeigen versucht, was aber auch nicht immer funktioniert. Jedoch blieb es bis auf unseren kleinen Zwischenfall an der Rumänischen Grenze nur dabei, dass die Hunde uns verfolgten und wir noch keine Verletzungen davon trugen.

Am nächsten Morgen schien die Sonne und wir machten uns auf den Weg Richtung Kirklareli. Die Fahrt dahin ging zwar bergab, allerdings hatten wir immer wieder steile Anstiege zu bewältigen, da die Türkei ja nicht unbedingt für sein flaches Landschaftsprofil bekannt ist. Bereits kurz nach der Grenze veränderte sich die Landschaft stark mit weniger Bäumen und vielen Grasflächen.

In Kirklareli angekommen, wurden wir direkt beim Geldabheben von einem Jungen Mann angesprochen, der fragte woher wir denn kommen, wo wir hinwollen etc. und gab uns noch ein paar Tipps für unsere Route Richtung Istanbul. Hier haben wir bereits gemerkt, wie offen und hilfsbereit die Türken gegenüber Fremden sind. Nach kurzen Essen Stop in einem kleinen Döner Laden ging es weiter. Die weitere Strecke hielt immer noch einige Berge in petto, allerdings waren dies nur noch flache Anstiege. So erreichten wir ein wenig entspannter Pinarhisar. Hier haben wir in einem kleinem Cafe an der Straße kurzes Päuschen eingelegt und lernten schnell den Besitzer Cem kennen.  Er sprach gut Englisch und war sehr begeistert von unserer Vorhaben. Nach einem Kaffee und Türkischem Tee, holfen wir noch seinen Aushilfsmädels bei den Englischhausaufgaben und wenig später lud uns Cem ein, doch bei ihm in der Wohnung zu übernachten. Das Angebot nahmen wir natürlich dankend an, bestanden aber darauf für ihn am Abend zu kochen. Wir kochten Pasta mit Rindfleisch und wurden stets beobachtet, was wir denn da so machen. (In der Türkei kochen nämlich nur die Fauen) Cem und seiner Bedienung hat es jedenfalls geschmeckt und wir genossen den weiteren Abend mit vielen freundlichen Türken in seinem Cafe. Wir wurden dann noch von ein paar Leuten zur einer kleiner Theateraufführung mitgenommen und genossen die freundliche und nette Atmosphäre. Wir haben hier bereits viel über das Land und die Menschen gelernt, sowie ein paar Türkische Vokabeln gepaukt. Im Moment ist in der Türkei Ramadan/Fastenzeit und die Menschen dürfen gewöhnlicherweise nur essen und trinken wenn es Dunkel ist. Im europäischen Teil der Türkei wird der Ramadan nicht ganz so strikt eingehalten. Wir sahen hier auch tagsüber Leute essen und trinken und nicht jeder beteiligt sich am Ramadan. So fühlte sich das Cafe am späteren Abend ziemlich rasant und wir hatten einen witzigen und geselligen Abend, bei dem wir gegen 2 Uhr nachts im Bett landeten. Den nächsten morgen verbrachten wir noch bei Cem im Cafe, der Abschied viel uns merklich schwer von all den netten Leuten, die uns sehr warmherzig empfangen haben. (kleine Geschenke machten und uns super integrierten)

Wir hatten am flogenden Abend unsere Warmshowers Premiere bei Asli in Çerkezköy. Warmshovers ist ein Netzwerk von Radfahrern die Unterkunft, Dusche etc. für Radler anbieten, ähnlich wie Couchsurfing, nur eben von und für Radfahrer. Kurz vor Cherkezköy hatten wir leider an Patricks Hinterrad Plattfuß Nr.2, aber innerhalb von 15min war wieder alles geflickt und es ging weiter. In Çerkezköy angekommen wurden wir von Asli’s Bekannten Kadesch abgeholt und trafen uns mit Asli am Radladen Arslan Bisiklet. Asli war super nett und sprach sehr gut Englisch. Auch die Jungs vom Radladen, die wir kennenlernten waren super freundlich. Nach kurzer Dusche bei Asli und leckeren Abendessen im Türkischen Restaurant, ging es am Abend mit dem Lion’s Bike Club Çerkezköy zum Nightride durch die Stadt. Wir waren ca. 25 Leute, mit denen wir mega Spaß hatten. Der Club veranstaltet das zweimal wöchentlich und will so das Radfahren stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Radfahren dient in der Türkei hauptsächlich um von A nach B zu kommen und ist als Freizeit Aktivität nicht sehr verbreitet. So sind wir happy das wir die Jungs bei ihrem Vorhaben ein wenig unterstützen konnten. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit türkischen Tee, ging es wieder zurück und so waren wir wieder gegen 2.30 Uhr im Bett. Am nächsten Morgen ging es nach kurzer Nacht zum Radladen, wo unsere Bikes warteten. Hier verabschiedeten wir uns von Asli und bedankten uns Recht herzlich für ihre Gastfreundschaft.

So brachen wir nach kurzem Frühstück auf, um uns auf den Weg Richtung Istanbul zu machen. Wir versuchten hier soweit es geht die Hauptverkehrsstraßen zu meiden und befuhren meist kleinere Landstraßen mit natürlich wieder tollem Höhenprofil. Aber wo es hoch geht, geht’s ja auch wieder runter. So konnten wir nach jedem Anstieg eine neue Aussicht genießen. Da Istanbul nicht gerade zu den kleineren Städten zählt (17,6 Mio Einwohner (googelt es nochmal)) haben wir uns dazu entschieden, die Einfahrt auf zwei Tage aufzuteilen. So machten wir kurz bevor die ersten Vorstädte anfangen Stop an einem See der an das Marmarmeer angrenzt.

Am nächsten Morgen starteten wir bereits in den Vorstädten von Istanbul, bis ins Zentrum waren es von da noch ca. 50km, was zeigt wie groß Istanbul eigentlich ist. Und wir wussten, dass dies ein ziemlich stressiger Tag werden würde. So kämpften wir uns langsam immer weiter Richtung Zentrum, auf zwei bis dreispurigen Schnellstraßen mit viel Verkehr. Der Verkehr wurde immer heftiger und ging meistens nur stockend voran. Den Verkehr hier, lässt sich absolut nicht mit dem Zuhause vergleichen. Hier wird gehupt, riskant überholt, mal einfach auf der Straße gewendet und alles läuft einfach hektischer ab. Je weiter wir ins Zentrum kamen, umso zäher wurde der Verkehr. Mit unseren großen Taschen, mussten wir uns an den Autos vorbeiquetschen. Mit den Taschen  nirgends hängen zu bleiben, war garnicht so einfach. Im Zentrum angekommen, machten wir uns als erstes auf in den Reiseradladen Bisziklet Genen, da wir ja unsere Laufräder umbauen wollen. Hierzu fuhren wir mit der Fähre auf die asiatische Seite von Istanbul und haben somit schon mal unseren Kontinent Europa verlassen!!! Hier trafen wir durch Zufall wieder unsere Schweizer Freunde, von Hellobikeworld, die hier ihre Trikes zur Wartung hatten.

Nach kurzer Absprache wegen den Bikes, ging es ins Hostel. Von unserem Start am 16.04.2017 in Deutschland, bis hierher sind wir 2854 km gefahren und waren 48 Tage unterwegs.

Wir werden hier jetzt erstmal 7 Tage Pause einlegen, relaxen und das erlebte ein wenig verarbeiten.

Wir hatten im voraus unserer Reise natürlich immer nur davon gesprochen, bis nach Istanbul zu fahren. Da wir selber erstmal sehen wollten, wie das läuft. Da wir soviel Spaß dabei haben, wollen wir natürlich weiterfahren. Unser Plan ist es, bis nach Südostasien zu fahren. Einige wissen das schon, nun wollen wir das mal offiziell machen! Unser Plan ist es, jetzt im Norden der Türkei, entlang vom Schwarzen Meer nach Georgien, Armenien in den Iran zu fahren und dann weiter durch Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan nach China und weiter Richtung Südostasien. Allerdings kann Aufgrund von Visabestimmungen die Route natürlich noch nicht definitiv bestätigt werden. Die Pause in Istanbul nutzen wir natürlich auch, um uns die Karten für die weitere Reise zu legen. Das heißt Visa Beantragungen, z.B für Iran planen und sonstige organisatorische Dinge. Aber keine Angst wir werden euch auf dem laufenden halten. 🙂

Bulgarien die Zweite !!!

Nach unsere Überfahrt mit der Fähre nach Bulgarien nach Swischtow, stand erstmal ein kurzer Shopping stop an, bevor wir uns an die Zeltplatzsuche machten. Nach ein wenig hin und her, fanden wir in einer Art Parkanlage ein super Platz direkt an der Donau. Hier konnten wir unseren letzten Abend an der Donau genießen, die uns seit Beginn unserer Reise begleitete.

 

Am nächsten morgen machten wir uns auf in Richtung Balkangebirge und ab hier war es dann vorbei mit flach dahin radeln wie an der Donau. Es ging erstmal stetig bergauf mit strahlendem Sonnenschein und 30°C. So ging es eigentlich den ganzen Tag weiter und Gott Sei dank, auch immer wieder mal bergab. Wir fuhren durch viele kleinere Ortschaften wo sehr viel Menschen auf den Straßen unterwegs waren.

 

Wir passierten einige kleinere Stauseen an denen wir allerdings nicht campen durften. So fuhren wir weiter bis Popovo, wo wir an einem See einen versteckten Platz in den Büschen fanden. In der Nacht regnete es mehrmals, sodass es am nächsten Morgen nicht ganz so heiß wurde und der Himmel teilweise sehr bedeckt war. So radelten wir weiter, natürlich wieder mit der einen oder andere Bergetappe. Allerdings nicht ganz so wild wie am Vortag. Die Landschaft verändert sich und wir nähern uns den Ausläufern des Balkangebirges. Nach einer späten Mittagspause um 16.30, ja wir schlafen manchmal einfach zu lange, ging es weiter.

 

Patrick bemerkte dann ein Schleifen am Hinterrad und wir untersuchten den Hinterreifen fanden allerdings nichts. Bis wir dann die Felge begutachteten und hier fanden wir das Problem. Die Felgenflanke war gebrochen und bog sich nun durch den Reifendruck immer weiter nach außen. Da war die Stimmung mal kurzzeitig im Keller, aber wir beschlossen mit weniger Luftdruck weiterzufahren, um so in die nächste größere Stadt zu kommen und eventuell einen neuen Felgenring zu bekommen.

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Das ist der Übeltäter

Einen Zeltplatz fanden wir abends auf einer kleinen Wiese am Waldrand. Am nächsten Morgen beschlossen wir es so weit wie möglich mit Patricks kaputtem Hinterrad zu fahren und eventuell bis Burgas ans Schwarze Meer zu kommen. Was mit ca 115km eine ziemlich stramme Etappe werden sollte. Die Felge hielt den Tag soweit durch und wir hatten einige lange Anstiege zu bewältigen. Am Ende kamen über 1500hm zusammen. Das war bereits unser 6. Fahrtag ohne Pause und das merkten wir ordentlich.

 

Auf den letzten 30 km kam uns ein heftiger Wind vom Schwarzem Meer entgegen, der das fahren nicht einfacher machte. So kämpften wir uns ziemlich fertig bis nach Burgas an Schwarze Meer. Wir sind mega Happy und stolz auf uns, das wir es bis hier her geschafft haben und gönnen uns hier erstmal ein paar Tage Pause nach 2500 km. Auch haben wir nach einen Radladen gefunden, der Patricks Hinterrad mit neuem Felgenring einspeicht. Wir haben beschlossen, wenn wir in Istanbul ankommen, eventuell unsere kompletten Laufräder nochmal auf stabilere Felgen umspeichen lassen, da wir auf Nummer sicher gehen wollen.

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Das Wetter war zwar nicht so gut, aber wir sind trotzdem glücklich am Schwarzen Meer angekommen zu sein